Ozon-Sonde stürzt auf Hochland-Gelände

Schongau - Ein rätselhaftes Flugobjekt hat bei der Firma Hochland in Schongau für Aufregung gesorgt. Was steckt dahinter? Des Rätsels Lösung: Eine Ozonsonde des Deutschen Wetterdienstes.

„Uns ist gerade irgendetwas aufs Dach gefallen. Es ist rund, weiß und gibt Geräusche von sich“, meldete Hochland-Mitarbeiter Walter Zwick am Freitag gegen 11 Uhr dem Vize-Abteilungsleiter der zentralen Instandhaltung, Günter Kiy. Der machte sich sofort auf den Weg zum Bürogebäude, wo das unbekannte Objekt aufgefunden worden war. Auf dem Dach entdeckte er einen zerplatzten Ballon und einen kleinen Fallschirm, die Schnüre hingen an der Bürofassade herunter, und auf dem Parkplatz vor dem Gebäude lag der mit Styropor ummantelte weiße Behälter mit einem kleinen Motor im Inneren, der noch arbeitete und immer wieder ein ächzendes Brummen von sich gab.

Wie sollte man sich verhalten? Steckte gar eine Bombe dahinter? Im ersten Augenblick war auch Günter Kiy etwas verunsichert. Mit einem Messer schnitt er die Schnüre des Fallschirms durch und sah sich das Gerät genauer an. Da entdeckte er eine Urkunde des Deutschen Wetterdienstes, die als Dank für das Zurücksenden eines Ozon/Radiosondengespannes gedacht war. Um ein solches handeltes es sich bei dem aufgefundenen Objekt.

„Sie haben ein wissenschaftliches Instrument gefunden, das der Erforschung der lebenswichtigen Ozonschicht dient“, heißt es in dem der Sonde beiliegenden Schreiben. Sie war am Freitagmorgen in Hohenpeißenberg mittels eines mit Wasserstoff gefüllten Ballons gestartet worden und bis in eine Höhe von knapp 35 Kilometer in die Stratosphäre aufgestiegen. „Dabei wurden fortwährend Ozon und meteorologische Daten wie Temperatur, Luftdruck und Feuchte gemessen und zur Bodenstation gefunkt“, teilte Martin Adelwart von der Ozongruppe der Wetterwarte auf dem Hohen Peißenberg mit.

Günter Kiy hat den Fund dann dem Observatorium in Hohenpeißenberg gemeldet - und fünf Minuten später tauchte bei Hochland bereits ein älterer Herr auf, der mit einer Funkantenne auf dem Firmengelände anscheinend etwas suchte. Schnell stellte sich heraus, dass der Mann auf der Spur der Ozonsonde war - angeblich im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes. Also händigte ihm Günter Kiy guten Gewissens die ausgediente Sonde aus, woraufhin der unbekannte Rentner sich vielmals bedankte - und schnell davonfuhr.

Erst als der ältere Mann weg war, sah sich Günter Kiy die Rückseite des Finderbriefes etwas genauer an, und da war zu lesen, dass der Deutsche Wetterdienst für die Rücksendung der Sonde einen Finderlohn von insgesamt 30 Euro (außerhalb von Deutschland 40 Euro) bezahlt.

„Es gibt Amateurfunker, die suchen gezielt nach diesen Ozonsonden“, weiß Martin Adelwart. Im Winterhalbjahr würden am Hohenpeißenberg wöchentlich drei Ozonsonden in die Stratosphäre geschickt, ab Mai seien es wöchentlich nur noch zwei. Teile der ausgedienten Sonden könnten wieder verwendet werden. Deshalb die Bitte, die Objekte zurückzuschicken.

„Es ist selten, dass diese Sonden in der Umgebung des Hohen Peißenbergs herunterkommen“, erklärt Adelwart. Die meisten würden in den südlichen Nachbarländern wie Italien und Österreich landen, aber auch in Ungarn, Tschechien und Polen. Die Rücksendequote liegt laut Adelwart bei 50 bis 60 Prozent.

Michael Gretschmann

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