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Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, wird alljährlich bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.

50 Jahre nach Schließung

Gelebte Bergmanns-Tradition in Peiting

Auch 50 Jahre nach der Schließung der Schachtanlage lebt in Peiting die Tradition der Bergleute fort. Dies wird bei der Ausstellung deutlich, die am 30. Juni im Museum Klösterle startet – samt Kunstwerk-Segnung.

Peiting– Die Liste an Veranstaltungenin Peiting mit Bergwerk-Bezug ist umfangreich. So setzt das „Glück auf“ alljährlich den Schlusspunkt der Weihnachtskonzerte der Knappschafts- und Trachtenkapelle. Ebenso ist das Fronleichnamsfest und das Engelamt am 1. Advent von den Bergknappen mitgeprägt – und der von Altbürgermeister Klement Sesar viel beschworene „Peitinger Geist“ hat seinen Ursprung bei den Kumpeln unter Tage.

Wenn nun am 30. Juni die Erinnerungs-Ausstellung im Museum im Klösterle eröffnet und das von Marinus Wirtl geschaffene Kunstwerk im Kreisel gesegnet wird, erklingt um 21.30 Uhr die von Simon Fröller komponierte Bergmännische Serenade. Der frühere Dirigent der Knappschafts- und Trachtenkapelle setzte damit der Zeit des Aufschwungs ein musikalisches Denkmal. Schließlich gewann Peiting durch den Kohlebergbau wieder an Bedeutung und hatte über viele Jahre die höchste Einwohnerzahl im Altlandkreis Schongau. Zuletzt erklang die Serenade, bei dem auch der Trommlerzug, der Männerchor des Trachtenvereins Alpenrose und der Knappenverein mitwirken, beim Festakt zur 575-jährigen Markterhebung am 29. September 2013.

Nicht nur die Musikkapelle ist bis heute ein lebendiges Zeugnis der Peitinger Bergwerksgeschichte. Begeistert pflegen die Chöre, Gesangs- und Instrumentalgruppen das Liedgut. Auf Initiative von Kirchenmusiker Hermann Mergler entstand so im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern die CD „In Gottes Namen fahren wir ein“ – das geistliche Volkslied das Jahr hindurch in der Pfarrgemeinde Peiting. Erfreulich, dass auch das Auftaktkonzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ in der Pfarrkirche St. Michael unter diesem Motto stand. Organisatorin Angela Holzschuh, die ihre Wurzeln in Peiting hat, weiß um das Vertrauen ihrer Vorfahren in die Heilige Barbara. Die Schutzpatronin der Bergleute ziert nicht nur den Brunnen vor dem Rathaus und Hausfassaden. Aus Dankbarkeit für 40 Jahre unfallfreie Arbeit im Bergbau errichtete das Ehepaar Ignaz und Maria Bräckle 1960 in Hohenbrand eine Kapelle, die der Heiligen Barbara geweiht wurde. Die Bergknappen feiern hier alljährlich zum Patrozinium am 4. Dezember eine Messe. Der 2004 im Alter von 91 Jahren verstorbene Fahrsteiger Josef Kern spendete eine 60 Zentimeter hohe Heiligenfigur , die von Mitgliedern des Trommlerzugs bei der Fronleichnamsprozession mit der aus dem Jahr 1882 stammenden Zunftstange getragen wird.

An die 31 verunglückten Bergleute erinnert das Bergmannsdenkmal am Hauptplatz. Leider ist der Förderturm schon 1973 gesprengt gerissen worden. Er wäre heute ein würdiger Ort für das Museum. Mit dem Zusammentragen der ersten Erinnerungsstücke begann 1992 der elfjährige Andreas Deibler. Heute ist die Sammlung allein auf über 600 Fotos angewachsen und auf dem Bergbauweg kann man den Spuren des Kohlebergbaus nachgehen. Lebendig wird die Erinnerung beim Gautrachtenfest , wenn beim Heimatabend am 21. Juli der Knappentanz den Höhepunkt bildet.

Gerhard Heiß

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