Bilanz gezogen

Musikverein stößt an seine Grenzen

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Peiting - Seit knapp drei Jahren ist Andreas Fuchs Koordinator des Fördervereins Musik in Peiting. Dem Gemeinderat hat er nun einen Bericht vorgetragen. Und sprach auch die Nachteile des Peitinger Modells an – stößt Fuchs an seine Grenzen?

21 800 Euro Einnahmen und 21 000 Euro Ausgaben hat der Förderverein Musik in Peiting im Jahr 2015 gehabt. Das vermeldete der Vorsitzende Hans Piehler in der jüngsten Peitinger Gemeinderatsitzung. 219 Schüler lassen sich derzeit von den 14 Lehrern des Fördervereins Musik unterrichten. Soweit die Zahlen Ende des vergangenen Jahres.

Seit 2016 wird das Eltern-Kind-Singen angeboten, außerdem diverse Musik AG’s an den Schulen. Demnächst soll ein Pop Department an den Start gehen. Hier spielen Streichorchester und Band moderne Pop- und Rockstücke.

Tolle neue Angebote also, die auch richtig gut ankommen. Dennoch ist Koordinator Andreas Fuchs nicht rundum zufrieden. Das liegt vor allem daran, dass es für die Musiker keinen festen Anlaufpunkt gibt, Fuchs Leitung und Sekretariat in Personalunion ist. Ein Aufwand, der „mit einem Minijob kaum mehr zu bewältigen ist“, klagt er.

Kein zentraler Ort für Musikunterricht

Geübt wird an sieben verschiedenen Orten, womit Andreas Fuchs schon ein großes Problem des Peitinger Modells anspricht. „Es gibt keinen zentralen Ort der Musik, und auch die Lehrer begegnen sich sehr selten und können sich kaum austauschen.“ Grundsätzlich mangele es dem Verein am Lehrernachwuchs. „Es gibt kaum einen Anreiz für auswärtige, qualifizierte Lehrkräfte, da wir keine Sicherheit bieten können, keine greifbare Institution sind und kein festes Gebäude haben.“

Dies sei auch ein schlechtes Signal an die Bürger und mindere die Attraktivität, da „manche Eltern vielleicht denken, das Angebot sei nur halbscharig“, so Fuchs weiter.

Das Konstrukt ist nämlich schwer zu durchschauen. Musikschule darf sich die Einrichtung nicht nennen, da es sich lediglich um einen lockeren Verbund ohne Verwaltungsapparat und festangestellte Lehrer handelt. Der mangelnden Außenwirkung schreibt Fuchs auch zu, dass aktuell über 40 Peitinger Schüler die Musikschule in Schongau besuchen. Außerdem fürchtet er, dass durch das steigende Angebot die Ausgaben steigen und dann die Reserven bald aufgebraucht sind.

Nur 6000 Euro Verwaltungskosten im Jahr

Doch der Musikverein hat auch seine Vorteile: Noch belaufen sich die Verwaltungskosten auf nur 6000 Euro pro Jahr – vergleichsweise kostengünstig, wenn man bedenkt, dass in Schongau das 15-fache ausgegeben werden muss. „Wobei man nicht vergessen darf, dass dort ein Gebäude unterhalten und Gehälter bezahlt werden müssen“, ergänzte Bürgermeister Michael Asam. Positiv ist laut Fuchs auch die schlanke Bürokratie, da kein Schulbetrieb im eigentlichen Sinne bewältigt werden muss. Denn die Lehrer sind vorwiegend freiberuflich tätig und organisieren sich selbst. Der Förderverein kümmert sich vorwiegend um Aufbau und Bezahlung von Ensembles und Gruppen, Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen und die Organisation von Konzerten. Außerdem sei man bei der Angebotsgestaltung flexibel sowie auch bei der Auswahl der Lehrer.

„Es gibt immer Vor- und Nachteile“, kommentierte der Rathauschef Fuchs’ Bericht. Dennoch habe man die Form bewusst gewählt. „Lassen Sie uns versuchen, das Modell so weiterzuführen. Das Team präsentiert sich gut und auch der Unterricht ist hervorragend, das wissen wir.“ Mit den vielen neuen Ideen befinde man sich langfristig auf dem Erfolgskurs. „Ich hoffe ja immer noch auf einen heimlichen Gönner, der uns ein Gebäude zur Verfügung stellt“, sagte der Rathauschef mit Blick in die Zuschauerreihen.

Rubriklistenbild: © dpa

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