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Es läuft wieder wie am Schnürchen für Martin Engel (mitte): Schon am Tag nach der Hüft-Operation konnte er dank der neuen Technik im Schongauer OP wieder richtig gut laufen. Dafür sorgen Oberarzt Wolfgang Wenzlik (links) mit seinem Team und Chefarzt Dr. Thomas Löffler, der hinter der neuen Methode steht.

„AMIS“-Technik schreibt Erfolgsgeschichte

Neuer (Hüft-)Schwung fürs Krankenhaus

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Schongau - Längst kämpfen kleine Kliniken mit Fachabteilungen und Spezialisierungen um jeden Patienten und damit ums finanzielle Überleben. Das Schongauer Krankenhaus beschreitet mit einer wegweisenden Technik in der Hüftendoprothetik neue Wege – und scheint damit Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Schwungvoll spaziert Martin Engel aus Rottenbuch durch die Tür. Lacht. Schwingt sich auf den Stuhl. Schon vor Wochen hat er eine erste Bergtour gemacht – nicht einmal zwei Monate nach seiner Hüftoperation im Schongauer Krankenhaus. Noch vor Monaten hätte sich der 57-Jährige das nicht träumen lassen. „Ich hatte solche Schmerzen, ich hab’ es nicht mehr ausgehalten.“

Engel erzählt. Von einem „sechsjährigen Leidensweg“. Und von der Suche nach der erfolgversprechendsten Operationstechnik und dem bestmöglichen Operateur. Mails an Kliniken in Hamburg hat er geschrieben. Mit Ärzten in Berlin telefoniert. Warum sich Martin Engel schließlich für das Schongauer Krankenhaus entschieden hat? Ein Vortrag über eine neue Technik bei Hüftoperationen hat ihn überzeugt. „Das war so menschlich.“

Nach drei Tagen war er wieder daheim

Martin Engel sollte nicht enttäuscht werden. Schon einen Tag nach der Operation spazierte er durch den Krankenhausgang. Oberarzt Wolfgang Wenzlik grinst, als sie gemeinsam das Handy-Video anschauen. Nach nur drei Tagen stationären Aufenthalts wird Martin Engel entlassen.

Es scheint, als könnte sich das Schongauer Krankenhaus mit der „AMIS“-Technik einen Namen auf dem Markt machen. Und so auch viele Patienten generieren, die sich für einen Eingriff im Schongauer Krankenhaus entscheiden. Die Zahlen jedenfalls sprechen für sich: Die Wartezeit für schmerzgeplagte Patienten liegt derzeit bei zirka drei Wochen. Tendenz steigend – das ist dem großen Erfolg geschuldet. In einer guten Wirtschaft wartet man ja auch gerne aufs Essen, wenn der Laden brummt. Eine leere Gaststube spricht nicht unbedingt für den guten Ruf der Küche. So ist das im übertragenen Sinn auch im medizinischen Bereich.

„Der Tag hat nur 24 Stunden“, sagt Oberarzt Wolfgang Wenzlik, der sich vor zwei Jahren an die Technik herangewagt hat. Seit eineinhalb Jahren laufen die „AMIS“-Operationen in Schongau wie am Schnürchen – protegiert durch Chefarzt Dr. Thomas Löffler, der sich hinter das Projekt stellte.

140 Eingriffe sind seither gelaufen. Mit Riesen-Erfolg. Die Genesung der Patienten erfolgt weitaus schneller als bei den Eingriffen, die mit der „alten Technik“ erfolgt sind. Und auch die Gefahr, dass das künstliche Hüftgelenk bei einer unbedachten Bewegung aus der Pfanne springt? Noch nie passiert. Zuvor waren es zehn bis 15 Prozent.

Statt vier Ärzten nur noch zwei beteiligt

Wo liegt das Geheimnis? Der Zugang, den sich der Operateur zum Hüftgelenk schafft, ist das Novum in der „AMIS“-Technik. Statt über den Po geht es, vereinfacht gesagt, vorne hinein ins Bein. Das ist schonend, es kann komplett auf das Durchtrennen von Muskeln verzichtet werden. Was wiederum zur Folge hat, dass nicht nur postoperative Schmerzen minimiert werden. Der Patient kommt auch viel schneller wieder auf die Füße.

Oberarzt Wenzlik zeigt es am Bild: Große Muskel, empfindliche Nerven. Statt wie ein Eisbrecher mit dem Skalpell da durchzubrettern, werden beim Eingriff von vorne die Muskeln beiseitegeschoben. Genäht werden muss kaum. Die Infektionsgefahr wird bei der Technik zudem gesenkt.

Selbst für den Laien hört sich das ziemlich genial an. Und wirkt sich außerdem vorteilhaft auf die gesamten Strukturen im OP-Bereich des Schongauer Krankenhauses aus. Seitdem dort Hüften ausschließlich mit der neuen „AMIS“-Technik operiert werden, stehen nur noch zwei Ärzte bei einem solchen Eingriff am OP-Tisch. Zuvor waren es vier.

Das frei gewordene Arzt-Personal wird jetzt im Schongauer Krankenhaus dafür eingesetzt, um andere Patienten schneller zu versorgen. Ablegen und Rumliegen lassen: Das gibt es längst nicht mehr, betont Dr. Thomas Löffler. „Von der Straße geht es quasi direkt in den OP.“ Und zwar nicht nur, um der täglichen Degenerierung von Muskelmasse bei liegenden Patienten vorzubeugen. Es läuft wie geschmiert. Offenbar nicht nur bei Martin Engel.

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