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Mit Hilfe der riesigen Hebebühne wird der Kirchenraum in der evangelischen Christuskirche auch in luftiger Höhe gestrichen.

Evangelische Christuskirche fast fertig renoviert

Letzter Sanierungs-Streich im Gotteshaus

Peiting - An die 170 000 Euro sind in den vergangenen Jahren in die Sanierung der evangelischen Christuskirche in Peiting geflossen. Mit einem Anstrich des Kirchenraumes in dieser Woche sind die Arbeiten jetzt abgeschlossen – vorerst.

Ein bisschen fühlt sich der Maler da bestimmt wie der liebe Gott, dort hoch oben auf der Hebebühne unter dem Dach der Christuskirche. Der Blick in die Tiefe des Gotteshauses ist atemberaubend, zeigt das kleine evangelische Gotteshaus aus einer ganz anderen Perspektive. Ganz klein reihen sich die grünen Bänke hintereinander auf dort unten. Und irgendwie fühlt man sich gleich selbst ganz klein.

Dabei ist es ganz groß, was die kleine evangelische Gemeinde mit ihren 1600 Mitgliedern in den vergangenen Jahren geleistet hat. Knapp 130 000 Euro hatte der erste große Sanierungsabschnitt mit Start im Jahr 2012 noch unter Pfarrer Dirk Wollenweber verschlungen – Brandschutzmaßnahmen.

„Bei der Gelegenheit hat man festgestellt, dass die Elektroheizung aus den 60er Jahren schon die Kirchenbänke auf der Empore angekokelt hat“, erinnert sich Pfarrerin Brigitte Weggel, die in der Zwischenzeit die Pfarramtsleitung von ihrem Mann übernommen hat.

Sogar Wolldecken wurden sonntags ausgeteilt

Lange ging es hin und her – was ist wohl eine passende Heizung für ein Gotteshaus mit so viel Raum nach oben? Eine Sockelheizung wurde schließlich eingebaut. Alle Räume waren tatsächlich wärmer: die Sakristei, die Kanzel, der Organist musste nicht mehr mit klammen Fingern orgeln. Und auch der Kirchenraum war messbar wärmer. „Aber die Leute haben trotzdem total gefroren im Gottesdienst“, sagt Brigitte Weggel. Sogar Wolldecken wurden sonntags ausgeteilt.

Komisch nur, dass das Thermometer viel mehr Grad anzeigte, als die Kirchenbesucher am eigenen Leib verspürten. „Nicht mal das Landes-Kirchenamt hat uns geglaubt.“

Ein Bau-Physiker wurde beauftragt. Einen Winter lang hat er Messungen durchgeführt. Mit dem Ergebnis: Tatsächlich waren es im Fußraum weniger als vier Grad. Ausgelöst durch Fallwinde in der Kirche, wiederum ausgelöst von der großen bunten Glasrosette hoch oben. Daher also die Knochenkälte im Gottesdienst!

Die Rosette aufrüsten? „Das hätte uns viel Kraft und Energie gekostet“, so Weggel. Und hätte das tatsächlich das Eis an den Füßen gebrochen? Ein Jahr lang haben Heizungsbauer, Bau-Physiker und Architektin sich den Kopf zermartert. „Je konkreter es wurde, um so mehr hatten die Fachleute dann Angst, auch noch Schimmel in die Kirche reinzuholen.“ Inzwischen ist das Problem gelöst. Und zwar mit einer Infrarotheizung unter den Bänken. Die wurde im vergangenen Herbst eingebaut.

Im Kampf gegen drohenden Schimmel, der nicht nur der bereits befallenen Orgel, sondern dem gesamten Gebäude mit Baujahr 1962 zusetzen könnte, wurde auch noch eine Lüftungsampel eingebaut. Denn: Das Kirchenlüften, sagt Weggel, das sei eine Wissenschaft für sich. Die neue Ampel zeigt nicht nur an, wann Stoßlüften angesagt ist. Sie zeichnet auch mit einem Chip die klimatischen Bedingungen in der Kirche auf. Die wiederum werden gerade vom Bau-Physiker analysiert. Die gesamte Heiz- und Lüftungs-Angelegenheit hat übrigens mit 30 000 Euro zu Buche geschlagen – inklusive Blitzschutz auf dem Dach.

Die Malerarbeiten (10 000 Euro) die gerade in der Kirche über die (Hebe-)Bühne gehen, sind kosmetischer Natur, allerdings bitter nötig. Im Zuge dessen ist schon wieder ein neues Problem aufgetaucht: ein Fleck in der Ecke unter dem Kirchturm befleckt die Freude über die gelungene Maßnahme. Schimmel? Oder nur Wasser, verursacht durch einen fehlenden Ziegel außen? „Das werden wir in den nächsten Tagen erfahren, wenn der Maler mit der Hebebühne dort oben ist“, hofft Brigitte Weggel das Beste.

Viele Spenden der Gemeindemitglieder

Das Allerbeste? Das sind tatsächlich die Gemeindemitglieder der evangelischen Kirchengemeinde, betont Pfarrerin Weggel. 170 000 Euro wurden innerhalb der letzten drei Jahre in die Kirche gesteckt. Nur ein Teil sei bezuschusst worden. „Unsere treuen Gemeinde-Mitglieder haben so viel gespendet und das Kirchgeld bezahlt, das uns vor Ort zugute kommt. Ohne diese Menschen wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Info

Wegen der Malerarbeiten muss der Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Peiting am kommenden Sonntag, 6. März, ausfallen. Menschen, die gerne einen evangelischen Gottesdienst besuchen möchten, haben dazu an eben diesem Tag um 10.15 Uhr in der Martinskirche in Herzogsägmühle Gelegenheit.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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