Nachlass von Grabungstechniker Wilfried Titze wird erforscht

Schongau - Der Nachlass des vor 20 Jahren in Schongau verstorbenen Grabungstechnikers Wilfried Titze wird jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet.

„Fast alle archäologischen Erkenntnisse im Raum Schongau und Umgebung sind Wilfried Titze zu verdanken“, erklärt Heide-Maria Krauthauf, Vorsitzende des Historischen Vereins Schongau, und deutet auf mehrere Schachteln, die im Stadtmuseum aufgestapelt sind. In den kleineren Kartons befinden sich Keramik-scherben, in den größeren viele Aktenordner mit historischen Aufzeichnungen - der Nachlass von Wilfried Titze.

Die Fülle der Dokumentationen und auch die Funde, die im Schongauer Stadtarchiv und im Stadtmuseum ruhen sowie in der Archäologischen Staatssammlung in München und im Landesamt für Denkmalpflege archiviert sind, seien bisher nur in kleinen Bereichen ausgewertet, erläutert Krauthauf. Einen Überblick über die vor- und frühgeschichtliche Entwicklung des Schongauer Raumes habe Walter Irlinger (Landesamt für Denkmalpflege) bereits im Jahrbuch des Historischen Vereins von 2004/2005 zusammengestellt. „Jetzt soll ein größeres Teilgebiet umfassend aufgearbeitet werden“, kündigt die Vorsitzende des Historischen Vereins an. Es handle sich um den Schongauer Schloßberg, den Schneckenbichl und den Kalvarienberg, also Bereiche, in denen Titze aktiv war. Von 1946 bis zu seinem Tod hat er in Schongau gewohnt. Von 1968 bis 1985 leitete er ehrenamtlich das Schongauer Stadtmuseum. Zeitlebens engagierte er sich für die Archäologie und die Geschichte Schongaus. Neben seinem Beruf als Grabungstechniker am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wie auch danach im Ruhestand dokumentierte er, was bei Bauarbeiten an archäologischen Spuren sichtbar wurde.

Das Modellprojekt „Ehrenamt in der Bodendenkmalpflege“ wird vom Bayerischen Landesamt für Bodendenkmalpflege betreut. Der Projektvorschlag des Historischen Vereins Schongau ist von einem vierköpfigen Gremium aus dem Landesamt für Denkmalpflege, dem Wissenschaftsministerium, dem Landesverein für Heimatpflege sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München positiv beurteilt worden. Nun erhält der Verein für ehrenamtliche Eigenleistungen im Wert von fast 4000 Euro eine finanzielle Zuwendung von knapp 8000 Euro. „Für diese Summe kann per Vertrag ein Archäologe verpflichtet werden, der den Teilbereich Schloßberg, Schneckenbichl und Kalvarienberg wissenschaftlich aufbereitet“, freut sich Heide-Maria Krauthauf.

Der Startschuss ist bereits gefallen. Der Archäologe Marcus Simm (Spezialgebiet Mittelalter) und der Archäologe Stefan Hanöffner (Spezialgebiet Vorgeschichte) neben den Titze-Nachlass unter die Lupe. die ehrenamtlichen Helfer des Historischen Vereins Schongau werden sich insbesondere bei der Sortierung und fachgerechten Archivierung von Schriftstücken, Fotos, Plänen und Fundstücken betätigen. „Alles muss eingescannt werden“, deutet Professor Bernd Päffgen von der Ludwig-Maximilians-Universität München an.

„Spätestens nach einem Jahr sollen die Arbeiten für das Projekt abgeschlossen sein“, geben Heide-Maria Krauthauf und Franz Grundner vom Schongauer Stadtarchiv einen Zeitrahmen für das Modellprojekt vor.

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