Der bayerische Hilfstrupp mit  Bewohnern in Hagen-Hohenlimburg.
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Der bayerische Hilfstrupp mit Stephan Günther (hi.4.v.l., blaues Hemd), Heiko Fischer (hi.5.v.l.), Thomas Günther (hi.6.v.l.), Florian Dietz (hi.7.v.l.), Johann Loibl (hi.8.v.l.) und Markus Oberndorfer (knieend rechts neben der Flagge) gemeinsam mit Bewohnern in Hagen-Hohenlimburg.

„Waren alle am Ende der Kräfte“

Nach verheerenden Unwettern: Oberbayer hilft im Hochwasser-Krisengebiet - „Sowas bleibt in Erinnerung“

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Die Hochwasser-Bilder nach den heftigen Unwettern in Rheinland-Pfalz und NRW gingen um die Welt und lösten eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Auch der Peitinger Thomas Günther packte vor Ort mit an.

Herr Günther, andere fahren übers Wochenende in den Urlaub, Sie dagegen ins Hochwassergebiet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich hab’ mit meinem Bruder telefoniert und wir haben uns über die Bilder, die wir bei Facebook gesehen haben, unterhalten. Wir haben dann relativ schnell beschlossen, dass wir da etwas auf die Beine stellen wollen, um zu helfen. Wir haben dann ein paar Leute aus unserem Freundeskreis zusammengetrommelt. Mein Bruder in der Freisinger Ecke, wo er wohnt, und ich in Peiting. Am Ende waren wir zu sechst.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz und NRW: Fluthelfer berichtet - „Alles war dreckig und staubig“

Bevor es losging, war sicher einiges zu organisieren.

Ja, wir haben erstmal einen fahrbaren Untersatz gebraucht, um auch Material mitnehmen zu können. Das Peitinger Autohaus Rieser hat uns ganz unkompliziert einen Transporter zur Verfügung gestellt. Vom V-Markt in Schongau haben wir Schaufeln und Schubkarren bekommen, vom Fressnapf gab’s Tiernahrung. Die Hilfsbereitschaft der Firmen hier vor Ort hat mich echt positiv überrascht. Dazu haben wir 500 Liter Wasser in Kanistern eingekauft, das dort ja dringend gebraucht wurde.

Sie sind eine Woche nach dem folgenschweren Unwetter am Donnerstag aufgebrochen. Was war Ihr erstes Ziel?

Wir sind nach Dahl bei Hagen gefahren. Mein Bruder hat dort einen Freund, dessen Bäckerei komplett unter Wasser stand. Wir haben dort die Spenden an der Kirche verteilt, wo ein Umschlagplatz eingerichtet war. Noch am gleichen Tag sind wir nach Hohenlimburg geschickt worden, weil es dort noch übler aussehen sollte. Das war auch so.

Wie war Ihr erster Eindruck, als Sie dort ankamen? Sie kannten ja die Fernsehbilder.

Das vor Ort zu sehen, war etwas ganz anderes. Wenn man vorbeifährt und sieht, dass ganze Brücken und Straßen einfach weg sind. Dazu diese riesigen Schlamm- und Müllberge. Alles war dreckig und staubig. Die Leute liefen wild durcheinander, versuchten, sich gegenseitig zu helfen. Wir haben dann nach Rücksprache mit der Feuerwehr in Hagen schnell entschieden, dass wir dort vor Ort in Hohenlimburg anpacken wollen.

Wo das Wasser Wände eingerissen hatte, war Thomas Günther als gelernter Maurer gefragt.

Wie muss man sich das vorstellen?

Wir haben mitgeholfen, Keller auszupumpen, die Straßen zu räumen, Sperrmüll wegzubringen, kaputte Hausmauern neu aufzubauen. Da war wenig organisiert, wir mussten selbst schauen, wo man zum Beispiel den Schutt abladen konnte. Wir haben unter anderem einen Bagger und eine Kehrmaschine ausgeliehen, einen Hoflader hatten wir gleich mitgebracht.

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Wie war der Kontakt mit den Leuten vor Ort?

Der war sehr gut. Sie haben sich wahnsinnig gefreut, dass wir da sind. Sie haben dafür gesorgt, dass Essen und Getränke da sind, wobei wir auch alles selbst dabei hatten.

Wo haben Sie geschlafen?

In einem Hotel. Das hatte mein Bruder organisiert. Wir waren auch vorbereitet, im Sprinter zu schlafen. Aber man ist voller Dreck und Schlamm, teilweise auch voll Fäkalien, weil in den Kellern natürlich die Rohre geplatzt waren. Da freut man sich am Abend auf die Dusche.

Gibt es eine Szene, die sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Ja, tatsächlich. In Hohenlimburg war ein Haus an einem Hang, von dem eine Schlammlawine heruntergekommen war. Die hatte eine solche Wucht, dass sie nicht nur das Erdgeschoss überflutet hatte, sondern auch durch den gesamten ersten Stock gerauscht war. Neben dem Eingang, der mit zwei Holzlatten versperrt war, stand ein Rollstuhl. Die Geschichte dazu, die wollten wir alle nicht wissen. Sowas bleibt in Erinnerung.

Fluthelfer im Hochwasser-Krisengebiet: „Waren alle am Ende der Kräfte nach drei Tagen schuften“

Sie wollten von Donnerstag bis Montag bleiben, sind dann aber schon am Sonntag gefahren.

Ja, wir haben in der Früh beschlossen, dass jetzt Schluss ist. Wir waren alle am Ende der Kräfte nach drei Tagen schuften. Ich habe größten Respekt vor den Leuten, die mittlerweile seit zwei Wochen dort sind und helfen.

Waren Sie froh, als Sie wieder zurück in Peiting waren?

Ja, auf jeden Fall. Auch wenn ich sicher noch lange an die Tage zurückdenken werde. Das vergisst man nicht so schnell.

Wenn man sieht, was Wassermassen anrichten können, haben Sie jetzt einen anderen Blick auf die Peitnach? Immerhin fließt auch dieser Bach mitten durch den Ort.

Nein, ich glaube, da sind wir noch ganz gut aufgestellt. Aber da kenne ich mich persönlich zu wenig aus.

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