1 von 4
Erste Werbung: Schon damals wurde mit eingängigem Spruch zum Sparen animiert.
2 von 4
Direkter Nachbar war zu dieser Zeit der Gasthof Buchberger (vorne). Fotos (3): Sparkasse
3 von 4
Erste Werbung: Schon damals wurde mit eingängigem Spruch zum Sparen animiert.
4 von 4
Blumengruß zum Geburtstag: (v. li.) Die Vorstände Michael Lautenbacher, Thomas Orbig und Alexander Schmitz sowie Geschäftsstellenleiter Thomas Geiger vor dem Sparkassenhaus in der Peitinger Ortsmitte.

100 Jahre Sparkasse Peiting

Milch, Brot und ein Sparbuch, bitte

  • schließen

Der heutige Mittwoch ist für die Sparkasse in Peiting ein ganz besonderer Tag. Vor genau 100 Jahren nahm die Bank in der Marktgemeinde ihren Betrieb auf. Anlass zurückzublicken auf eine durchaus bewegte Geschichte, die zwischen Mehl und Brot begann.

Peiting – „Ich bräuchte ein Brot, zwei Liter Milch und ein Sparbuch“: Was aus heutiger Sicht befremdlich klingt, könnte sich am 11. April 1918 tatsächlich als Gespräch zwischen Kunde und Verkäuferin in der Mehl- und Kolonialwarenhandlung Brandl in Peiting abgespielt haben. Denn dieser Tag war die Geburtsstunde der Sparkasse Peiting, die ihren Betrieb allerdings nicht in einem eigenen Haus, sondern eben in jenem Geschäft für Alltagsdinge aufnahm. „Heute wäre das undenkbar, allein schon aus Sicherheitsgründen“, stellte Sparkassen-Vorstand Alexander Schmitz fest, der gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Thomas Orbig und Michael Lautenbacher anlässlich des runden Geburtstags zum Pressegespräch in die heutige Filiale am Hauptplatz geladen hatte.

Doch damals, da war die Welt noch eine andere und Bankgeschäfte nicht mit jenen von heute vergleichbar. Girokonten gab es nicht, die Tätigkeit der Mitarbeiter beschränkte sich auf das Ein- und Auszahlen und Kredite. Dass die Marktgemeinde überhaupt eine eigene Außenstelle der damaligen Bezirkssparkasse Schongau bekam, hatte sie dem boomenden Bergbau zu verdanken. „Bankfilialen waren zu dieser Zeit absolut ungewöhnlich“, so Lautenbacher. Freilich kämpft auch die Peitinger Sparkasse mit den widrigen Gegebenheiten, die Anfang des 20. Jahrhunderts herrschen. Der erste Weltkrieg tobt in seinem fünften Jahr. Es ist die Zeit vor dem Zusammenbruch des Kaiserreichs, vor der Novemberrevolution und dem Beginn der Weimarer Republik.

Doch die junge Sparkassen-Filiale behauptet sich. Ab 1924 entwickeln sich die Geschäfte so gut, dass man 1930 ein erstes eigenes Gebäude in der Füssener Straße erwerben kann. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird es nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Historie der Peitinger Geschäftsstelle dunkel. „In unserer Chronik findet sich kaum etwas über diese Zeit“, sagte Schmitz. Wohl aber über ein Novum, das die Peitinger Filiale 1957 deutschlandweit als eine der ersten umsetzt: die bargeldlose Lohnzahlung. Treibende Kraft sei auch hier der Bergbau gewesen, erklärte Lautenbacher. Statt in der Lohntüte wird das Gehalt der Bergleute aufs Girokonto ausgezahlt.

Der nächste Meilenstein wird 1960 mit dem Bau der blauen Sparkasse erreicht, die noch heute als Selbstbedienungs-Filiale fungiert. „Es war die Zeit des Wirtschaftswunders in Deutschland“, blickte Schmitz zurück. Die Wirtschaft boomt, wovon auch die Banken profitieren.

1977 eröffnet die Sparkasse schließlich ihre erste Zweigstelle am Hauptplatz – allerdings nicht am jetzigen Standort, sondern dort, wo heute der Maschinenring Oberland beheimatet ist und früher das Häfner-Anwesen stand. „Wir sind also schon seit 40 Jahren im Zentrum präsent“, rechnete Schmitz vor. Als Ende der 1980er Jahre das Gelände des ehemaligen Hirschvogel-Hauses zum Verkauf steht, erwirbt die Sparkasse die rund 2500 Quadratmeter große Fläche. Bis zum Bau des heutigen Sparkassenhauses ist es dann aber noch ein steiniger Weg. Denn ein Architektenwettbewerb bringt nicht das gewünschte Ergebnis. „Der Entwurf passte einfach nicht ins ländliche Peiting“, erinnerte sich Schmitz. Schließlich bekommt Architekt Martin Baab den Zuschlag. 1995 rollen die Bagger, zwei Jahre später kann das neue Gebäude bezogen werden.

Auf das ist man bei der Bank heute noch genauso stolz wie damals. Nicht nur, weil es einen städtebaulichen Akzent setze, wie Schmitz erklärte. Sondern auch, weil es mit seiner vielfältigen Nutzung als Hauptfiliale, Tagungsort des Gemeinderats, Veranstaltungsort für kulturelle Darbietungen aller Art und nicht zuletzt als Sitz des beliebten Café Centrals das Zentrum Peitings stärke.

Ein Ende der Erfolgsstory, daran lassen Schmitz und seine Kollegen am Jubiläumstag keinen Zweifel, ist derzeit nicht in Sicht. Zum Beweis nennt der Vorstand ein paar Zahlen. In der Sparkasse Oberland sei Peiting die siebtgrößte Filiale. 6600 Kunden würden hier betreut. Die dürfen sich zum 100. Geburtstag ihrer Bank gleich über mehrere Aufmerksamkeiten freuen. Neben einem speziellen Produkt mit Sonderkonditionen, wartet in dieser Woche auf jeden Kunden, der vorbeikommt, eine süße Überraschung und ein Frühlingsgruß. Nur Brot und Milch, die bekommt man in Peiting längst woanders.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Geheim-Nummer soll Autos von verbotenem Weg abhalten - doch es gibt noch Probleme
Seit Mittwoch ist die langersehnte intelligente Ampel an der Schongauer Kanalbrücke in Betrieb. Damit haben Autofahrer keine Chance mehr, auf dem eigentlich verbotenen …
Geheim-Nummer soll Autos von verbotenem Weg abhalten - doch es gibt noch Probleme
Steingaden
Preisplatteln: Steingaden verteidigt den Titel
Beim Lechgauwertungsplatteln in der Fuchstalhalle in Leeder stellten sich heuer über 150 Plattler und Dreherinnen den strengen Augen der Wertungsrichter. Steingaden …
Preisplatteln: Steingaden verteidigt den Titel
Schongau
2. SAM Ausbildungsmesse in Schongau
2. SAM Ausbildungsmesse in Schongau
Schongau
Überschlag nach Kreisverkehr: Schwerer Verkehrsunfall in Schongau
Sie fuhren geradeaus über den Kreisel - das Auto blieb auf dem Dach liegen: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sind bei einem Unfall zwei junge Männer verletzt …
Überschlag nach Kreisverkehr: Schwerer Verkehrsunfall in Schongau

Kommentare