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Peter Ostenrieder (CSU) oder Annette Luckner (SPD)? Am Sonntag entscheidet sich, wer das Rennen um den Chefposten im Peitinger Rathaus macht.

Bürgermeisterwahl 2020

Vor der Stichwahl in Peiting zwischen Ostenrieder und Luckner: Grünen-Empfehlung und Flyer-Ärger

  • Christoph Peters
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Die Spannung steigt: In wenigen Tagen entscheidet die Stichwahl, ob Annette Luckner (SPD) oder Peter Ostenrieder (CSU) den Chefposten im Peitinger Rathaus erringen wird. Während die Grünen eine klare Wahlempfehlung abgeben, halten sich die anderen Gruppierungen in dieser Frage zurück. Ein Flyer verärgert den scheidenden Amtsinhaber. 

Peiting – Am Wochenende dürften die meisten Peitinger Haushalte Post von der Gemeinde im Briefkasten gehabt haben. Für die Stichwahl, die entscheidet, wer Michael Asam im Amt des Peitinger Bürgermeisters nachfolgt, wird es nur noch Briefwahlunterlagen geben. Die Corona-Krise lässt einen normalen Wahlgang nicht zu. So werden die Peitinger sich also zuhause am Küchentisch entscheiden müssen zwischen Peter Ostenrieder oder Annette Luckner. zwischen CSU-Kandidat oder SPD-Bewerberin. beide hatten im ersten Wahlgang vor einer Woche die meisten Stimmen geholt und die drei anderen Kandidaten von Grünen, BVP und Unabhängigen deutlich hinter sich gelassen. 35,3 Prozent der Peitinger votierten für Ostenrieder, 26,9 Prozent für Luckner. Ein Vorsprung, der, da waren sich beide Kandidaten am Wahlabend einig, für die Stichwahl nichts bedeute. „Es beginnt alles bei Null.“

Wie entscheiden sich die Wähler der anderen Kandidaten?

Das Zünglein an der Waage dürften nun jene Wähler sein, die sich im ersten Wahlgang für einen der drei anderen Bürgermeister-Kandidaten entschieden hatten. Andreas Schmid (BVP) holte immerhin 17 Prozent der Stimmen, Christian Lory (UP) kam auf 11,8 Prozent und Thomas Elste (Grüne) auf 9,1 Prozent. Eine Wahlempfehlung werde es von Seiten der Unabhängigen Peitinger nicht geben, betont Lory auf Nachfrage der SN. Der Wähler sei mündig genug, sich selbst ein Bild zu machen. Auch bei der Bürgervereinigung will man sich für keinen der beiden Kandidaten aussprechen. „Wir als BVP verhalten uns neutral“, sagt ihr Vorsitzender Franz Seidel. Dies habe man so auch schon in der Vergangenheit gehalten.

Klar Position beziehen dagegen die Grünen. „Der Peitinger Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hat sich entschlossen, in dieser Situation die Kandidatur von Annette Luckner in der Stichwahl zu unterstützen“, teilt Grünen-Sprecher Günter Franz mit.

„Mich freut das natürlich sehr“, sagt Luckner. Die Entscheidung habe sich der Grünen-Ortsverband nicht leicht gemacht, so die SPD-Kandidatin. „Sie haben mir noch einmal richtig auf den Zahn gefühlt.“ Dabei sei es auch um Klima- und Umweltschutz gegangen, wo es bei SPD und Grünen viele Gemeinsamkeiten gebe.

Für Peter Ostenrieder kommt der Vorstoß der Grünen nicht überraschend. „Ich sehe das völlig entspannt.“ Er habe zu allen ein gutes Verhältnis, betont der CSU-Kandidat. „Mir geht es darum, dass die Leute mich aus Überzeugung wählen.“ Die Partei spiele da weniger eine Rolle. „Ich sehe mich in erster Linie als Peitinger Rathauschef und nicht als CSU-Bürgermeister.“ Er erhalte täglich Anrufe von Leuten aus allen Gruppierungen, die wissen wollten, wie er zu bestimmten Themen stehe.

