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Eva Bromberger und Harald Scharrer präsentieren neben dem Ausstellungskatalog auch die unverwüstlichen Plattenkameras: (von links) eine Kamera von Carl Zeiss Jena, eine Reisekamera für unterwegs mit Rodenstock-Optik und eine Atelierkamera (Optik Staeble München).

Neue Ausstellung

Paul Bromberger: Zeitgeschichte des Schongauer Lands dokumentiert

Schongau - Paul Bromberger war ein bemerkenswerter Mann, der über Jahrzehnte die Zeitgeschichte im Schongauer Land dokumentiert hat. Ihm ist im Stadtmuseum eine Ausstellung gewidmet - mit einigen Überraschungen.

Seine handwerkliche Qualität und der individuelle Stil mit künstlerischem Anspruch sind Wesensmerkmale der Aufnahmen des Fotografen Paul Bromberger, die über eine Epoche von 46 Jahren (1925 bis 1971) die Zeitgeschichte im Schongauer Land dokumentiert. Sein Lebenswerk ist jetzt in einer Ausstellung – zusammengestellt von Franz Grundner, Harald Scharrer und Tochter Eva Bromberger – dokumentiert, die bis 3. Oktober im Stadtmuseum zu sehen ist. „Ziel war es, die verschiedenen Facetten seines Schaffens exemplarisch darzustellen“, so Harald Scharrer bei der Eröffnung vor einem großen interessierten Publikum. Gezeigt wird der Künstler, der Reporter und, was bisher kaum bekannt war, der Erfinder Paul Bromberger.

In München am 22. Mai 1895 geboren, erlernte er zunächst einen kaufmännischen Beruf. Seine Leidenschaft galt allerdings schon als Jugendlicher der Fotografie. 1918 kaufte Bromberger seine erste gebrauchte Kameraausrüstung. Als Mitglied der Münchner Fotografischen Gesellschaft vertiefte er ständig seine Fähigkeiten, beteiligte sich an internationalen Ausstellungen und gab sein Wissen in Lehrgängen weiter. Im Mai 1925 wagte Paul Bromberger den Schritt in die Selbständigkeit und übernahm das verwaiste Atelier der Maria Seidenschwarz. Schongau kannte er schon aus Kindertagen durch regelmäßige Ferienaufenthalte bei seiner Tante Therese Köhler und Onkel Andreas Wilhelm Köhler (Sonnenbräu). Als Fotopionier stand er stets an der Spitze der Entwicklung und legte einen Schwerpunkt auf die Fotokurse für Amateure. Begünstigt durch die Kleinbildfotografie nahm diese Sparte einen Aufschwung. Bei der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 wurde die von Oskar Barnack entwickelte Leica vorgestellt und bald darauf brachte Perutz einen Spezialfilm auf den Markt.

Bei den Kursen ging es Bromberger wie dem Altmeister Stefan Kruckenhauser um das „sehen lernen“. So schreibt er in einem vielbeachteten Aufsatz „Der Vordergrund und seine Bedeutung“ bei der Bildgestaltung im Aprilheft 1937 der Fotografischen Rundschau: „Die Fähigkeit bildmäßigen Sehens ist ein Wunschtraum, der alle Amateure beseelt.“ Im August 1936 dokumentierte Paul Bromberger in einer Bilderserie die Arbeitsschritte vom Kauf eines Rollfilms bis zur Fertigstellung der Fotoabzüge. Die Betreuung der Amateure war Grundstock seines florierenden Geschäftes im Anwesen Münzstraße 9, Annahmestellen richtete er u. a. in Peiting (1928) ein. Bei ihm fand nach seiner Heimkehr der Peitinger Franz Stich als Spätlehrling seine persönliche Lebensberufung, und auch Rudolf Gigl erhielt hier eine fundierte Ausbildung.

Nicht weniger als elf Gebrauchsmuster meldete Bromberger beim Deutschen Patentamt an. Sein künstlerischer Blick, dokumentiert in unzähligen Bildern, fasziniert die Ausstellungsbesucher. Eine wesentliche Facette im Schaffen von Paul Bromberger sind seine Reportagen, eine wichtige Bildquelle für die Geschichte des Schongauer Landes. Beispielhaft seien erwähnt der Bau der Echelsbacher Brücke, die Kohlenförderung im Bergwerk Peiting und die Errichtung der Skisprungschanze am Schneckenbichl in Schongau.

Ein Augenschmaus die ausgewählten Fotografien von gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Metzgerball in Schongau um 1935, des Festzugs zur 700-Jahrfeier der Stadt Schongau 1959 oder den verträumten Ansichten einer längst vergangenen Zeit. „Da möchte man sich gerne zurückversetzt fühlen“, gerät Bettina Buresch ins Schwärmen, und Rudolf Schmid erkennt sich auf einer Aufnahme seiner Schulklasse im Jahre 1942 wieder. Erfreulich, dass neben der Biographie eine Auswahl weniger bekannter Aufnahmen aus dem Schongauer Land in dem Ausstellungskatalog enthalten sind.

Gerhard Heiß

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