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Diskutierten angeregt: (v.l.) Udo Harbers (Telekom), Alexander Dobrindt ( Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastrucktur), Boris Forstner (Redaktionsleiter Schongauer Nachrichten) und Stefan Kraus (IT-Leiter Hirschvogel Holding).

Minister auf dem Podium

Dobrindt und der Breitbandausbau

Peiting - Für sein Breitbandausbauprogramm warb Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Mittelstandsunion ins Forum Pfaffenwinkel nach Peiting geladen hatte. Das Thema: „Standortsicherung durch Digitalisierung und Breitbandausbau für den Mittelstand“.

Die Digitalisierung der Gesellschaft bezeichnete Alexander Dobrindt als eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Er selbst informiere sich auf regelmäßigen Besuchen im Silicon Valley über die „aktuellsten Entwicklungen der StartUp-Szene“. Voraussetzung dafür, dass sich gerade der Mittelstand aktiv dem Wettbewerb stellen könne, sei es, dass die Politik Grundlagen schaffe. Sein Förderprogramm zum Breitbandausbau bis 2018, bei dem vier Milliarden Euro zur Verfügung stehen, ist so eine Grundlage.

Allerdings sei das Förderprogramm noch nicht ausgeschöpft, so der Bundesminister. Gemeinden können sich immer noch bewerben.

Inwieweit der schnelle Informationsaustausch die Gesellschaft beeinflusst, wurde bei der Podiumsdiskussion deutlich. Auf Nachfrage von Dobrindt räumte Boris Forstner, Redaktionsleiter bei den Schongauer Nachrichten, ein, dass Aktualität einen neuen Stellenwert bekomme, wenn Bürger beim ersten Ertönen einer Feuerwehrsirene sofort per Facebook in der Redaktion nachfragen, was da los sei. Andererseits komme er so auch oft schnell an aktuelle Informationen.

Weniger Kommentare in sozialen Netzwerken

Insgesamt nehmen aber bislang eher wenige Internet-Nutzer an der Möglichkeit, sich per Netz öffentlich zu äußern, teil. Eine Erfahrung, die auch Stefan Kraus, It-Leiter bei der Hirschvogel-Holding bestätigte. Auch in seiner Firma nehme eine schweigende Mehrheit nicht an Tweeds oder Blogs teil. „Ich glaube, es sind noch nicht so viele in Social Medien präsent“, so Kraus. Dass ein Unternehmen wie Hirschvogel sich nicht auf den Breitbandausbau verlässt, sondern vielmehr eigene Leitungen unterhält, erläuterte Kraus. Das Werk Schongau würde innerhalb von vier Stunden stillstehen, wenn die Verbindung nach Denklingen ausfällt. Auf die Frage, was sein Unternehmen eher bei der Standortsuche berücksichtigen würde, geringe Gewerbesteuer oder schnelles Internet, antwortete er: „Als produzierendes Unternehmen brauchen wir nicht so große Datenmengen.“

Versandhändler Horst Lüning, ist auf ein großes Datenvolumen angewiesen. „Hier wird immer mit Geschwindigkeiten geworben. Uns liegt an einer hohen Upload-Geschwindigkeit. Dafür muss ich jeden Monat 699 Euro bezahlen oder mich mit schlechter Qualität abfinden. Das ist die Strategie, die Gewerbetreibende aus dem ländlichen Raum wegtreibt!“, befand er.

Ebenfalls Probleme mit dem schnellen Internet gibt es in Unterdießen. „Die Glasfaserleitung läuft direkt am Gewerbegebiet vorbei. Ein Anschluss ist allerdings nicht möglich, da die Bahnlinie dazwischenliegt“, berichtete eine Besucherin. Dazu Harbers: „Ein Leitungskreuzungsvertrag mit der Bahn AG – da können ein paar Jahre ins Land gehen“, beschied sie Moderator Guntram Vogelsgesang aus Erfahrung.

Hausanschlüsse sind teuer

Auch Apfeldorfs Bürgermeister Georg Epple muss sich ständig Klagen bezüglich der Internet-Qualität anhören. Zudem habe die Haustürwerbung der Telekom für andere Techniken dazu beigetragen, dass seine Gemeinde aus dem Förderprogramm herausgefallen sei, Hausanschlüsse sind so zu teuer, monierte er. Dazu Udo Harbers von der Telekom: „Wir haben eine lückenlose Versorgung auf dem Schirm. Allerdings gibt es in Bayern topografische Schwierigkeiten zu bewältigen.“ Das sei für sein Unternehmen nicht wirtschaftlich. Deshalb werde vorwiegend da ausgebaut, wo das Netz auch viel genutzt wird. Und der wies darauf hin, dass die Leistung eines Glasfaserkabels umso besser sei, je näher der Abnehmer an der Verteilerstelle sei. Ebenso dämpften weiterführende Hausanschlüsse per Kupferkabel die mögliche Leistung.

Ursula Fröhlich

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