Ausstellung in der Raiffeisenbank Peiting

Der Geschichtenerzähler und seine Tiere

Peter Formanek ist ein Geschichtenerzähler. Nicht nur mit dem Mund, sondern vor allem mit dem Pinsel. Bis Ende Juni sind seine Werke im Foyer der Raiffeisenbank in Peiting zu sehen.

Peiting – Ein furchteinflößender Löwe brüllt vor Schmerz. Auf seiner Nase sitzt eine Wespe und hat ihren Stachel ausgefahren. Das winzige Tierchen kann den mächtigen König der Tiere zur Räson bringen. Kleine Ursache, große Wirkung: Eine dieser Sinnbild-haften Darstellungen, die Peter Formanek liebt. „Ich erfinde immer so kleine Geschichten, damit der Mensch auch noch ins Spiel kommt in diesem Zoo“, meint der Künstler mit den wachen braunen Augen und dem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Ein riesiger Berg-Gorilla, der mit traurigem Gesicht dem Betrachter ein rotes Herz entgegenstreckt, symbolisiert sein „brennendes Herz für Afrika“. Überhaupt scheint sich der Künstler gerne mit Affen zu identifizieren. Ein Affe mit Trachtenhut und Pinsel in der Hand malt einen Affen. „Das bin ich!“, sagt Peter Formanek und lacht.

Fabeln und Fabelwesen haben es ihm angetan. Egal ob ein plumpes Nilpferd die Anmut einer Tänzerin bewundert, oder eine giftige Schlange in ihrem offenen Maul ein Vogelnest beherbergt. Sein Gemälde „Sir Pig“, auf dem ein Schwein mit Zigarre im Maul auf eine Industrie-Landschaft blickt, ist gleichzeitig eine Variation zum Pink Floyd-Cover „Animals“. Mit den Bildern mit den Titeln „Oh my God!“, „Look at this!“ und „Unbelievable!“, die Tiere mit weit aufgerissenen, erstaunten oder erschrockenen Augen zeigen, versetzt Peter Formanek den Betrachter in die Position des Beobachteten. „Tiere sind wahrscheinlich genauso entsetzt, wenn sie uns Menschen erblicken, wie wir, wenn wir eine haarige Spinne entdecken“, sinniert er.

Die ausdrucksstarken Ölgemälde, die in der Ausstellung zu sehen sind, sind alle in den vergangenen beiden Jahren entstanden. Gesiegelt sind sie mit den Initialen „BF“, was auf Formaneks selbst gewählten indianischen Namen „Blauer Fisch“ zurückzuführen ist.

Peter Formanek selbst, der in Traunstein geboren ist, hat schon von Kindesbeinen an viel gemalt und schließlich in Bodenmais die Bildhauerei erlernt. Nach Jahren als angestellter Schnitzer, beschloss er in den 1980er Jahren, als selbständiger Bildhauer zu arbeiten. In eigenen Arbeiten entwickelte er eine neue Tiefenschärfe, erfuhr aber auch die Schattenseiten der Selbständigkeit: „Man wird nicht überall akzeptiert“, erzählt er nur über das harte Brot des freischaffenden Künstlers.

Es folgten Suchtprobleme und schließlich Obdachlosigkeit. Dinge, die Peter Formanek inzwischen erfolgreich hinter sich gelassen hat. Seit zwei Jahren lebt er in Herzogsägmühle und arbeitet dort in der Goldschmiede-Kunsthandwerkstatt.

Im Rahmen der Arbeit dort entstanden zwei große Plastiken, die ebenfalls ausgestellt sind. Eine mit Messingplättchen veredelte Eule, und eine ägyptisch anmutende Wächterkatze. „Hier fühle ich mich wohl und kann als Individualist arbeiten“, sagt Peter Formanek üUber seine neue Beschäftigung, die ihm zudem Zeit zum Malen lässt und Gelegenheit gibt, seine Kreativität auszuleben.

Natürlich können seine Werke auch käuflich erworben werden. Informationen dazu gibt es in der Ausstellung. 

Ursula Fröhlich

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