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Walter Leistle aus Wildsteig ist seit rund 45 Jahren als Busfahrer im Einsatz. Der 67-Jährige liebt seinen Beruf. Einen Nachfolger finden ist allerdings schwer.

Teurer Führerschein und ungewohnte Arbeitszeiten

Neue Busfahrer schwer zu finden

Ein Dienstwagen mit 500 PS und Arbeit, wo andere Urlaub machen – so wirbt die Reisebusbranche um Fahrer. Doch so einfach zieht das nicht: Auch im Schongauer Land wird es für die Busunternehmen immer schwieriger, neue Fahrer zu finden. Vor allem die hohen Führerscheinkosten (bis zu rund 10 000 Euro) und die Arbeitszeiten schrecken mögliche Bewerber ab.

Schongau – „Ich darf nicht krank werden, denn ich habe keinen Ersatzfahrer“, schildert Walter Leistle aus Wildsteig seine Situation. Er hat schon viel im Bekanntenkreis rumgefragt und fest die Werbetrommel gerührt, aber der Beruf des Busfahrers ist anscheinend nicht mehr so beliebt. Das sieht Leistle auch bei seinen Söhnen, die wenig Interesse an diesem Beruf zeigen.

„Ich habe ältere Busfahrer aus meinem Bekanntenkreis persönlich angesprochen, aber da will keiner mehr einsteigen“, so die Erfahrung von Walter Leistle, der nunmehr schon seit rund 45 Jahren als Busfahrer am Lenkrad sitzt und dabei immer noch viel Freude hat.

Früher ist der 67-jährige Wildsteiger, der 1973 seinen Busführerschein und sich ein Jahr später selbstständig gemacht hat, auch noch eine RVO-Linie gefahren. Auch größere Busreisen (über mehrere Tage) hat Leistle früher regelmäßig unternommen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Jetzt macht er nur noch Tagesfahrten und ist zudem für den Schulverband in Wildsteig und Steingaden unterwegs.

Warum ist es so schwer, junge Busfahrer zu finden? „Die hohen Kosten für den Führerschein sind ein Wahnsinn, zudem haben die jungen Leute gar nicht so viel Geld“, sieht Leistle Gründe für das mangelnde Interesse. Und er ergänzt: Früher hätte man den Lkw-Führerschein mehr oder weniger kostenlos bei der Bundeswehr machen können und damit auch leichter die Fahrlizenz für Busse erhalten. Doch nach Abschaffung der Wehrpflicht komme auch aus dieser Richtung nichts mehr nach.

„Da muss sich der Staat was einfallen lassen“, sagt der Busunternehmer Werner Sprenzel aus Bernbeuren. Er beschäftigt sechs Fahrer, muss aber eingestehen, „dass die Aushilfsfahrer für Busse immer weniger werden“.

Heinz Sprenzel, ebenfalls Busunternehmer aus Bernbeuren, hat zwar momentan noch kein Fahrerproblem für seine drei Reisebusse, sieht die Zukunft aber realistisch. „Der Reisebusfahrer stirbt langsam aus“, so seine Sorge. Dauernd unterwegs sein, in der Früh und auch oft am Wochenende auf Achse – diese Arbeitszeiten seien nicht jedermanns Sache. „Wenn Busfahrer aus Altersgründen ausscheiden, kommen oft keine jungen nach“, das kennt Heinz Sprenzel von mehreren Betrieben.

Bei der Enzian-Bustouristik in Schongau steht Geschäftsführer Simon Greinwald vor einem ähnlichen Problem, da geeignete Fahrer nur schwer zu bekommen sind. Doch er ist nicht untätig geblieben. Weil hierzulande die Suche ergebnislos war, hat er seinen Busfahrerstamm mit zwei Bulgaren aufgestockt. „Es sind tüchtige Leute, 35 und 45 Jahre alt, mit genügend Erfahrung. Sie bekommen den gleichen Lohn wie die anderen Busfahrer auch“, teilte Simon Greinwald auf Anfrage der SN-Redaktion mit.

Michael Gretschmann

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