Sie wollen die alte Rock-Ola 445 Jukebox wieder zu neuem Leben erwecken und die legendären Scheiben in Vinyl darin ertönen lassen (von links): Elektromeister Thomas Negele (41, aus Hohenfurch), Ausbildungsleiter Fritz Haslach (56; Hohenfurch), Maschinen- und Anlagenführer Hamdi Tahtaci (21; Schongau), Mechatroniker Lukas Holzmann (19; Steingaden) und Maschinen- und Anlagenführer Samet Beyazgül (24; Schongau). foto: herold

Peiting erweckt die Jukebox zum Leben

Peiting - Es ist ein Stück liebgewonnener Nostalgie, das jetzt in den Hoerbiger-Lehrwerkstätten in Peiting auf Vordermann gebracht werden soll: eine Jukebox - die Rock-Ola 445 aus dem Jahr 1971.

Längst ist sie aus der Mode gekommen, die Musikmaschine mit dem einzigartigen Geräusch, wenn das Geldstück durch den Einwurfschacht rutschte. Moderne Musikanlagen und das Computerzeitalter haben die Musikbox verdrängt, die Musik in jeder noch so kleinen Kneipe kommt jetzt aus dem Laptop. Musikboxen sind nur noch auf Fotos erhalten - fast nur noch. Denn ein Freund der Kombination aus verwegener Mechanik und alter Elektronik hat einen echten Klassiker in einem Keller entdeckt.

Fritz Haslach aus Hohenfurch, Ausbildungsmeister bei der Firma Hoerbiger, stieß durch Zufall auf eine Rock-Ola 445 von 1971. Diese war nach eigenen Firmenangaben der beste Musikautomat, der bis dahin gebaut wurde. Doch an dem guten Stück hat nicht nur der Zahn der Zeit genagt, durch die jahrelange Nichtbenutzung sitzen viele mechanische Teile fest - von der desolaten Elektronik ganz zu schweigen. Allein beim Anblick des verstaubten Frontgrills und der 100 aufgeführten Musiktitel beginnen Haslachs Augen zu leuchten.

Das Hinweisschild neben dem Münzeinwurf weckte Erinnerungen: „5 Spiele 1 DM, 2 Spiele 50 Pf.“ „Es war viel Geld für mich“, resümiert Fritz Haslach, der nach kurzer Überlegung seine damaligen Einnahmen offenlegt: „Im September 1970 bekam ich meinen ersten Lohn, es waren genau 95 Mark“. Da hat man sich schon überlegt, ob man sich noch eine Cola leistet oder sein Lieblingsstück spielen lässt.

Sehr oft hat Haslach sich zu Gunsten seines Lieblings-Songs entschieden: dem Weltklassikers der Bellamy Brothers „Let your love flow“, also die Original US-Hit-Version, die Neil Diamond komponiert hat und nicht der Abklatsch vom „Bett im Kornfeld“.

Es war Usus, es war Kult, sich nach der Berufsschule im Schongauer „Café Müller“ in der Kirchenstraße zu treffen. Denn dort gab’s immer die neuesten Hits in der Juke-Box. So eben auch die Songs der Bellamy-Brothers, die täglich rauf und runter liefen. Inhaber und Besitzer Karl Müller hatte ein Händchen für Hits und Ohrwürmer. Platten, die nicht liefen, wurden schnell ausgewechselt.

Erinnerungen rund um die gute alte Juke-Box möchte Fritz Haslach mit seinem Team wieder zu neuem Leben erwecken. Mit Elektromeister Thomas Negele aus Hohenfurch, ebenfalls in der Lehrwerkstatt bei Hoerbiger tätig und eingefleischter Heavy Metal Fan, hat er einen kompetenten Mitstreiter an seiner Seite. Die beiden Meister planen, im kommenden Ausbildungshalbjahr diese Musikbox mit drei ausgewählten Azubis wieder zum Laufen zu bringen. Hamdi Tahtaci (21), Samet Beyazgül (24) und Lucas Holzmann (19) haben auch schon Blut geleckt. Die Azubis zum Maschinen- und Anlagenführer sowie zum Mechatroniker, die solche Musikautomaten nur von Fotos kennen, sind vom Virus „Juke-Box“ infiziert. Sie wollen wie ihre Meister Haslach und Negele den „echten und unverfälschten“ Sound in Natura erleben.

hh

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