Man sieht eine Justizia-Figur und Gerichtsakten
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Ein Peitinger musste sich nun vor Gericht verantworten.

Gerichtsverhandlung

Streit wegen Holzlieferung eskaliert: 45-Jähriger geht auf seinen Nachbarn los

Weil ein Holzlieferant kurzfristig die Straße blockierte und somit die Zufahrt zu seiner Wohnung versperrte, ist ein Peitinger (45) im Juli vergangenen Jahres ausgerastet.

Peiting/Weilheim – Irgendwie redete der Berufskraftfahrer bei der Verhandlung vor dem Weilheimer Amtsgericht um die Sache herum. Er gab den Vorfall aus dem Juli vergangenen Jahres nicht richtig zu, stritt ihn aber auch nicht ab. Er hatte Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, denn neben der Geldstrafe war auch ein einmonatiges Fahrverbot gegen ihn verhängt worden, das er nicht akzeptieren wollte. Zu dem Fahrverbot war es gekommen, da der Vorfall „eine Tätlichkeit im Straßenverkehr“ war.

Der Nachbar des Angeklagten bekam an diesem Tag eine Lieferung Holz. In der engen Zufahrt konnte der Holzlieferant nur so parken, dass die komplette Straße blockiert wurde. Ein Ster Holz war schon abgeladen, als der Angeklagte in die Straße einbog, um zu seiner Wohnung zu fahren.

Opfer schildert Vorfall: „So etwas ist mir noch nie passiert. Es hat etwas mit Menschenwürde zu tun“

Laut eigenen Angaben fühlte sich der 45-Jährige nicht gut, er kam von einem Arztbesuch und wollte nur noch nach Hause.

„Wir haben ihm zugerufen, dass es nur noch ein paar Minuten braucht, bis das weitere Ster abgeladen ist“, sagte der Nachbar (79) vor Gericht. Aber der Angeklagte sei gleich ausfallend geworden und habe ihn und den Holzfahrer mit „ihr Deppen, macht die Straße frei“ beschimpft.

Als dem Angeklagten wiederholt gesagt wurde, dass es nicht mehr lange dauern würde, sei der Mann ausgestiegen, hinter den Nachbarn getreten und habe ihn mit der flachen Hand an den Hals geschlagen, sagte der Rentner aus. Als er sich daraufhin umgedreht habe, habe ihn der deutlich größere Angeklagte mehrmals in den Bauch gestoßen.

Eine fatale Situation für den Rentner: Er war erst kurz vorher am Bauch operiert worden. „Ich musste meinen Bauch halten und aufpassen, dass ich nicht hinfiel“, sagte der Mann. Seine Frau hatte den Vorfall genau beobachtet. Sie stand die ganze Zeit daneben. „So etwas ist mir noch nie passiert. Es hat etwas mit Menschenwürde zu tun“, erklärte der Rentner. Eine im Gerichtssaal vorgebrachte Entschuldigung seitens des Angeklagten akzeptierte der Nachbar nicht. „Kommt reichlich spät“, meinte der Rentner.

Holzlieferant geht dazwischen

Der Vorfall war damals aber noch nicht vorbei: Der Holzlieferant mischte sich ein. „Ich konnte doch nicht zulassen, dass ein Jüngerer einen Älteren so behandelt“, sagte er. Er trennte die beiden, ein paar Faustschläge zwischen ihm und dem Angeklagten gingen hin und her, und dann brachte er den Mann im Schwitzkasten zu Boden.

„Als er hörte, dass die Polizei gleich kommen würde, rappelte er sich auf, ging zu seinem Auto und zündete sich eine Zigarette an“, sagte die Ehefrau des Rentners aus. Sie konnte gar nicht verstehen, dass der Mann nach seinem Ausraster plötzlich ganz ruhig war, auch bei der dann folgenden polizeilichen Vernehmung.

Der Verteidiger des Angeklagten schlug eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage und einen Täter-Opfer-Ausgleich vor. Man sei doch Nachbarn und müsse noch eine Weile miteinander auskommen.

Aber eine Einstellung kam für das Gericht nicht in Frage. „Dass ein 45-Jähriger einen fast 80-Jährigen tätlich angreift, geht gar nicht“, erklärte die Vorsitzende Richterin Karin Beuting. Auch auf eine Reduzierung des Fahrverbots nur auf Pkws, wie es der Verteidiger beantragt hatte, ließ Beuting sich nicht ein. In ihrem Urteil blieb sie exakt bei dem im Strafbefehl angeordneten 90 Tagessätze zu je 40 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot. Ein Täter-Opfer-Ausgleich hatte der Rentner abgelehnt. „Das, was er mir angetan hat, ist unverzeihlich“, sagte er.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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