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Ruhe und Flüssigkeit: Viel mehr kann man bei einer Norovirus-Erkrankung nicht machen.

Gesundheitsamt meldet

Norovirus: Hunderte Fälle im Landkreis

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Weilheim-Schongau - Dem Gesundheitsamt Weilheim-Schongau wurden in den vergangenen Wochen „eine Vielzahl bestätigter Norovirus-Infektionen“ gemeldet. Bei einer großen Dunkelziffer seien Hunderte erkrankt und mussten zum Teil auch in Krankenhäusern behandelt werden, sagt Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes.

Das hoch ansteckende Norovirus tritt häufig dort auf, wo viele Menschen gemeinsam betreut werden. Laut Breu gab es allein in einem Weilheimer Altenheim sieben betroffene Bewohner, aber auch eine Grundschule in Penzberg sowie Kindergärten in Schongau und Peiting waren vermehrt betroffen. „Dort waren gleichzeitig jeweils mehrere Kinder und zum Teil auch Betreuer erkrankt“, so Breu.

Das kann Manuela Otschik, Leiterin des Peitinger Kindergarten St. Michael, bestätigen. „Wir hatten viele Kinder mit Magen-Darm-Problemen“, sagt sie. Schwerere Fälle kamen ins Krankenhaus, wo meist der Norovirus auch bestätigt wurde, so Otschik. „Da war vom Zweijährigen bis zum Grundschulkind, das nachmittags betreut wird, alles betroffen.“

Noroviren sind Krankheitserreger, die sich selber nicht vermehren können und deshalb auf die Zellen des Menschen angewiesen sind. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Infektionen. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und bleibt in der Umwelt über Tage ansteckungsfähig. Breu weist darauf hin: „Das A und O, um sich und andere gegen eine Ansteckung zu schützen, ist die Vermeidung des direkten Kontakts zu Erkrankten und das gründliche Händewaschen.“ Das Virus wird entweder durch Stuhl oder Erbrochenem des Erkrankten oder indirekt durch das Berühren von Flächen wie Türklinken, WCs oder Waschbecken übertragen.

Dass das in der Praxis gar nicht so einfach ist, musste auch Otschik erleben. Der Norovirus wanderte von Gruppe zu Gruppe, obwohl die Hygienestandards, die man ohnehin habe, nochmal verschärft wurden. „Aber wenn man Wickelkinder hat oder sich ein Kind mitten in der Gruppe übergibt, wird es schwer“, so Otschik.

Da Viren noch über Tage mit dem Stuhl ausgeschieden werden können, sollen die Hygienemaßnahmen laut Breu auch dann eingehalten werden, wenn die Beschwerden bei dem Erkrankten bereits abgeklungen sind. Die Symptome dieser Erkrankung sind sehr unangenehm, bei gesunden Menschen aber nicht lebensbedrohend. In aller Regel kommt es zu großer Übelkeit, starkem Erbrechen, Bauchkrämpfen, Durchfällen und Kreislaufbeschwerden. Fieber tritt selten auf. Normalerweise sind die Beschwerden nach zwölf bis 60 Stunden abgeklungen. „Aufpassen sollte man aber besonders bei kleinen Kindern und älteren Menschen, wenn durch Erbrechen und Durchfall viel Flüssigkeit und Salze verloren gehen.“ Medikamente gibt es gegen den Norovirus nicht, es hilft nur Bettruhe und ausreichend Tee oder Wasser trinken.

Im Peitinger Kindergarten St. Michael ist das Schlimmste mittlerweile überstanden. „Ich bin froh, dass die Kollegen noch fit sind. Die sind zum Glück verschont geblieben“, atmet Otschik durch. Oder sie erkrankten arbeitgeberfreundlich am Wochenende und waren montags wieder fit, sagt die Leiterin schmunzelnd. Ruhig ist es bei ihr trotzdem nicht: „Derzeit gehen Scharlach und Ringelröteln um“, so Otschik.

Weitere Informationen zum Norovirus und zum Verhalten bei Ausbrüchen gibt es im Internet unter www.weilheim-schongau.de. Außerdem stehen Ärzte des Gesundheitsamtes unter Telefon 0881/681-1600 zur Verfügung.

Auch in der Stadt München grassiert das Norovirus. Über 50 Ausbrüche in Schulen und Kindertagesstätten hatten die Gesundheitsbehörden im November registriert.

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