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Gegen Schutzgebiete sperrt sich der Gemeinderat. foto: ab

Nein zu „Natura 2000“

Wildsteig - Die geplante bayerischen Verordnung „Natura 2000“ beschäftigt die Gemeinden. Es soll Gebiete unter Schutz stellen. In Wildsteig gibt es Widerstand.

Der Freistaat will mit „Natura 2000“ am europäischen Schutzprogramm teilnehmen, dazu soll die bestehende Vogelschutz-Richtlinie um die FFH-Gebiete ergänzt und alles in diese neue Verordnung gegossen werden. Dazu dürfen die Kommunen nun ihre Stellungnahmen abgeben. Und es regt sich gehörig Widerstand, wie das Beispiel Wildsteig zeigt.

Dort setzte der Gemeinderat ein Zeichen und legte massiv Widerspruch gegen die vorgesehenen Schutzgebiete ein. Allen voran Bürgermeister Josef Taffertshofer: Denn das Kerngebiet von „Natura 2000“ im Bereich von Wildsteig würde Kommune und private Grundbesitzer empfindlich treffen. Auf den Plänen finden sich Ammer, Illach und Flächen auf dem Hohen Trauchberg. Taffertshofer sieht darin ein großes Problem: Betroffen seien nämlich gerade Privatflächen, was die künftige land- und forstwirtschaftliche Nutzung einschränkt, wie er fürchtet. Er habe zwar durchaus Verständnis dafür, wenn Naturschutzflächen in die Verordnung reinkommen würden, betont er. „Aber nicht intensiv genutzte Flächen.“ Des Bürgermeisters Forderung ist deshalb klar: „Die sollen raus.“

Mit Erstaunen und Ärger hat das Wildsteiger Dorfoberhaupt zudem festgestellt, dass in den Trauchgauer Bergen eine feine Linie gezogen worden sei. Der dortige Staatsforst tauche nämlich in den „Natura 2000“-Plänen wie durch Zauberhand überhaupt nicht auf. Aber genau dort werde intensive Forstwirtschaft und massiver Wegebau betrieben, moniert Taffertshofer.

In der jüngsten Sitzung beließ es der Rathauschef nicht bei einer verbalen Kritik. Er hatte gleich eine ganze Seite schriftlicher Stellungnahme vorbereitet, die der Gemeinderat einstimmig verabschiedete. In dieser wird die ablehnende Haltung der Gemeinde zu den Schutz-Plänen in geharnischten Worten begründet. Von „schleichender Enteignung und Wertverlusten durch die Einschränkung der wirtschaftlichen Nutzung“ ist da die Rede. Außerdem davon, dass „die Beweislast der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung beim Eigentümer liegt“, und, dass künftig „erhebliche Schwierigkeiten in der Ausweisung von Bauland“ zu erwarten seien. Denn die Schutzgebiete würden teilweise bis an den Siedlungsraum reichen. Und überhaupt: Die Festlegung der Gebiete sei willkürlich erfolgt, heißt es.

Der Bürgermeister fordert ein staatliches Entgegenkommen, sollte „Natura 2000“ so nicht zu verhindern sein. Die Flächen, die auf Gemeindegebiet aufgenommen werden, sollen dann dem Ökokonto der Kommune gutgeschrieben werden. So spare sich die Gemeinde später Kosten für Ausgleichsflächen bei Bauvorhaben. „Das soll uns wenigstens zu Gute kommen.“ Unterstützung erhielt Taffertshofer in der Sitzung von zweitem Bürgermeister Martin Klein: Der sprach von einer „kalten Enteignung“ - Klein ist als Grundbesitzer selbst betroffen und will Widerspruch einlegen. Zudem steht der Wildsteiger der Waldbesitzervereinigung Schongau vor - die ist auch nicht begeistert von den „Natura 2000“-Plänen.

Übrigens: Wegen der zahlreichen Proteste ist die Eingabefrist gegen die neue FFH-Verordnung von der Staatsregierung bis 1. Mai verlängert worden.

ab

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