aus dem gericht

Freispruch im Gülle-Prozess

Peiting - Im Fall der angeblichen Gewässerverunreinigung durch unsachgemäßes Auftragen von Gülle im Mai letzten Jahres kam es zu einem Freispruch. Richterin Katrin Krempl sah es als erwiesen an, dass der 48-jährige Peitinger Landwirt unschuldig war an dem ihm zur Last gelegten Fischsterben von rund 70 Forellen und 60 Aalen.

Der Fischereiverein hatte den Peitinger Landwirt angezeigt, da sie überzeugt waren, das Verenden der Tiere sei auf die Verunreinigung des Lexebachs zurückzuführen – hervorgerufen durch Düngen des Grünlands des Landwirts.

Der letzte Zeuge in diesem Fall räumte alle Unklarheiten aus dem Weg. Er war als Sachverständiger geladen worden. Der heute 70-Jährige hatte über 35 Jahre im Landratsamt gearbeitet und sich mit Gewässerschutz, Bodenbeschaffenheiten und den damit zusammenhängenden Gegebenheiten beschäftigt. Kompetent und informativ klärte er alle ungereimten Punkte. „Wenn es so gewesen wäre, müsste man die Landwirtschaft schließen“, stellte er gleich zu Beginn fest. Vor Ort hatte er sich das landwirtschaftliche Anwesen angesehen. Die Hanglage sei nur gering, so der Sachverständige. Ein möglicher Oberflächenrückfluss der Gülle sei somit ausgeschlossen. „Dann dürfte in Garmisch kein Bauer mehr seinen Hang düngen“, meinte er. Auch eine mögliche Übersättigung des Bodens nach starkem Regen in der Nacht zuvor schloss der Zeuge aus. Laut vorliegenden Angaben hatte es 20 Liter pro Quadratmeter geregnet. Für eine Übersättigung des Grünlands eine zu geringe Menge. „So ein Boden kann bis zu 150 Liter vertragen“, sagte der Sachverständige. Außerdem sei gerade im Mai die Pufferkapazität des Grünlandes am Besten. Der aufgetragene Dünger verbindet sich in dieser Zeit sehr schnell mit dem Boden. Auch eine Verunreinigung über die Drainage hielt der Mann für ausgeschlossen. Der Landwirt habe mit nachweislich über 50 Metern zum Graben weit mehr Abstand eingehalten als die in der Düngemittelverordnung vorgeschriebenen drei Meter, so der Sachverständige.

Wie viel Aal verträgt ein Fuchs?

„Wie erklären Sie sich denn die von dem Polizeibeamten festgestellten Schaumbildungen im Lexebach“, fragte die Staatsanwältin. Auch hierzu konnte der Mann konkrete Angaben machen. Schaumbildungen findet man in fließenden Gewässern häufig. Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Umliegende Wälder die Moorlandschaft oder auch Streuwiesen mit ihrem jeweils hohen Gehalt an Humus können die Ursache sein. Der Bach selbst kann durch das Vorhandensein vieler Steine Schaumbläschen bilden.

Lediglich vier tote Forellen hatte der Fischwart dem zuständigen Polizeibeamten damals gezeigt. Weiterhin wurde nichts dokumentiert und auf die Entnahme von Wasserproben verzichtet. „Das wäre das Wichtigste gewesen“ stellte der ehemalige Mitarbeiter des Landratsamtes fest.

Auf die Frage der Richterin, wie sich der Sachverständige denn dann das Fischsterben erklären könne, gab er einige schlüssige Antworten. „So eine Fischzucht ist ein komplexer Vorgang“, sagte der Mann, der auch in diesem Bereich eigene Erfahrung hat. Eine Überfütterung, eine schlechte Regelung der Sauerstoffzufuhr und vieles mehr, könne auch die Ursache für das Fischsterben sein. „Ich schließe mich vollkommen der Staatsanwältin an“, freute sich der Verteidiger und verzichtete ganz auf sein Plädoyer. Diese hatte einen Freispruch gefordert.

Über eine Sache hatte sich aber der Verteidiger noch seine Gedanken gemacht. Die bei diesem Fall angeblich auch verendeten 60 Aale, die in einer Reuse im Lexebach hingen, konnten auf Grund eines Chipfehlers nicht fotografiert werden. Und am folgenden Tag waren die neben dem Bach deponierten Tiere fort. Ein Fuchs soll sie gefressen haben. „Ein Fuchs frisst circa 350 Gramm pro Tag“, sagte der Verteidiger. Für das rund 42 Kilogramm verschwundene Aalfleisch hätten laut Berechnung des Verteidigers in dieser Nacht 120 Füchse durch Peitings Wälder streifen müssen.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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