Künstlerin arbeitet in Birkland an Christusfigur aus Blech
+
Gertrud Frankl hat den Blechchristus auf ihren höhenverstellbaren Wohnzimmertisch  gelegt. So kann sie die Feinheiten der Dornenkrone ausarbeiten.

Künstlerin Gertrud Frankl aus Birkland

Wo Christus auf dem Wohnzimmertisch liegt

Gertrud Frankl hat in den vergangenen Jahren mit vielerlei Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Nun hat sich die Künstlerin aus Bikland eine besondere Herausforderung gesucht.

Birkland – Solange sich Afra Ried aus Apfeldorfhausen zurückerinnern kann, steht das große Holzkreuz mit der Christusfigur am Hauser Berg zwischen Apfeldorf und Apfeldorfhausen. Die 83-Jährige hat ihren Blick immer wieder auf den Christus gerichtet, wenn sie dort vorbeigekommen ist. Dabei ist ihr nicht entgangen, dass der Zahn der Zeit stark an dem Blech und vor allem der Bemalung genagt hat.

Ried wollte unbedingt verhindern, dass irgendwann der auf Blech gemalte Christus vom Rost ganz zerfressen wird. Sie will unbedingt das für sie beeindruckende Stück erhalten, an dem sehr viele Erinnerungen haften.

Wann das Kreuz aufgestellt wurde und zu welchem Anlass, das kann Afra Ried nicht beantworten. „Nicht mal mein Schwiegervater, der schon lange verstorben ist, konnte mir irgendwelche Hinweise zu dem Kreuz geben“, erzählt Ried. Aber die Erinnerungen leben in ihr, deshalb die Sorge um das Kreuz. Doch an wen sollte sich Afra Ried wenden, um das lieb gewonnene Stück restaurieren zu lassen? Guter Rat ist sprichwörtlich teuer, eine Restauration sicherlich auch.

Zeitungsartikel als Inspiration

Die Idee kommt aus heiterem Himmel: Afra Ried erinnert sich an einen Artikel der Schongauer Nachrichten vom Oktober des Jahres 2015, den sie gelesen hatte. In diesem wurde berichtet, wie Gertrud Frankl aus Birkland drei Marterl restauriert und damit vor der Zerstörung bewahrt hat.

Ried nimmt Kontakt mit Frankl auf. Die ist natürlich Feuer und Flamme, als sie von dem Vorhaben der Restaurierung hört. Doch spätestens, als sie die Figur sieht, werden die Flammen zu Sparflammen. Lodern nur noch ganz klein vor sich hin, denn: Die Malerin erkennt, dass unwahrscheinlich viel Arbeit in dem Projekt steckt.

Doch gerade dies reizt die Künstlerin, und sie nimmt die Herausforderung an. Ihr ist klar, dass sie sich hier farblich nicht austoben kann, hier sind dezente Töne gefragt. Eine Totalrestaurierung steht an. Schleifen bis zum Umfallen. Alles muss weg. Farbe, Rost, Moos und was sich sonst noch alles im Christuskörper angesammelt hat.

„Die Rückseite war noch relativ human, aber die Vorderseite hat mich förmlich geschafft“, erzählt Frankl. Doch Gertrud ist zäh, schmeißt nicht gleich die Flinte ins Korn. Und schafft es: Der Blechkörper sieht mittlerweile aus wie neu geboren. Jetzt darf er von den Holzböcken im Garten ins Haus umziehen.

Gertrud Frankl arbeitet im Wohnzimmer

Eigentlich arbeitet Gertrud Frankl in ihrem kleinen Malzimmer, dort findet sie alles griffbereit vor. Pinsel, Verdünner, Schablonen und was sonst noch bei einem Künstler so alles rumliegt. Geordnete Unordnung, aber eigentlich ganz übersichtlich.

Nur, der Christuskörper findet leider kein geeignetes Plätzchen in diesem Raum. Also Umzug ins großräumige Wohnzimmer. Hat noch einen weiteren Vorteil, da der Tisch sich hoch- und runterkurbeln lässt. Stufenlos. So wird Frankl bei ihrer Malerei fast nicht kreuzlahm.

Frankl trägt die Grundierung auf. In verschiedenen Basisfarben. Wie sie verrät, hat dies Auswirkung auf die Oberfarbe. „Der Heiligenschein leuchtet später viel eindruckvoller, wenn die Goldfarbe auf rote Grundierung aufgetragen wird“, so Frankl.

Vorgezeichnet wird alles mit Bleistift. Als Vorlage dienen Fotos, die vorher angefertigt wurden. Farblich sehr zur Zufriedenheit von ihr, die sich ja wirklich an das Original halten will. Für die Malerei verwendet sie Ölfarben.

Der großflächige Körper ist relativ schnell bemalt, mehr Zeit verschlingen Dornenkrone und Haupthaar. Ganz kleine Pinselstriche sind gefragt. „Am Schluss mache ich mich über das Lendentuch, da ist der Faltenwurf die Herausforderung“, erklärt Frankl. Immer mit einem Lächeln im Gesicht und einer stoischen Ruhe.

Es wird noch eine Weile dauern, bis der Christus wieder an seinem alten Platz am Hauser Berg hängen wird. Bisher hat Gertrud Frankl rund drei Monate an dem Blechchristus gearbeitet, das Ende noch nicht in Sicht. Aber wie man Gertrud Frankl kennt, wird das Werk gelingen. Auch wenn es noch etwas dauert. . . .

Hans-Helmut Herold

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare