Nach Grünem-Antrag

Kunstrasenplatz in Peiting beschlossene Sache

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Das Runde muss ins Eckige – klingt einfach, fordert aber Geschick. Wie komplex das ist, davon können Fußballer ein Lied singen. Und auch die Peitinger, wenn es um den Bau der beiden Spielfelder geht, die in der Kiesgrube entstehen sollen. Jetzt hat der Grünen-Rat Thomas Elste die Frage aufgeworfen, ob ein Kunstrasenplatz überhaupt das Richtige für die Gemeinde ist.

Peiting– Umweltschädlich, krebserregend, teuer? Was im Gemeinderat längst schon beschlossene Sache war, brachte den Grünen-Rat Thomas Elste nochmal ins Grübeln. Denn ist so ein Kunstrasen nicht vielleicht Sondermüll? „Ich frage mich, ob von dem Material nicht eine Gefahr für künftige Generationen ausgeht“, so Elste. So könnten zum Beispiel sich ablösende Mikroplastiken ins Grundwasser geraten. Auch, ob der Pflegeaufwand nicht zu hoch ist, oder die Materialien tatsächlich für den Winterbetrieb geeignet sind, sind Themen, die Elste beschäftigen.

Deshalb hat sich der Marktrat zwei Experten in die Runde geholt, die alle Fragen geduldig beantworteten. Zum einen Hubert Strobel, zweiter Vorstand der FA Peiting, und Marko Schurig von Richter Sportstättenkonzepte.

20 Mannschaften, davon 14 Jugendmannschaften sind in Peiting momentan aktiv im Spielbetrieb. „Wir müssen auch in den Wintermonaten trainieren“, sagt Strobel. Ein Naturrasen werde durch den gefrorenen Schnee bei kalten Temperaturen zum Knochenbrecher. Damit habe man Erfahrung. In Holland habe man in einem Kunstrasen krebserregende Stoffe gefunden, diese haben sich in dem Granulat befunden, das die Fasern aufrecht erhält und für Langlebigkeit sorgt. Mittlerweile gebe es aber auch ganz andere Methoden. So werde in Peiting neben dem Naturrasen ein weiterer Kunstrasen ohne Granulat gebaut. Dies sei die Erfindung einer Schweizer Firma. „Unten Noppen und oben Naturfaser“, so Strobel. Die Haltbarkeit einer solchen Fläche belaufe sich auf rund 20 Jahre. Zur Pflege werde eine Absaugmaschine gebraucht, deren Kosten sich auf 12 500 Euro belaufen. Die Fasern seien umweltverträglich, die Langlebigkeit offiziell geprüft. Nur ein bis dreimal pro Woche müsse solch ein Kunstrasen im Sommer bewässert werden.

Auf die Pflege kommt es an

Der fraktionslose Gemeinderat Alfred Jocher hatte sich in Schwabbruck den Kunstrasenplatz angeschaut. Die Spieler hätten unter anderem mit anderen Verletzungen zu kämpfen, als auf einem Naturfeld. „Die spielen nur noch mit Hose, haben sie gesagt.“ Jochers Euphorie sei nach dieser Erfahrung gewichen.

Strobel, der aufgrund seiner Trainertätigkeit auch den Schwabbrucker Platz ganz gut kennt weiß: „Die schlechtere Qualität ist eine Folge mangelnder Pflege.“ In der Nachbargemeinde sei ein Rasen mit Granulat verlegt worden, das nicht regelmäßig erneuert wird. „Außerdem sind das ja ganz andere Voraussetzungen, weil wir einen anderen Rasen – und zwar mit sogenannten Kräuselfasern – haben.

„Auch Profis spielen auf Kunstfasern, seit etwa 30 Jahren werden die ständig weiterentwickelt“, so Schurig. Kaputte Stellen könnten einfach herausgeschnitten und ausgetauscht werden. Daran konnte auch ein Artikel nichts ändern, den Elste an die Wand werfen ließ. Hier wurde ein defekter Rasen eben dieser Schweizer Firma beklagt, der sich bei Minusgraden nicht reparieren ließ und deshalb im Winter nicht bespielbar war.

Kunstrasen ist wirtschaftlicher

Und die Kosten? Langfristig gesehen sei ein Kunstrasen (300 000 Euro) wirtschaftlicher als ein Naturrasen (220 000 Euro). Das sagte abschließend Bürgermeister Michael Asam. Außerdem habe man gut recherchiert, „die Aussagen der Experten decken sich mit denen des Deutschen Fußballbund und einer Broschüre für Sportplatzneubau.

Mit drei Gegenstimmen – Alfred Jocher (fraktionslos), Thomas Elste und Silvia Ruhfaß-Bückle (beide Die Grüne) – wurde der Kunstrasenplatz beschlossen. „Eigentlich haben wir die Grundsatzdiskussionen ja schon vor Jahren geführt. Das war jetzt nur noch einmal eine Bestätigung, um alle Zweifel auszuräumen“, so Asam.

Rubriklistenbild: © dpa

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