Ansehnlicher Fuhrpark: Für sämtliche Klassen bietet Günther Oechsle in Peiting die Motorradausbildung an.
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Für sämtliche Klassen bietet Günther Oechsle in Peiting die Motorradausbildung an. Doch auf einen Corona-Impftermin wartet der 82-Jährige vergebens.

Die Angst vor Corona fährt mit

Corona-Angst: 82-jähriger Fahrlehrer klagt - „Habe noch keinen Impftermin“

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Er ist der älteste noch aktive Fahrlehrer im Landkreis Weilheim-Schongau. Seit gestern darf der Peitinger wieder Schüler unterrichten. Doch die Angst vor Corona fährt mit im Auto. Impftermin? Aber nicht doch.

  • Günther Ochsle ist mit 82 Jahren der älteste noch aktive Fahrlehrer im Landkreis Weilheim-Schongau
  • Obwohl er zur Risikogruppe zählt, hat er noch keinen Corona-Impftermin erhalten
  • Jetzt fürchtet der Peitinger bei der Arbeit um seine Gesundheit
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Peiting – Endlich dürfen in Bayern die Fahrschüler wieder aufs Gaspedal drücken, mehr als zwei Monate waren sie zur Corona-Zwangspause verdammt. Natürlich stand auch Günther Oechsle gestern wieder in seinem Schulungsraum an der Peitinger Bahnhofstraße Gewehr bei Fuß. Auch der 82-Jährige ist glücklich, seinen Laden wieder aufsperren zu dürfen. Schon am Vormittag ging es mit den ersten Schülern auf die Straße. Bevor am Nachmittag die nächsten dran waren, setzte sich Oechsle an den Schreibtisch, um neue Termine zu vereinbaren. Immer wieder klingelte das Telefon, die erste Woche nach dem Lockdown war in Nullkommanichts ausgebucht: „Ich habe 40 Fahrschüler, ich komme hinten und vorne nicht nach“, sagte er.

82-Jähriger will seine Fahrschüler nicht im Stich lassen

Beklagen will sich der Fahrschulbesitzer trotzdem nicht. Der 82-Jährige lässt seine Schüler nicht im Stich, alle sollen baldmöglichst ihren Führerschein bekommen. Deswegen wird Oechsle diese Woche bestimmt 60 Stunden mit den jungen Frauen und Männer im Auto unterwegs sein, auch die Motorradausbildung läuft wieder an. Dazu kommt die Theorie, die der Peitinger an vier Abenden in der Woche anbietet. Das nicht nur in Peiting, sondern auch in angemieteten Räumen in Bernbeuren und Steingaden. Angestellte hat der 82-Jährige keine. Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, der Mann ist „systemrelevant“.

Impfzentrum kann nichts machen

„Trotzdem habe ich bis jetzt noch keinen Impftermin erhalten“, klagt der 82-Jährige. Mehrmals hatte er sich online registriert und auch schon im Impfzentrum in Peißenberg angerufen: „Die haben gesagt, sie selber können da gar nichts machen, ich soll es online reinschreiben.“ Oechsle ist sauer: „Ich werde in zwei Wochen 83 Jahre alt und gehöre zur Risikogruppe, ich habe hier große Sorge um meine Gesundheit.“

Online hat sich Günther Oechsle fürs Impfen angemeldet, bist heute aber noch keinen Termin erhalten.

Den Laden einfach zuzusperren, bis er geimpft ist, kommt für Oechsle nicht in Frage. Schließlich hat er neben dem Geld auch einen Ruf zu verlieren. Trotz Corona sei 2020 das für ihn bislang umsatzstärkste Jahr überhaupt gewesen, berichtet der Fahrlehrer stolz und schickt auch gleich den Grund hinterher: „Nur 15 Prozent meiner Fahrschüler fallen in der praktischen Prüfung durch, deutschlandweit liegt der Schnitt bei 30 Prozent.“

In der Fahrschule ist die Zeit stehen geblieben

Die Zeit scheint in der Peitinger Fahrschule stehen geblieben. Das Modell einer Jahrzehnte alten Kugelkopfkupplung hängt an der Wand. Auch an den Lichtschaltern fürs Auto schräg gegenüber haben sich wohl schon Generationen von Fahrschülern ausgetobt. „Die brauchen wir heute aber nicht mehr“, sagt der Chef des Ladens und lächelt hinter seiner FFP2-Maske über den etwas altertümlichen Kasten. „1967 habe ich hier aufgemacht“, sagt er.

Trotz des Alters noch top fit: Reaktionstest mit „sehr gut“ bestanden

Von der noch fehlenden Corona-Impfung abgesehen fühlt sich der 82-jährige auch 54 Jahre später top fit für den Beruf des Fahrlehrers. Und das bestätigen ihm auch die Ärzte. Erst im vergangenen Jahr hatte er nach fünf Jahren wieder die betriebsmedizinische Untersuchung durchlaufen, die Busfahrer machen müssen. „Ich habe den Test mit sehr gut bestanden, die Ärztin hat gesagt, ich habe ein schnellere Reaktion als die Jungen“, sagt der 82-Jährige und lacht. Ans Aufhören denkt Oechsle deshalb noch lange nicht: „Bevor mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, mache ich lieber weiter.“

Zu seinem Glück fehlt ihm jetzt also nur noch die Spritze im Impfzentrum.

Dass der 82-jährige so lange warten muss, mag auch mit der etwas sonderbaren Impfstoff-Verteilung in Bayern zu tun haben.

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