1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau

Ottfried Fischer: Mit Ironie und Schlitzohrigkeit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ottfried Fischer überrascht, grimassiert, holt zu Gesten aus und zeigt sich in Peiting als Vollblutkomödiant. Foto: uf
Ottfried Fischer überrascht, grimassiert, holt zu Gesten aus und zeigt sich in Peiting als Vollblutkomödiant. Foto: uf

Peiting - Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Brot & Spiele“ präsentierten „Ottfried Fischer und die Heimatlosen“ in Peiting das Programm „Extrem Bayrisch“.

Ottfried Fischer, „Sir Quickly“ aus „Irgendwie und Sowieso“, „Bulle von Tölz“, „Pater Brown“ und Moderations-Roboter aus „Ottis Schlachthof“ tänzelt leibhaftig im Takt der Musik auf die Bühne und stürzt sich übergangslos in die erste Pointe: „Was ist der Unterschied zwischen der FDP und den Piraten? Die FDP hat keine Wähler, die Piraten haben keine Politiker!“

Dann packt Fischer seine Utensilien auf den bereit stehenden Bistrotisch: Das Buch zum Programm sowie eine umfangreiche Lose-Blatt-Sammlung, von der er großteils abliest. Ottfried Fischer, der große, dicke Mann des bayrischen Vorabendprogramms, der seine Eskapaden offenherzig in Boulevardblättern ausbreitet und an dem Spott und Häme der Paparazzi dennoch abprallen, wie die Brandung am sprichwörtlichen Fels. Einer, von dem die Zuschauer im Publikum alles zu wissen glauben, vielleicht sogar heimlich auf Anzeichen der offen propagierten Parkinson-Erkrankung achten.

„Ottofredo Pescadero“, wie er von einem seiner Musiker liebevoll genannt wird, ein Vollblut-Komödiant, der die Bühnenluft zum Atmen braucht, überrascht sie alle. Grimassiert mit weit aufgerissenen Augen, holt zu großen Gesten aus, singt G’stanzl und flätzt sich demonstrativ mit beiden Ellenbogen auf den windigen Tisch, der wieder Erwarten nicht unter ihm zusammenbricht. Live-Auftritte sind offensichtlich sein Lebenselixier, souverän lotst er die Sympathien des Publikums auf die richtige, nämlich seine Seite. Obwohl seine wortgewaltigen Formulierungen nicht selten auf halber Strecke in unverständlichen, viel zu hastig hingenuschelten Phrasen verenden, gipfeln sie doch zuverlässig in einer abschließenden Pointe, die von den Zuschauern mit amüsiertem Kichern quittiert wird.

Mit liebevoll-ironischem Blick nimmt er typisch bayerische Eigenheiten und Schlitzohrigkeiten aufs Korn. Seine Texte handeln von Bürgermeistern, deren Wahlerfolg vom „O’zapfen“ unter drei Schlägen abhängt, von besoffenen Feuerwehrkommandanten, die keine Gelegenheit auslassen, mit Hightech-Equipment im Großeinsatz quasi auf Spatzen zu schießen oder vom „Ganzjahres-Kostümträger Ratzinger“.

Für den Niedergang der bairischen Sprache, der sich in Ausdrücken wie „lecker“ manifestiert, macht er das „Scheiß-Seitenbacher-Müsli“ verantwortlich. Fischer: „In Bayern gibt’s nur oa lecker - kannst mi am Oarsch lecka!“ Wandlungsfähig schlüpft er von der Rolle des raunzigen Wieners in die des schnoddrigen Berliners und schließlich des grantelnden Bayern.

Unterstützt wird er von vier großartigen Musikern, den „Heimatlosen“ Claus Reichstaller an der Trompete, Christian Ludwig Mayer am Akkordeon, Leopold Gmelch an der Tuba und César Granados mit Percussion. Launig geben sie die Musik-Clowns und strapazieren die Ohren der Zuhörer mit gewollt schräg-ironischen Interpretationen bekannten Liedguts, von der Bayernhymne bis hin zum Jazz-Standart. Retten, was zu retten ist, wenn das erwartete Stichwort einmal ausbleibt. Und bekommen die Gelegenheit zu Soli der Extraklasse. Kein Wunder, dass Fischer und seine Begleiter schließlich noch zu zwei Zugaben genötigt werden.

Ursula Fröhlich

Auch interessant

Kommentare