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Nichts geht mehr: Die Brücke über den Lech, die Epfach und Reichling verbindet, ist gesperrt.

Lechbrücke Epfach

Nadelöhr am Lech geschlossen

Epfach - „Grenzgänger“ über den Lech müssen die kommenden Monate längere Umwege in Kauf nehmen. Die Lechbrücke zwischen Epfach und Reichling ist seit Dienstag, 4. August, bis zum 31. Oktober für den gesamten Verkehr gesperrt.

Es ist ein echtes Nadelöhr am Lech: die Lechbrücke zwischen Reichling und Epfach. Viele Handwerker der Umgebung nutzen diese Überquerung des Lechs täglich, ebenso viele Ausflügler, die die romantische Via Claudia am Lech entlang fahren. Doch nun ist das Bauwerk in die Jahre gekommen. Die Betonbrücke weist Schäden in der Bewehrung auf, zudem ist die Dehnkonstruktion beschädigt.

Hintergrund des Schadens ist eine Fehlkonstruktion: Beim Bau der Brücke wurde seinerzeit der Dehnweg falsch berechnet. „Die Bewehrung ist nach all den Jahren korrodiert und hat Beton abgesprengt“, sagt Tiefbauamtsleiter Johannes Ried vom Landratsamt Landsberg. Eine normale Alterserscheinung, unter der viele Brücken in Deutschland heute leiden.

Zudem wurde der Baustahl im Beton früher mit einer Schicht von nur einem Zentimeter bedeckt. Als Maßnahme müsse, so Ried, die Armierung freigelegt werden und mit einer – wie inzwischen üblich – dickeren Betonschicht bedeckt werden.

Etwas komplizierter gestaltet sich die Erneuerung der Dehnkonstruktion. „Damals wurde der Dehnweg falsch berechnet“, sagt Ried, „als Folge wurden die Rückwände der Widerlager durch die Dehnbewegung verschoben und nach hinten weggedrückt.“ Dabei seien Risse entstanden, in die Tausalze in den Brückenkörper eingedrungen sind. Ob beide Wände der Brückenlager betroffen sind, werde sich erst zeigen, wenn ausgebaggert wurde und man das Innenleben der Brücke untersuchen kann.

„Wir müssen auf jeden Fall rechtzeitig handeln, bevor die Tragfähigkeit in Gefahr ist“, sagt Ried. Zusätzlich erneuert der Landkreis die Asphaltdecke : eine Maßnahme, die eigentlich nur alle 15 Jahre nötig ist. „Wenn wir schon mal dabei sind und so einen Aufwand betreiben, machen wir das gleich mit“, sagt Ried.

Mit der Durchführung der Arbeiten wurde die Firma Geiger aus Sonthofen beauftragt. Mit der Sanierung musste der Landkreis noch bis zum August warten, da die Jungtiere der Fledermäuse, die im Brückenkörper leben, nun flügge sind.

„Wir arbeiten bei solchen Baumaßnahmen immer eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen“, betont Ried. Nach einem Gutachten des Biologen Ralph Hildenbrand aus Weßling ist nun die Jungpopulation außer Gefahr. Der Meinung mancher Epfacher und Reichlicher, dass es vernünftiger wäre, die marode Brücke komplett wegzureißen und eine neue zu bauen, teilt Tiefbauamtsleiter Ried nicht.

„Eine neue Brücke würde fünf Millionen oder mehr kosten, da ist doch der Aufwand von 221 000 Euro für eine Reparatur absolut vertretbar.“ Außerdem, so Ried, sei die Brücke ein echtes Baudenkmal: Und auch wenn sie auf 16 Tonnen beschränkt sei, tue sie ihren Dienst.

Was die Umleitung angeht, soll der Verkehr von der B17 künftig über die Verbindung Lechmühlen – Mundraching laufen, für den Verkehr aus Weilheim und Schongau steht die Lechüberquerung über Kinsau-Apfeldorf-Rott zur Verfügung. Die Umleitungen sind beschildert.

Info

Die 144 Meter lange und acht Meter breite Lorenzbrücke über den Lech wurde 1967 bis 1969 errichtet und war eine der ersten in Deutschland, die aus Fertigbetonteilen im Freivorbau errichtet wurde. Dabei wurden die Betonelemente bei der Firma Hochtief in Augsburg gegossen und per Tiefladern angeliefert. Auf die Betonpfeiler im Lech wurden die ersten Fertigteile per Kran symmetrisch aufgelegt, nach und nach in beide Richtungen erweitert und mit Spanngliedern miteinander verbunden. Der fertige Brückenkörper wurde dann auf flexible Lager an den beiden Ufern aufgelegt. Dabei verrechneten sich die Konstrukteure beim Dehnweg - ein Umstand, der die heutigen Schäden mitverantwortete. Übrigens ist der Brückenheilige - anders als andernorts – kein St. Nepomuk, sondern der Heilige Laurentius (oder Lorenz).

Klaus Mergel

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