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Der frisch gekürte Bürgermeisterkandidat der Peitinger Grünen, Thomas Elste (2.v.r.) mit Heike Dietrich (Ortsverbandsvorsitzende), Ludwig Hartmann (Fraktionschef der Grünen im Landtag, 2.v.l.) und Günter Franz (Sprecher Ortsverband).

Aufstellungsversammlung der Grünen

Bürgermeisterwahl in Peiting: Grüne nominieren Thomas Elste - Partei-Frontmann gratuliert

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Nach der SPD haben jetzt auch die Peitinger Grünen einen offiziellen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt. Einstimmig gaben die Mitglieder des Ortsverbands am Montagabend dem einzigen Bewerber Thomas Elste ihren Segen. Der durfte sich bei der Aufstellungsversammlung über hohen Besuch aus der Landeshauptstadt freuen.

Peiting – Der Ehrengast aus München, er lässt am Montagabend erst einmal auf sich warten. Nicht die Pfaffenwinkelbahn, mit der Ludwig Hartmann anreist, ist freilich schuld an der Verspätung, wie manch einer der Anwesenden im Grünen Salon angesichts der jüngsten Zugprobleme unkt, sondern der volle Terminkalender des Fraktionschefs der Grünen im Landtag. So ist es Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl, der nach der Begrüßung durch Ortsverbandsvorsitzende Heike Dietrich mit Kritik an der Klima-Politik der Bundesregierung den Anheizer spielt für den späteren Abend.

Als Ludwig Hartmann schließlich den Grünen Salon betritt, ist die Freude bei Thomas Elste groß. Schon vor sechs Jahren bei der Gründung des Ortsverbands sei der Grünen-Politiker nach Peiting gekommen, erinnert er bei der Begrüßung. Deshalb sei es ihm ein großes Anliegen gewesen, dass Hartmann auch bei der Kür des ersten grünen Bürgermeisterkandidaten in der Marktgemeinde dabei sei.

Bürgermeisterwahl 2020 in Peiting: Grüne nominieren Thomas Elste

Vor der Wahl ist allerdings erst einmal der Landtagsfraktionschef an der Reihe. Dieser werde sich in seinem Vortrag mit dem Thema Flächenfraß einem Problem widmen, das jüngst auch im Gemeinderat zu einer Debatte geführt habe, als es um den neuen Flächennutzungsplan gegangen sei, kündigt Elste an. Sein Verweis auf die von den Grünen geforderte Obergrenze für den Flächenverbrauch habe im Gremium zu einem „Riesen-Aufschrei“ geführt.

Es ist die Steilvorlage für Hartmann, der seit langem für eine Eindämmung des Flächenverbrauchs im Freistaat kämpft. Mit hochgekrempelten Ärmeln steht der Spitzenpolitiker vor den rund 30 Zuhörern, hinter ihm an der Leinwand erscheinen Bilder, die den „Wahnsinn“ aus Sicht des Grünen verdeutlichen, der Tag für Tag in Bayern geschehe. Große Zubringerkreuze, gesichtslose Ortseinfahrten, an denen sich Discounter ausbreiten, riesige Gewerbegebiete neben kleinen Gemeinden, leerstehende Ortskerne. Es folgen Zahlen, Hartmann rattert sie herunter. Seit 1980 haben die Siedlungs- und Verkehrsflächen um 49 Prozent zugenommen, die Einwohnerzahl dagegen nur um 15 Prozent. Gleichzeitig seien 13 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen verschwunden. Auch dem Landkreis konstatiert er einen „gravierenden Flächenverbrauch“.

Und Peiting? Kommt auch nicht gut weg. Obwohl die Bevölkerung seit 2000 um rund vier Prozent gesunken sei, haben die Siedlungsflächen um 26 Prozent zugelegt, rechnet er vor. „Alle wünschen sich mehr Artenvielfalt, gesunde Nahrungsmittel und Naherholung. Das funktioniert aber nur, wenn wir ausreichende Flächen haben.“

Ohne eine feste Obergrenze, daran lässt Hartmann keine Zweifel, lasse sich der Betonflut kein Einhalt gebieten. Dass die Begrenzung auf fünf Hektar pro Tag kommt, dafür wollen die Grünen notfalls mit einem neuen Volksbegehren sorgen. Den ersten Anlauf hatte 2018 das Gericht gestoppt. Die neue Lösung sei wasserdicht, betont Hartmann, sie räume den Kommunen mehr Zeit ein.

Bürgermeisterwahl 2020 in Peiting: Einstimmiges Ergebnis für Grünen-Kandidat

Als der Fraktionschef endet, brandet Applaus auf. Dann schlägt Elstes große Stunde. Er ist wenig überraschend der einzige, der sich für die Kandidatur als Bürgermeister bewirbt. Zehn Minuten räumt ihm der zum Wahlleiter bestimmte Grehl ein, sich vorzustellen. Der 51-jährige verheiratete Vater von einem Sohn skizziert seinen Lebenslauf. Aufgewachsen in Niedersachsen, Studium in München, Forschungsstipendien, mittlerweile Betriebsleiter beim Deutschen Wetterdienst auf dem Hohen Peißenberg. 

Dann rührt Elste die Werbetrommel in eigener Sache. Als Bürgermeister wolle er den Klimaschutz voranbringen und den Flächenfraß angehen. Das Soziale liege ihm ebenso am Herzen wie die Unterstützung des Ehrenamts. Mit einem Kulturzentrum wolle er die Künstler unterstützen, und auch eine zweite Partnerstadt schwebe ihm vor, um die Zusammenarbeit in Europa zu pflegen. Als „Mann der Tat“, der sachlich und analytisch vorgehe, stehe er für eine Politik, die Peiting voranbringe und den Bürgern weiterhelfe – getreu dem Motto „Gutes bewahren, Neues wagen.“

Elstes Wahlkampfrede kommt an bei den Anwesenden. Die Wahl wird eine eindeutige Angelegenheit: Alle 13 Wahlberechtigten votieren für den 51-Jährigen.

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