Corona-Krise bringt Wahlkampf zum Erliegen

Ob die Wahlempfehlung Einfluss auf den Ausgang haben werde, lasse sich sich schwer einschätzen, räumt Luckner ein. „Ich glaube, die Wahl wird sehr offen sein.“ Viel Einfluss nehmen können beide Kandidaten ohnehin nicht mehr. Wegen der Corona-Krise gibt es keine Infostände mehr, an denen die Bewerber die Werbetrommel in eigener Sache rühren können. Der Wahlkampf spielt sich nur noch über Flyer, online und am Telefon ab. Und auch da ist das Ende abzusehen. „Am Wochenende werden die meisten ihre Briefwahlunterlagen ausgefüllt haben, damit ist der Wahlkampf eh gelaufen“, sagt Ostenrieder. Die Leute hätten im Moment ohnehin andere Sorgen, sagt Luckner. „Die meisten haben ihre Entscheidung deshalb bereits getroffen.“ 

SPD-Flyer sorgt für Ärger: „Diese Aussage kann ich nicht unterschreiben“

Mit der Stichwahl neigt sich für Michael Asam die Amtszeit als Peitinger Bürgermeister dem Ende entgegen. 24 Jahre hatte er den Chefposten im Rathaus inne. Eine erfolgreiche Zeit, nicht nur für Asam, sondern auch für die Peitinger SPD. Doch auf den letzten Metern scheint es zwischen den Genossen und dem scheidenden Amtsinhaber, nun ja, ein wenig zu kriseln. Grund ist ein Flugblatt, das am Freitag an die Peitinger Haushalte verteilt wurde. 

„Fünf Gründe, warum wir Ihnen Annette Luckner empfehlen“, heißt es darauf, auch Asams Name taucht neben anderen bekannten Peitinger Persönlichkeiten auf der langen Liste der Unterzeichner auf. Noch am gleichen Tag allerdings distanzierte sich der Bürgermeister öffentlich davon. Er habe auf Bitten eines SPD-Mitglieds seine Unterstützung zugesagt, jedoch ohne den genauen Inhalt zu kennen, teilte der Bürgermeister mit. 

Irritiert zeigte sich Asam über den ersten der fünf genannten Gründe, wonach die SPD-Bürgermeisterkandidatin einen „neuen, transparenten, kooperativen Stil im Gemeinderat einführen“ werde. „Ich denke, dass ich in meiner Amtszeit immer einen offenen und auch transparenten kooperativen Stil geführt und gelebt habe. Die Zusammenarbeit mit allen Gemeinderäten war bis auf die letzten Wochen der Wahlkampfzeit sehr gut. Deshalb kann und will ich diese Aussage nicht unterschreiben“, so Asam. 

Bei der SPD ist man um Schadensbegrenzung bemüht. In der Empfehlung zur Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Peiting könne durch eine „verunglückte Formulierung“ der missverständliche Eindruck entstehen, dass hier Kritik an der Amtsführung von Bürgermeister Michael Asam geübt werde, teilte die Ortsvorsitzende Claudia Steindorf in einer Stellungnahme mit. „Das Gegenteil sei der Fall: Das Ziel der Empfehlung sei als Hinweis darauf zu verstehen, dass der neue Gemeinderat – und damit auch alle Fraktionen – durch die Möglichkeit moderner Kommunikationsformen online wie offline in die Lage versetzt werden, die Information der Bürger noch direkter und offener zu gestalten. 

„Eine Kritik an der Amtsführung von Michael Asam liegt uns völlig fern.“ Er habe in seiner 24-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister „Herausragendes“ geleistet, und dafür sei man ihm sehr dankbar. Steindorf: „Für die entstandene Verwirrung möchten wir uns bei Michael Asam und Annette Luckner herzlich entschuldigen. Leider haben wir aufgrund der aktuellen Situation und im Eifer des Gefechts versäumt, mit verschiedenen Beteiligten die Inhalte ordentlich abzustimmen.“

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Die Corona-Krise macht auch vor den großen Unternehmen im Landkreis nicht Halt: Während die einen wegen wegbrechender Aufträge Kurzarbeit anmelden und ganze Standorte in die Pause schicken müssen, kommen andere mit der Produktion kaum hinterher.

In der Corona-Krise sind die Menschen füreinander da. Das zeigt sich gerade wunderbar in Schongau und Peiting, wo neu gegründete Nachbarschaftshilfen einen rasanten Zulauf verzeichnen.

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