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Nach einem Blitzeinschlag in einem Haus in der Peitinger Kohlenstraße waren Feuerwehr und Polizei im Einsatz.

Blitzeinschlag in Peiting

Blitz fährt in Haus – Familie rettet sich

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Es ist ein Albtraum, den Familie Turansky aus Peiting am Freitagabend erlebt hat: In ihrem Wohnhaus schlägt der Blitz ein. Durch die Druckwelle werden die Türen im Haus aufgerissen, einige Fenster gehen zu Bruch, die Haustür wird nach innen aufgedrückt. Glück im Unglück: Die vierköpfige Familie bleibt wie durch ein Wunder unverletzt.

Peiting – Diesen Tag wird Familie Turansky aus Peiting sicher nie vergessen: Es ist abends um acht, Mama Barbara Zedelmaier und Papa Robert Turansky machen gerade die Kinder im Bad bettfertig. Draußen tobt ein Gewitter. Plötzlich erschüttert ein riesiger Knall das gesamte Haus. Alles ist dunkel. Es riecht nach Rauch. Robert Turansky, selbst ein erfahrener Feuerwehrmann, reagiert sofort. „Raus aus dem Haus!“

Die Kinder, drei und acht Jahre alt, werden in einen Schneeanzug gehüllt, die gesamte Familie rettet sich zu den Nachbarn – und muss dann beobachten, wie Feuerwehr und Polizei zum Einsatz anrücken. Die Feuerwehr saugt den Rauch ab und kann dann wieder abrücken. Gott sei Dank hat sich kein Brand entwickelt.

Überhaupt ist es ein riesiges Glück im Unglück: „Gott sei Dank waren wir alle im ersten Stock“, sagt Barbara Zedelmaier. Der Blitz, der ins Haus gefahren ist, ist zwar über die Antenne reingefahren. Seine volle Volt-Macht hat er jedoch vom Keller aus entfaltet. Der Schaltkasten dort ist komplett geschmort. Mit wie viel Wucht es eingeschlagen hat, zeigt sich sofort: Im Haus reißt die Druckwelle alle Türen auf. Fenster gehen zu Bruch. „In der Hauswand ist jetzt ein Loch vom Keller nach draußen.“ Ein Bügelbrett fliegt vier Meter durch die Luft.

Sogar durch die Wasserrohre fährt der Blitz. Manche sind dabei geplatzt. Es tropft im ganzen Haus. Was alles hätte passieren können, hätte Barbara Zedelmaier ihre Kinder in diesem Moment gerade gewaschen, Zähne geputzt. Oder gar geduscht. Strom und Wasser – man will es sich gar nicht ausdenken. „Ein Glück, dass Ihr da alle lebend rausgekommen seid“, befinden nach dem Einsatz die Feuerwehrkameraden.

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So etwas hat selbst der Elektriker noch nie gesehen, stellt der bei seiner ersten Begutachtung fest. Im Haus sind alle Leitungen verschmort, alle Schalter, Steckdosen. PV-Anlage. Alles kaputt. Den Schaden schätzt die Familie selbst auf eine Summe im sechsstelligen Bereich.

Weil das Haus erstmal nicht bewohnt werden kann, haben sich die Turanskys jetzt vorerst bei den Schwiegereltern untergebracht. Die Welle der Hilfsbereitschaft jedoch sei enorm gewesen, berichtet die Mutter: Viele Hilfs- und Wohnangebote haben die Familie binnen kürzester Zeit erreicht.

Hilfe wird die Familie künftig bestimmt benötigen. Schnell hat sich herausgestellt: Aufgrund der geänderten Sicherheitslage in Bayern wird es schwierig werden, alsbald einen Gutachter ins Haus zu bekommen. Der wiederum wird dringend gebraucht, damit die Sache mit der Versicherung geklärt und eine Sanierung des riesigen Schadens eingeleitet werden kann.

Familie Turansky hat es mit Abstand am schlimmsten erwischt beim Gewitter am Freitagabend in Peiting. Doch auch in der Nachbarschaft in der Kohlenstraße hat das Unwetter so einiges angerichtet. Fast beim gesamten Straßenzug gibt es keine Telefonanlage, die noch funktioniert, weiß Barbara Zedelmaier. Ein Nachbar hat laut Polizei Schongau wegen eines Blitzeinschlags einen Schaden zwischen 5000 und 10 000 Euro zu beklagen. Barbara Zedelmaier: „Es müssen mehrere Blitze gewesen sein, die da bei uns in der Straße eingeschlagen haben.“

Übrigens: Bevor es zur Blitzentladung kommt, können zwischen Gewitterwolken und der Erde Spannungen von einigen 100 Millionen Volt auftreten. Im Blitz selbst fließen dann in Sekundenbruchteilen Ströme, die in seltenen Fällen bis zu einigen 100 000 Ampere betragen. Was wiederum die Wucht der Zerstörung bei Familie Turansky erklärt. Der bleibt dieser Tage eines: Einen Dank auszusprechen. „An alle Rettungskräfte, Nachbarn, Freunde und Verwandte, die uns in dieser schweren Zeit Beistand und Hilfe leisten.“

Barbara Schlotterer-Fuchs

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