Peitinger Seniorentagespflege eröffnet

Neustart für Peitinger Tagespflegestätte

Peiting - In die Tagespflegestätte in der Peitinger Friedhofstraße 10 ist wieder Leben eingekehrt: Die bis zum 30. Juni bestandene Pflegestelle wurde durch eine Neugründung ersetzt.

Warum ich das mache?“, fragt Volker Wellstein. Der 63-Jährige sitzt im Esszimmer seiner neuen Firma. Die blauen Augen blitzen auf – lange muss er nicht überlegen. „Aus einer sozial-gesellschaftlichen Verantwortung heraus“, sagt er dann ohne Umschweife. Deshalb gründete er eine neue Senioren Tagesstätte in der Marktgemeinde. Praktisch: Mitarbeiter, Gebäude und Inventar stehen schon. Die Peitinger-Seniorentagesstätte hat ihren Sitz nämlich in der Friedhofstraße 10.

Stellt sich die Frage: Warum eröffnet ein Steingadener in Peiting eine Tagesstätte? Ganz einfach, Volker Wellstein ist kein neues Gesicht in der Friedhofstraße. Bis zum 30. Juni stand dort neben der Türklingel „Institution Sonne & Mond Ambulante Pflege und Tagesstätte“. Diese Einrichtung musste aber bis zum 30. Juni schließen – Mängel in der Bürokratie veranlassten das Landratsamt zu einer Gewerbeuntersagung (wir berichteten).

Wellstein ging dort jedoch regelmäßig ein und aus. Grund dafür war seine Mutter, die vor fünf Jahren an Demenz erkrankt ist. „Ein Jahr war sie im Altenheim, dann habe ich sie zu mir nach Hause geholt“, erzählt Wellstein. Er baute eine anliegende Ferienwohnung behindertengerecht um und kümmert sich seitdem mit seiner Frau Irene um Mutter Elfriede.

Deshalb weiß er, wie wichtig eine regelmäßige Entlastung ist. Als es um die Schließung der ehemaligen Peitinger Tagesstätte „Sonne & Mond“ ging, setzte er sich für die Insititution ein. Er schrieb Briefe an Vertreter der Lokalpolitik und arbeitete sich tiefer in die Materie. Die Tagespflegeeinrichtung um Britta Gierer musste trotzdem schließen - daran war nichts mehr zu rütteln. In Wellstein reifte jedoch eine Idee. Er hatte am eigenen Leib erfahren, wie rar das Angebot an Tagesstätten ist. Sah aber auf der anderen Seite den großen Bedarf.

Als die Schließung letztendlich unausweichlich war, klingelte er an Gierers Tür. „Ich hab’ entschieden, ich mache das“, verkündete er der überraschten Pflegerin. „Ich nehme das auf meine Schultern.“ Einzige Bedingung: Das Einverständnis von Gierer. „Ich musste ihr Ja hören“, erklärt er. „Dass wir das gemeinsam durchziehen.“ Schließlich brauche er die erfahrene Fachkraft. Ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Kompetenzen – im Pflegbereich. Und Gierer sagte Ja. Seitdem arbeitete er mit Hochdruck an der Neueröffnung und meldete zum 16. Juli eine neue Firma an.

Ein anderes Konzept, gleicher Ort, gleiche Fachkräfte. Denn pflegerisch wurde die Tagesstätte immer in den höchsten Tönen gepriesen. Deshalb übernimmt er das bisherige Personal – vier Vollzeitpflegekräfte und einen Pflegehelfer in Teilzeit – geschlossen. Gierer hat außerdem auf Mitarbeiterbasis die fachliche Leitung inne. Medizinischen Beistand leistet Professor Volker Zahn.

„Um das Administrative kümmere ich mich selber“, klärt Wellstein auf. Der 63-Jährige kommt aus dem Verkauf, arbeitete früher als technischer Kaufmann bei einem großen Autokonzern und gründete später eine eigene Firma im Baugewerbe. Unterstützung erhält er nur noch von Dagmar Schelle. Die wurde durch den damaligen Zeitungsbericht auf die Tagesstätte aufmerksam und engagiert sich nun als Stellvertreterin im kaufmännischen Bereich. Ehrenamtlich wohlgemerkt. Ähnlich wie Wellstein. Sein eigener Lohn erinnert fast an die Jahresmieten der Augsburger Fuggerei: „Einen Euro zahle ich mir“, informiert er. Denn das Ziel sei zunächst „mindestens kostendeckende Arbeit“.

Es läuft also gut an in der Tagesstätte, könnte man meinen. Gäbe es da nicht ein Problem: „Nach langwierigen Verhandlungsphasen kann mit dem Vermieter keine Einigung getroffen werden“, lässt Wellstein verlauten. Den Monat September blieben sie noch in dem großen Haus in der Friedhofstraße. „Ab 1. Oktober brauchen wir aber unbedingt ein neues Objekt.“ Sonst wäre der Traum von der Seniorenpflege im Peitinger Ortskern bald wieder ausgeträumt. Da kommt Wellstein noch ein letztes Mal zurück zur sozial-gesellschaftlichen Verantwortung: „Es geht darum, eine dauerhafte stationäre Unterbringung von Senioren zu verhindern“, sagt er eindringlich. „Oder zumindest, sie hinauszuzögern.“

Wer von einem passenden leerstehenden Gebäude weiß, kann sich in der Peitinger Tagesstätte unter Telefon 08861/7139388 melden und dem Team weiterhelfen.

Elena Wlacil

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