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Autogramm vom Autor: Eine lange Besucher-Schlange stellte sich nach der Lesung zum signieren an.

Krimi-Lesung in Schongau

Gummi-Kröte, Schädelmehl und Arme-Sünder-Fett

Schongau - Autor Oliver Pötzsch stattete dem Entstehungsort seiner Henkerstochter-Romane wieder einmal einen Besuch ab und begeisterte die Besucher im ausverkauften Ballenhaussaal.

Seine Henkerstochter-Krimis werden inzwischen auf der ganzen Welt gelesen, erst im November war er auf Lesereise in Russland. Und es gibt auch zahlreiche Leserwünsche, wie zum Beispiel: „Kann der Kuisl nicht mal Amerika entdecken? Vorerst bewegt sich der Schongauer Henker Jakob Kuisl wieder einmal in der vertrauten Region. Der Handlungsort der neuen Henkerstochter-Geschichte liegt nur einen Tag Fußmarsch von der Lechstadt entfernt. „Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ hat die Passionsspiele in Oberammergau zum Thema. „Dieses Mal ist es ein Bergkrimi. Ich wollte schon immer mal einen Bösewicht von der Felswand stürzen lassen“, scherzte Oliver Pötzsch, der dieses Jahr im neuen Look, nämlich mit Vollbart auf der Bühne stand.

Vom Inhalt nicht viel verraten

Im Laufe der Jahre hat er seine Lesungen dahin perfektioniert, nicht allzu viel vom Inhalt des Buches zu verraten. Dafür gab es umso mehr Informationen und Geschichten über die Entstehung und den geschichtlichen Hintergrund seines Romans, der von Pötzsch wieder sorgfältig recherchiert wurde. So kommt die heute befremdliche Tatsache, dass die ersten Passionsspiele auf dem Friedhof stattfanden und die Zuschauer auf den umgelegten Grabsteinen saßen, ebenso vor, wie die mystischen Venediger-Manndl, die in vielen Sagen der Bergwelt auftauchen. Diese waren im Volksglauben Zwerge oder Zauberwesen, die nach geheimen Schätzen gegraben haben.

Die Oberammergauer selbst sind in Pötzsch’s Roman „ein sehr spezielles Volk“ und „Parallelen zu einem kleinen gallischen Dorf durchaus beabsichtigt“. Zudem seien die Oberammergauer ein „wahnsinnig interessantes und kreatives Volk“. „Sie waren im Mittelalter sehr arm. Das einzige, was sie hatten, war Holz. Damit haben sie den Pilgern, die nach Ettal wollten, einfach irgendwelche Krippenfiguren angedreht“, so Pötzsch.

Simon Fronwieser will seinen Sohn Peter in Oberammergau zur Schule schicken. Zusammen mit Jakob Kuisl geraten sie dort mitten in einen spektakulären Mordfall. Der Passions-Jesus und Ratsherren-Sohn Dominik Feistenmantel hängt tatsächlich tot am Festspiel-Kreuz. Auftakt zu einer wahrhaft mörderischen Geschichte. Bei der lässt Oliver Pötzsch nicht nur dramatisch Kuisls Muskeln spielen, sondern gewährt auch einen Einblick in die scharfrichterliche Hausapotheke, deren Wundermittel er gleich mitgebracht und zum Vergnügen der Zuschauer aufgebaut hat. Neben der (Gummi-) Kröte stehen Cranium (Schädelmehl), Mumienpulver und Arme-Sünder-Fett, die für allerlei Wehwehchen brauchbar waren.

Aktueller Bezug und schöne Musik

Und natürlich durfte auch ein aktueller Bezug nicht fehlen. So hat Pötzsch eine alte Schrift ausgegraben, die beweist, dass es auch im 17. Jahrhundert Fremdenhass gegeben hat.

Vorzüglich musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Valentin Schmitt (Gambe) und Veronika Rüfer (Vihuela), die mit altertümlichen Weisen und Gesang das 17. Jahrhundert musikalisch auferstehen ließen.

Abschließend empfahl Pötzsch dem Publikum das diesjährige Historienspiel, bei dem Max Geiger mit seinem Theaterverein Treibhaus die Henkerstochter-Geschichte auf die Bühne bringen wird. Pötzsch selbst will mindestens bei einer Aufführung dabei sein und hat zudem seiner 12-jährigen Tochter eine Statistenrolle versprochen. Und wer sich mit Oliver Pötzsch in Oberammergau auf Henkerstochter-Wanderung begeben möchte: Im September sind noch Plätze frei.

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