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Auf dem Rundgang durch den Mühlenmarkt: Von links die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer, Frank Schmidt (Projektleiter Perspektive Plus), John Edward Schulz (Teilbereichsleiter Wohnungslosenhilfe) und Doro Sührig (Referentin von Beate Walter-Rosenheimer).

Fachgespräch in Herzogsägmühle

Perspektiven für junge Wohnungslose

Kommen junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren in Wohnungsnot, gibt es oft keine Hilfe, da die Kostenträger Jugendhilfe und Sozialamt sich nicht verantwortlich fühlen. Diese Problematik will die Bündnis90/-Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer im Bundestag aufgreifen und informierte sich dafür bei einem Fachgespräch in Herzogsägmühle.

Herzogsägmühle – Die gesetzliche Volljährigkeit bedeutet nicht automatisch die Fähigkeit, alleine für sich sorgen zu können. „Derzeit leben noch 31 Prozent aller ledigen 25-Jährigen und noch rund 90 Prozent aller ledigen 18-Jährigen im elterlichen Haushalt“, sagte jetzt Frank Schmidt, Leiter des Jugendprojekts Perspektive Plus in Herzogsägmühle. Mindestens 90 Prozent davon sind noch auf elterliche Unterstützung angewiesen, erklärte er der Bundestagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen, Beate Walter-Rosenheimer.

Sind junge Menschen auf öffentliche Hilfe angewiesen, sieht die Sache anders aus: Für 75 Prozent der 18-Jährigen endet die Hilfe im Rahmen der stationären Unterbringung. Die Jugendhilfe endet mit dem 18. Lebensjahr, die Sozialhilfe kommt noch nicht zum Tragen. Alleine im letzten Jahr konnten in Herzogsägmühle über 40 jungen Menschen, die um Hilfsmaßnahmen anfragten, keine gewährt werden, weil sich kein Kostenträger fand.

Das Projekt Perspektive Plus, ein gemeinsames Angebot der Fachbereiche „Kinder, Jugendliche und Familien“ und „Menschen in besonderen Lebenslagen“ in Herzogsägmühle, soll hilfsbedürftige junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren unterstützen. Dazu gehören auch Hilfen bei der Antragstellung sowie notfalls rechtliche Schritte zum Einklagen von Hilfe.

Angesichts steigender Zahlen von obdachlosen Menschen in dieser Altersgruppe ein wichtiger Schritt. Laut dem deutschen Jugendinstitut sind 37 000 Jugendliche und junge Erwachsene wohnungslos. Die Stiftung Offroad Kids geht von einem starken Anstieg aus und prognostiziert rund 100 000 Betroffene für das Jahr 2021.

Auch im Gasthof Herberge in Herzogsägmühle wurde in den vergangenen Jahren ein Anstieg von unter 21-Jährigen von 5,4 auf 9,2 Prozent verbucht. Dieses Gasthaus ist im Diakoniedorf Anlaufstelle und Clearinghaus für wohnungslose Menschen.

In der Öffentlichkeit sind obdachlose junge Menschen allerdings kaum präsent. „Arme junge Menschen verdecken oftmals ihre Situation. Sie legen oft besonderen Wert auf ihre Kleidung und ihr Äußeres, damit man ihnen die Armut nicht ansieht“, erklärte Frank Schmidt der Besucherin. „Sie zeigen noch nicht das typische Obdachlosenverhalten und leben auf der Straße, sondern können bei Freunden übernachten.“

Ein im Gegensatz zu älteren Obdachlosen relativ hoher Anteil der jungen Wohnungslosen möchte an seiner Situation etwas ändern: So sind von 87 im Gasthof Herberge aufgenommenen jungen Menschen immerhin 41 Hilfsanfragen. Diese Hilfe wird von Ämtern allerdings oft mit der Begründung „mangelnde Erfolgsaussicht“ verweigert. Jedoch zeigt die gerichtliche Praxis, dass elf Klagen gegen abgelehnte Leistungen Erfolg hatten, die Ämter die Leistung also zu Unrecht verweigert hatten.

Das Modell „Perspektive Plus“ ist für Beate Walter-Rosenheimer, Diplompsychologin und Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen für Dachau und Freising, beispielhaft. Bei ihrem Besuch in Herzogsägmühle informierte sie sich zudem auf einem Rundgang über andere Angebote vor Ort.

URSULA FRÖHLICH

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