Beziehungsstreit vor dem Richter

Peiting - Völlig unterschiedlich erklärten der Maschinenbediener (50) und eine Türkin (33) aus Peiting den Tathergang, der zur Anklage des Mannes führte.

Gegen den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung erhob der Mann Einspruch und musste sich nun vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten.

Sie stritten sich noch im Gerichtssaal. „Sie ist eine aggressive Frau“, sagte der Mann und schilderte die ständigen Streitereien zwischen ihm und der Mutter des gemeinsamen einjährigen Kindes. Meistens sei es um Geld gegangen, so der Angeklagte, und am Tattag habe er seiner Lebensgefährtin geraten, für einige Tage zu ihren Eltern zu gehen. „Ich wollte, dass jeder nachdenkt“, sagte er vor Gericht. Vor dem Haus der Eltern eskalierte dann der Streit. Die Eltern waren nicht da und die aufgebrachte junge Frau schlug nach Angaben des Angeklagten dermaßen heftig an die Haustür, dass die Scheibe zerbrach. Dabei verletzte sich die Lebensgefährtin ein wenig an der Hand und auch das Kind, dass die Mutter auf dem Arm trug, wurde leicht an der Lippe verletzt. „Ich habe nicht zugeschlagen“, sagte der Mann vor Gericht.

Ganz anders schilderte die Lebensgefährtin den Tathergang. Gestritten habe man sich, da der Angeklagte die Vaterschaft anzweifelte, dabei habe sie einen Test gemacht, der bestätige, dass ihr Lebensgefährte auch der Vater sei. „Er hat mich total fertig gemacht“, sagte die Frau. Den Vorfall vor dem Haus ihrer Eltern schilderte die sichtlich Aufgebrachte ganz anders. Zunächst räumte sie einen Tritt gegen das Auto des Angeklagten ein. Dann sei sie zur Haustür gelaufen mit dem Kind auf dem Arm. „Er hat mich dann geschlagen“, sagte sie. Mit dem Arm, mit dem sie ihr Kind hielt, will sie sich reflexartig geschützt haben und dabei sei die Scheibe kaputt gegangen.

An der Schilderung zweifelte sogar der Staatsanwalt. „Wie können sie mit dem gleichen Arm ihr Kind halten und dann den Schlag abwehren, können Sie das erklären?“, wunderte er sich. Das konnte die junge Frau nicht, die schon einige Tage nach diesem Vorfall trotz laufender Anklage gegen ihren Lebensgefährten bei ihm einzog und sie seitdem wieder zusammen sind. „Das ist merkwürdig, dass sie zusammen wohnen und sie ihren Partner verklagen“, sagte die Richterin und stellte das Verfahren unter Auflage eines Täter-Opfer-Ausgleichs vorläufig ein. Er soll in Form eines Gesprächs-Kurses stattfinden.

Binnen sechs Monaten muss das Paar diesen Kurs nachweislich gemacht haben, dann wird das Verfahren vollständig eingestellt. „Bemühen Sie sich ernsthaft, sich wieder zu verstehen“, gab die Richterin ihnen noch mit auf den Weg.

rwg

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