Stolz ragt der Richtfunkturm auf dem Schnaidberg in die Höhe. Die ausgefallene Konstruktion wurde seinerzeit gewählt, um die heimische Holzwirtschaft anzukurbeln. Jetzt haben sich Ameisen über das Holz hergemacht. Der Turm muss vor dem Einsturz gesichert werden.
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Stolz ragt der Richtfunkturm auf dem Schnaidberg in die Höhe. Die ausgefallene Konstruktion wurde seinerzeit gewählt, um die heimische Holzwirtschaft anzukurbeln. Jetzt haben sich Ameisen über das Holz hergemacht. Der Turm muss vor dem Einsturz gesichert werden.

Einzigartiges Holzbauwerk verschwindet

Ameisen machen Funkturm auf dem Schnaidberg den Garaus

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Was sich Mobilfunkgegner womöglich insgeheim wünschen, haben auf dem Schnaidberg Ameisen beinahe erledigt: Scharenweise hatten sie sich über den hölzernen Richtfunkturm der Firma Vodafone zwischen Peiting und Rottenbuch hergemacht und ihn angefressen. Jetzt ist Gefahr in Verzug: Um es vor dem Einsturz zu bewahren, muss das Bauwerk sofort stabilisiert werden. In zwei Jahren soll Ersatz her.

  • Ameisen haben sich über die Holzkonstruktion des Funkturms auf dem Schnaidberg hergemacht
  • Der Turm ist langfristig nicht mehr zu retten, ein Ersatzbau wird geplant
  • Jetzt gilt es, den Turm zu stabilisieren, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann

Peiting – Welcher Art sie angehören und was sie genau im Schilde führten, ist noch nicht geklärt. Gewiss ist aber: „Die Ameisen müssen ganz schön Appetit gehaben haben“, sagt Vodafone-Sprecherin Heike Koring mit Blick auf den immensen Schaden. Bei einer Routinekontrolle war den Vodafone-Technikern der Befall aufgefallen. Am Fuße des Holzmasten hatten die Ameisen ganze Arbeit geleistet. „Die Stabilität ist nicht mehr gegeben“, warnt die Sprecherin mit Blick auf die angefressenen Ausleger. Das Gelände wurde in einem Radius von 100 Metern rund um den Turm mit Flatterbändern abgesperrt. Es ergeht der dringende Aufruf an alle, die Flächen nicht mehr zu betreten.

Ameisen sind verschwunden, der Turm wird es früher oder später auch

Die Ameisen sind mittlerweile verschwunden, die Bekämpfung war der Sprecherin zufolge erfolgreich. Dennoch haben die Tiere dem Richtfunkturm auf lange Sicht den Garaus gemacht. Und seine Erbauer dürfte das traurig machen: Noch heute ist das Bauwerk etwas besonderes. Mit stolzen 66 Metern galt der 2002 errichtete Holzturm deutschlandweit als der höchste seiner Art. Insider sprachen gar von dem „zweithöchsten bestehenden Holzbauwerk der Welt“. Nur der hölzerne Sendeturm in Gleiwitz sei mit 112 Metern höher gewesen. Die Rekorde sind mittlerweile aber alle gebrochen worden.

Holzkonstruktion sollte heimische Holzwirtschaft ankurbeln

Die Holzkonstruktion hatte Vodafone seinerzeit gewählt, um die heimische Holzwirtschaft anzukurbeln, berichteten die Schongauer Nachrichten zum 10. Jubiläum des Turms. Dass am Ende dann aber 150 Kubikmeter nordamerikanische Douglasie (im Schwarzwald geschlagen) verbaut worden war, war da nur ein kleiner Schönheitsfehler. Schließlich gingen die Ingenieure sehr achtsamt mit der Natur um: Auf chemischen Holzschutz wurde verzichtet.

Umfassende Sicherungsarbeiten in den kommenden sechs Wochen

Inwieweit das jetzt den Ameisen zupass gekommen war, war gestern nicht zu erfahren. Fakt ist aber: So wie der Turm jetzt dasteht, wird er zur Gefahr. In den kommenden sechs Wochen sind nach Auskunft der Vodafone-Sprecherin jetzt umfassende Sicherungsarbeiten geplant: Die Ausleger werden mit Stahl überbaut und abgestützt. Wie vor Ort zu erfahren war, wird sich aber auch im oberen Bereich des Turms etwas tun. „Entbehrliche Gerätschaften“ sollen zurückgebaut werden, damit der nicht mehr so kopflastig sei und auch die Windlast abnehme, hieß es. Wichtig ist Vodafone freilich, zu betonen, dass der Mobilfunkempfang während der Arbeiten uneingeschränkt weiter funktionieren werde.

Das Gelände des Funkturms auf dem Schnaidberg darf in einem Radius von 100 Metern um den Turm nicht betreten werden. Auch mit Baken und Lampen wird vor der möglichen Gefahr gewarnt.

Wie berichtet, wurde der Funkturm jüngst erst 5G-fähig gemacht. Bereits seit 2010 stellt Vodafone seinen Kunden auf dem Schnaidberg die Mobilfunktechnik LTE (4G) zur Verfügung. Und den Mobilfunk wissen nicht nur die Normalbürger zu schätzen. Auch Revierleiter Stefan Lubos betont die Bedeutung. „Es ist ein für Peiting wichtiger Turm“, sagt er auch mit Blick auf einen kürzlichen Ausfall, der einem Jäger Probleme bereitete. Der Mann hatte in Turm-Nähe eine stattliche Wildsau geschossen, die er allein nicht abtransportieren konnte. Als er mit dem Handy Hilfe rufen wollte, war weit und breit kein Netz zu bekommen.

Staatsforsten werden nicht auf Holzkonstruktion beharren

Stellvertretend für die Bayerischen Staatsforsten kündigt der Revierleiter deshalb auch an, dass man Vodafone beim geplanten Ersatzbau keine Steine in den Weg legen wird: „Wir werden nicht darauf beharren, dass es wieder Holz wird“, sagt Lubos mit Blick auf die einmalige Konstruktion. „Sollte es Metall werden, werden wir uns nicht sträuben.“

Lubos geht davon aus, dass der Ersatzbau in etwa zwei Jahren kommen wird. Vodafone-Sprecherin Heike Koring nennt derweil noch keinen Zeitplan. Ein Neubau sei geplant, wie dieser aussehen werde, darüber gebe es aber noch keine Informationen, sagt sie. Mit Blick auf die Ameisen geht aber auch die Sprecherin davon aus, dass der Turm nicht in gleicher Form wieder gebaut werde.

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