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Gut gesichert konnten sich die Besucher an Kletterwänden mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ausprobieren.

Sommerfest Bewegung und Begegnung in Herzogsägmühle

Basale Stimulation auf Augenhöhe und gelebte Inklusion

Die Perspektive zu wechseln, kann vieles verändern. Beim Sommerfest des Vereins Bewegung und Begegnung (BuB) in Herzogsägmühle hatten Menschen mit und ohne Behinderung reichlich Gelegenheit dazu.

Herzogsägmühle – Das Angebot war mehr als umfangreich: Kletterwände, Slackline und Seilzüge beherrschten das Gelände am Birkländer Weg. Bereits am frühen Nachmittag tummelten sich zahlreiche Menschen auf dem Fest, bei dem es viel zu erleben gab. „Wir möchten, dass sich hier Menschen mit und ohne Behinderung möglichst auf Augenhöhe begegnen“, sagte Stefan Jenuwein, der Vorsitzender des im vergangenen Jahr gegründeten Vereins BuB.

Gleichgewichtssinn war an den Slacklines gefragt.

Er selbst arbeitet als Sportlehrer in Herzogsägmühle und hat sein Schlüsselerlebnis im Jahr 2010 in der Kletterhalle Peißenberg gehabt: Dort gibt es eine bewegliche Kletterwand, die auch für Menschen mit Behinderung nutzbar ist. „Beim Klettern kann man viel mehr erreichen als mit anderen Sportarten“, ist sich Jenuwein sicher.

Mit sechs Mitstreitern gründete er den Verein, der inzwischen zwölf Mitglieder hat. Ziel ist es, auf dem 14 000 Quadratmeter großen Gelände, das die Herzogsägmühle zur Verfügung stellt, eine Art Kletterpark entstehen zu lassen, der für alle nutzbar ist. Dazu gehören Kletterwände in verschiedenen Schwierigkeitsgraden sowie ein Gebäude mit Büro und sanitären Anlagen.

„Es könnte ein Leuchtturm-Projekt werden und überregionale Bedeutung haben“, so Jenuwein. Auch andere Vereine und Organisationen könnten das Gelände nutzen, wie zum Beispiel der Deutsche Alpenverein, der inzwischen auch Kurse zum Klettern für Menschen mit Behinderung anbietet. „Für Rollstuhlfahrer ist es ein Erlebnis, die Welt einmal aus der Vogelperspektive zu sehen. Die Höhe, der Wind auf der Haut und die Beschleunigung können sehr motivieren“, erklärt Jenuwein, der das ganze „basale Stimulation“ nennt.

Die bekamen auch Kinder zu spüren, die im Rahmen des Herzogsägmühler Ferienprogramms auf dem Gelände vier Tage lang gehämmert und gesägt hatten und unter Anleitung ein kleines Hüttendorf aufgebaut hatten. Natürlich unter pädagogischer Anleitung, die in gefährlichen Situationen eingreifen konnte.

„Es wird hier Raum geschaffen, eigene Erfahrungen machen zu dürfen“, so Jenuwein mit Blick auf mehrere Knirpse, die in luftiger Höhe von etwa zwei Metern mit Hammer und Säge auf einem Hüttendach herumturnten.

Auch ein Rolli-Parcours war beim Sommerfest aufgebaut.

Für das erste Sommerfest des Vereins, das den finanziellen Grundstein für das Kletterprojekt einspielen sollte, konnte er zahlreiche Mitstreiter gewinnen. Wie den Münchener „Ich will da rauf“-Verein, ein gemeinnütziger Verein, der Menschen über den Klettersport zusammenbringt. Seit dem Jahr 2009 organisiert er regelmäßige betreute Klettergruppen: Menschen mit und ohne Behinderung erleben gemeinsam die Freude am Klettern.

Aber auch der Kletterwald Garmisch, die Schongauer Band „DiePlomaten“ oder der Verein Rolliwelten waren mit von der Partie. Im Dunkelzelt konnten Besucher die Welt Sehbehinderter erkunden, an verschiedenen Kletterwänden und Seilen Höhenerfahrungen machen oder mit der Seilrutsche über die Wiese sausen. Ein Abenteuer für Groß und Klein eben.

Ursula Fröhlich

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