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Nicht nur Geschwindigkeit, auch Ideereichtum und Choreografie wurden beim Kanapee-Rennen am Schnaidberg bewertet. Dieser Flug des Piloten der Gruppe „5 vs Cäsar“ der Landjugend Epfach war so nicht gewollt.

12. Kanapee-Rennen in Peiting

Tollkühne Schussfahrten am Schnaidberg

Drei Jahre lang mussten die Mitglieder der Peitinger Landjugend in puncto Kanapee-Rennen in Abstinenz leben. Der Wille war da, der Schnee in weiter Ferne. Dieses Jahr will Frau Holle alles wieder gut machen. In voller Wucht hämmert sie ihre Flocken auf die Wiesen am Schnaidberg. Fast zu viel. Aber das Team um Vorstand Martin Skalitza legt sich gewaltig ins Zeug. Mit Erfolg. Das 12. Kanapeerennen hat die Zuschauer begeistert.

Peiting – Die Vorarbeiten der letzten Tage waren gewaltig. 40 bis 50 Mann der Landjugend waren im Einsatz, um das Spektakel stattfinden zu lassen. Und zwar unbedingt am ersten Termin. Die Absagen der letzten drei Jahre steckt noch tief in den Knochen. Vor allem das Herrichten der Parkplätze forderte Zeit und Geduld. Die brachten Florian Barnsteiner und Tobias Deininger auf, die mit Bulldog und Gummiwalze Marke Eigenbau stundenlang die großen Schneeflächen planierten. Die eingelagerten Bretter für die Bahnbegrenzungen und Schanze mussten angekarrt und angebracht werden. „Alle haben großartig angepackt“, erzählt Vorsitzende Gabi Stöger, die im Organisationszelt mit Melanie Erhard wirbelt. „Bis Samstag hatten wir schon zwölf Meldungen von Teilnehmern“, so Melanie, die für Start- und Ergebnislisten zuständig ist. Auch die „Helfer vor Ort“ und der Rettungsdienst des Roten Kreuzes haben ihr Zelt in Stellung gebracht. „Falls wir versorgen oder behandeln müssen“, wirft Einsatzleiter Thomas Zimmerer kurz ein. Perfektes Zusammenspiel bis hin zu Schneebar und Dixie-Klo.

Peitinger Kanapee-Rennen 2019: Die besten Bilder des Kult-Events

Tag X. Sie rücken an. Die vogelwilden Hund. Im Gepäck die guten gepolsterten Stücke, die einst im Wohnzimmer der Blickfang waren. Und dann noch die Renn- und Flugmaschinen, bei deren Zusammenbau zur Anregung der Fantasie reichlich Alkohol geflossen sein muss. Zuschauer wandern an. Teils zu Fuß, teils mit dem organisierten Shuttle-Bus. Der präparierte Parkplatz verwandelte sich durch den Schneeregen in ein Sumpfloch. Schweißtropfen und Muskelkraft zu Beginn. Die Flugmaschinen müssen zum Start geschoben werden. Gute 234 geschätzte Meter, bei 74 Metern Höhenunterschied. So lässt es Gerhard Schäller, das lauteste Mikrofon der Marktgemeinde auf zwei Beinen, verlauten. Und begrüßt dabei die 13 Mannschaften und von ihm geschätzten 2000 Zuschauer, die sich links und rechts der Rennbahn aufgereiht haben. Respekt – bei dieser Witterung. Startschuss.

Die „Goaßn –Racer“ aus Böbing eröffnen mit einem eindrucksvollen Sprung über die Schanze. Haben ihren Schlitten im Griff. Gefolgt vom „Magie – Ross Schlitte“ der Peitinger Feuerwehr. Die neue Drehleiter in Leichtbauweise. Fatale Folgen. Bandenberührung, die Schanze bremst, Zuschauer müssen schieben. Flotter kommen die „5 vs Cäsar“ aus Epfach an. Zumindest bis über die Schanze. Einstechen im Schnee, Salto mortale des Piloten. Zirkusreife Nummer, da fliegen die Bürstenkämme im hohen Bogen.

Die „Altenstädter Casting Couch“ folgt. Mit Volldampf und perfektem Flug. Die haben bestimmt vorher geübt. Der „SV Lauterbach mit am „gmiatlichen Obend“ macht es nach. Dank Getränkesponsor gut in Fahrt. Dann der Flug des Tages. Die „Nature Boyz“ aus Forst müssen Düsen im Hinterteil haben. Noch dazu mit perfekter Landung. Das Volk am Rande tobt.

Hemdsärmlig und mit lockeren Latzhosen kommen die Piloten der Hauser Hiddn mit dem „Bob der Baumeister an“. Mehrere Kasten „Augustiner“ als Gegengewicht das Erfolgsrezept. Farblich kunterbunt mit flatterndem Kostüm schanzen die „Flying Chicken“ aus Schönberg. Elegant im Stil, dann müssen es Mädels sein. Dahinter „Rudi, der Rammler“, besser gesagt zwei gewichtige Mannsbilder der Kleintierzüchter. Stromlinienförmig sind sie auf alle Fälle. Im Gegensatz zu den „Peitinger Dampfschlossern“. Eine eisenharte Truppe, die neben rauchender Esse, Ambos und eisernen Gewändern viel Gewicht auf die Kufen bringen. Der Sprung – Hut ab. Die „Blaue Couch“ verliert ihr Blaulicht, die „Rennsau von der Lexe“ macht’s besser.

Am Schluss werden Erinnerungen geweckt. „50 Jahre Bergwerkschließung Peiting“. Der Hunt noch einmal voll beladen, übersteht die Schanze. „Glück auf, Landjugend, habt Ihr wieder super gemacht!“

Ergebnisse:1. „50 Jahre Bergwerkschließung Peiting“, Jugend Goaßla, 2. „Bob der Baumeister“, Hauser Hiddn, 3. „Peitinger Dorfschlosser“, Fa. Breidenbach Peiting, 4. „Die Kleinviecher“, Kleitierzüchter Peiting, 5. „Goaßn Racer“, Böbing, 6. “D´Rennsau von der Lexe“, Peiting, 7. „Nature Boyz“, SC Forst, 8. „Altenstädter Casting Couch“, Landjugend Altenstadt, 9. „Die blaue Couch“, Raisting, 10. „SV Lauterbach mit am gmiatlichen Obend“, SV Lauterbach, 11. „5 vs Cäsar“, Landjugend Epfach, 12. „Flying Chickens“, Schönberg, 13. „Magie – Ross Schlitten“, FFW Peiting.

 VON HANS-HELMUT HEROLD

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