Leider nicht dabei: Auf den kompletten Ladehof will die Bahn nicht verzichten.

Neuer Versuch beim Bahnhofs-Umfeld

Schongau - Der lang gehegte Wunsch von einem besseren Bahnhofsumfeld ist in Schongau wieder ein Stück vorangekommen.

Von einem „längeren Leidensweg“ sprach Stadtbaumeister Ulrich Knecht, als er auf die Vorgeschichte zum Thema Bahnhofsumfeld einging. Bereits 2008 habe man einen Bebauungsplan aufgestellt und eine Veränderungssperre erlassen, weil die Bahn mehrere Flächen als entbehrlich angesehen hatte. „Wenn man dann nicht mit einer Planung parat steht, kann es an den zentralen Vorstellungen der Stadt vorbeigehen“, so Knecht. Und die Pläne sind groß: Zentraler Busbahnhof, Park&Ride-Plätze, Gewerbe, eine Aufwertung im Osten und Westen mit Grün - so stellte sich die Stadt 2008 das künftige Bahnhofsumfeld vor.

Seitdem ging es nur in Trippelschritten voran - oder gar nicht. „Das ist im Dornröschenschlaf versunken“, sagte Planer Martin Eberle im Bauausschuss. Denn weil die Bahn beispielsweise den Ladehof als zentralen Teil der Pläne als unverzichtbar ansah, schlief das Vorhaben wieder ein. Erst mit dem Kauf des Bahnhofs-Gebäudes durch Unternehmer Andreas Holzhey kam Schwung in die Sache. Jetzt präsentierte Eberle die neue Planung, die sich nur in wenigen Bereichen von der alten unterscheidet.

-Am auffälligsten ist der Park&Ride-Platz, der wegen des unabkömmlichen Ladehofs völlig verändert werden musste. „Anstatt kompakt in Bahnhofsnähe wie bisher, mussten wir die Parkplätze bandartig am Ladehof vorbei anlegen“, sagte Eberle. Aber die vorgesehen 50 bis 60 Stellplätze bekomme man unter, immerhin stehen an der schmalsten Stelle noch neun Meter Breite zur Verfügung. Geschrumpft ist dafür die geplante Gewerbe-Ansiedlung im Norden, für die nun nur noch 1000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die derzeit als Trampelpfad bestehende Rad- und Fußwegachse wird in diesem Bereich nach Norden fortgeführt.

-Zentraler Punkt ist natürlich das Bahnhofsgebäude mit seiner prominenten Lage. Die Nutzung als Beherbergungsbetrieb scheidet aber im vorderen Teil aus Verkehrslärmgründen aus, mindesten 100 Quadratmeter müssen auch in Zukunft öffentlich zugänglich sein - sei es durch Fahrkartenverkauf, öffentliche Toiletten oder einen kleinen Food-Store, wie Eberle sagte. Schallschutz-Experte Dirk Kirsten hat untersucht, was machbar ist, und das ist nicht viel: Nur mit Lärmschutz wäre ein Parkplatz für einen auch abends genutzten Gaststättenbetrieb möglich. Eine dauerhafte Wohnnutzung sei eigentlich ausgeschlossen, doch eine Hausmeisterwohnung wäre im Bereich des möglichen. „Da sind wir mit Herrn Holzhey in enger Absprache“, so Knecht.

-Südlich des Bahnhofsgebäudes ist ein öffentlicher Parkplatz für 15 bis 20 Autos vorgesehen, die ehemalige Güterhalle sahen die Planer als Sondergebiet für Bildung, Kultur und Soziales vor. „Man könnte dort Vernissagen zeigen oder Wanderausstellungen aus Museen“, sagte Eberle. Ganz im Süden ist eine öffentliche Grünfläche vorgesehen, auch die bestehenden Bäume sollen erhalten bleiben. Überhaupt sind im gesamten Bereich zahlreiche neue Bäume geplant.

Die düstere Unterführung im Norden des Bahnhofs soll, wenn möglich, besser begehbar werden. fotos: bo

-Ein ganz wichtiger Bereich für die Stadtentwicklung ist das Gebiet östlich des Bahnhofs Richtung Helgoland. Schon bei der diskutierten Bewerbung für die Landesgartenschau nahm der Bereich eine wichtige Funktion ein, das ist jetzt nicht anders. Auch dort könnte ein Rad- und Fußweg vorbeiführen, neben vielen Grünflächen sei die Unterführung im Norden ein wichtiger Punkt für die Durchlässigkeit der Bahnanlagen, so Eberle.

Die Pläne wurden grundsätzlich gelobt, nur der Erhalt der alten Güterhalle irritierte unter anderem Paul Huber: „Es würde sich anbieten, dort auch Parkplätze auszuweisen. Stellplätze sind knapp, und einen Bedarf für einen kulturellen Veranstaltungsort sehe ich dort nicht.“ Das sah auch Friedrich Zeller (SPD) so. „Unser Ansatz war, den alten Charme des Gebäudes zu erhalten“, erklärte Knecht. „Aber wir können die Prioritäten durchaus anders setzen.“

Das soll sich am Bahnhof ändern: Blau umrahmt ist der Bereich des künftigen zentralen Busparkplatzes nah am Bahnhofsgebäude (1). Der Park&Ride-Platz zieht sich weit nach Norden, weil die Bahn auf den Ladehof (rot umrandet) nicht verzichten will. Grün markiert ist ein öffentlicher Parkplatz, der südlich des Bahnhofsgebäudes entstehen soll und auch noch auf den Bereich der alten Güterhalle (2) ausgeweitet wird. Mit (3) markiert ist die Unterführung, die wenn möglich verbessert werden soll. grafik: bo

Helmut Hunger (CSU) schlug vor, die Unterführung zumindest etwas zu sanieren und mit Licht auszustatten. Das war auch das Ansinnen von Bettina Buresch (ALS): „Diese Unterführung ist gruselig.“ Sie hätte lieber einen oberirdischen Übergang von Ost nach West auf Höhe des Bahnhofsgebäudes, doch da winkten alle Beteiligten ab: Ein Überqueren der Gleise lasse die Bahn niemals zu.

Die Umwandlung der Güterhalle in Parkplätze ging mit 6:2 Stimmen durch, die gesamte Planung wurde einstimmig verabschiedet.

Boris Forstner

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