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Zeuge vergisst Strafanzeige: „Da muss ich betrunken gewesen sein“

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Eine Verhandlung kürzlich vor dem Weilheimer Amtsgericht hatte es in sich. Ein Angeklagter, der zunächst nicht auffindbar war. 15 geladene Zeugen, von denen zwei polizeilich vorgeführt wurden. Und eine Richterin, die alles souverän im Griff hatte.

Peiting An seinem Geburtstag im April kam einem 28- Jährigen aus Peiting die Erkenntnis, sein Leben zu verändern. Auf freiwilliger Basis lieferte er sich in die psychiatrische Abteilung ins Landsberger Krankenhaus ein, um sich einer Entgiftung zu unterziehen. Ein bis zwei Flaschen Rum und Whisky am Tag wurden doch zuviel. Auch mit Drogen hat der junge Mann so seine Probleme.

Zur Verhandlung kam er nicht, aber man fand schnell heraus, wo er sich befand. Amtsrichterin Christiane Serini wollte den Termin nicht neu ansetzen und ließ ihn polizeilich vorführen: „Das ziehen wir durch“, sagte sie. Die Verhandlung begann zweieinhalb Stunden später.

Gleich wegen vier verschiedener Delikte saß der junge Mann auf der Anklagebank. Drei davon räumte er ein, die anderen Straftaten bestritt er nachdrücklich. Die Beweisaufnahme war kein leichtes Unterfangen in diesem Fall. Die Zeugen hatten teilweise bedenkliche Erinnerungslücken. Eine angeblich vom Angeklagten Geschädigte kam in einem katastrophalen Zustand zum Gericht. „Haben Sie Drogen genommen?“, fragte Amtsrichterin Christiane Serini sofort. Diese verneinte zwar, präsentierte dann aber vier verschiedene Versionen ihrer ursprünglichen Anschuldigung.

Sie hatte vergangenes Jahr Strafanzeige gestellt, nachdem der Angeklagte ihr in einer betreuten Wohngruppe von Herzogsägmühle in den Bauch getreten haben soll. Sie habe sich danach ins Krankenhaus begeben. Dort wurde zwar festgestellt, dass sie Flüssigkeit im Bauchraum habe. Im verlesenen Attest stand aber, dass das durchaus auch gynäkologische Ursachen haben könnte. Ein spontan von der Richterin einberufener Zeuge entlastete den Angeklagten zu dieser Tat. Den ganzen Abend sei er mit ihm und der Geschädigten zusammen gewesen und nichts sei passiert, so der Zeuge. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

„Wenn wir alle unsere Schlägereien anzeigen würden, säßen wir jede Woche hier.“

Genauso wie eine Schlägere am Rewe-Markt. In betrunkenem Zustand war da der Angeklagte mit seinem Kumpel zusammengeraten. Der hatte eine leichte Verletzung an der Nase erlitten und ebenfalls Strafanzeige gestellt, was ihn jetzt vor Gericht vollkommen überraschte. Das müsse er in betrunkenem Zustand gemacht haben, meinte er und fügte hinzu. „Wenn wir alle unsere Schlägereien anzeigen würden, dann würden wir hier jede Woche zusammensitzen.“ Er zog die Strafanzeige zurück.

Übrig blieb noch die sinnlose Aktion des Angeklagten im August vergangenen Jahres. Im Alkoholrausch schlug er mit der flachen Hand in Schongau auf einige Autos. Ein Anwohner stellte ihn deswegen zur Rede. Der Angeklagte wurde wütend und versetzte dem Rentner einen Kopfstoß. Die Folgen waren ein gebrochenes Nasenbein und eine defekte Brille im Wert von rund 900 Euro. Bei der Polizei setzte der Angeklagte noch mit Beleidigungen dem Ganzen die Krone auf. „Das Ganze tut mir sehr leid“, sagte der 28-Jährige.

Einige Zeit brauchte die Richterin zur Verlesung des Auszugs aus dem Bundeszentralregister. 16 Eintragungen hat der junge Mann schon. „Die Liste ist ja so dick wie ein Telefonbuch“, so die Richterin. Sie stellte aber fest, dass der Angeklagte periodenweise Straftaten anhäufte. In einer Jugendphase war das der Fall und auch später immer, wenn er schlechten Umgang hatte. So wie bei den Delikten im Vorjahr. „Sie haben die falschen Freunde“, sagte Serini. Wegen Körperverletzung und Beleidigung erhielt der Angeklagte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der junge Mann einen Therapieplatz und vier negative Drogenscreenings nachweisen.

Regina Wahl-Geiger

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