Der persönliche Höhepunkt für Peter Ostenrieder 2020 war seine Wahl zum Peitinger Bürgermeister. Per Plakatbotschaft bedankte er sich damals bei den Wählern.
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Der persönliche Höhepunkt für Peter Ostenrieder 2020 war seine Wahl zum Peitinger Bürgermeister. Per Plakatbotschaft bedankte er sich damals bei den Wählern.

Im Interview: Bürgermeister Peter Ostenrieder über das abgelaufene Jahr

„Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Seit vergangenen Mai ist Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder im Amt. Im Interview blickt der neue Rathauschef auf das abgelaufene Jahr zurück und verrät, welche Projekte die Gemeinde 2021 angehen will und warum er einem persönlichen Termin mit der bayerischen Verkehrsministerin besonders entgegenfiebert.

Herr Ostenrieder, das abgelaufene Jahr war gleich in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches. Wenn Sie es in einem Wort beschreiben müssten, wie würde es lauten?

„Insgesamt einfach ein superspannendes Jahr“

Ein Feuerwerk der Kommunalpolitik (lacht). In Peiting war ja alles dabei, von den Bürgerbegehren angefangen bis zuletzt zum Baumstreit und natürlich die Corona-Krise, die man auch nicht vergessen darf. Insgesamt einfach ein superspannendes Jahr.

In Peiting ist im Mai eine Ära zu Ende gegangen. Nach 24 Jahren haben Sie Michael Asam als Bürgermeister abgelöst. Auch im Gemeinderat gibt es viele neue Gesichter. Wie präsent ist der Wahlkampf gut ein halbes Jahr später noch?

Das ist von Fraktion zu Fraktion unterschiedlich. Manche haben schnell nach der Wahl mit dem Thema abgeschlossen, andere sind immer noch ein bisschen im Wahlkampfmodus. Das Problem war, dass wir in dem Jahr keine Gelegenheiten hatten, sich mal außerhalb der Sitzung zu treffen. Feierlichkeiten, Ortstermine, das alles ist ja wegen Corona ausgefallen. Manch einer, habe ich das Gefühl, verwechselt die Gemeinderatsbühne noch mit dem Bundestag, wo man gegenseitig auf sich eindrischt. Deshalb auch der große Wunsch nach einer Klausur im nächsten Jahr, um sich besser kennenzulernen.

Ihre Wahl zum Rathauschef war sicher für Sie der persönliche Höhepunkt in 2020. Was war aus Sicht der Gemeinde bemerkenswert im abgelaufenen Jahr?

„Beim Bürgerentscheid zum Marienheim hat man gesehen, wie die Peitinger ticken“

Das war tatsächlich der Bürgerentscheid zum Marienheim. Da hat man gesehen, wie die Peitinger ticken und wie sie zu den sozialen Einrichtungen im Ort stehen, auch wenn sie umstritten sind. Für mich eine richtungsweisende Geschichte.

Sie haben es gerade schon angesprochen. Umstritten waren heuer vor allem zwei Projekte, nämlich die geplanten Neubauten Marienheim und V-Baumarkt. Beide Vorhaben haben über Monate für teils erbitterte Debatten gesorgt. Hat Sie das überrascht?

Nein, mir war in beiden Fällen bewusst, dass es Diskussionen geben würde. Ich bin froh, dass ich bei beiden Vorhaben eine klare Meinung vertreten habe. Jede Seite hat ihre Argumente, deshalb finde ich es wichtig, dass man sich als Bürgermeister klar positioniert.

Beim Marienheim gab es letztlich ein klares Votum der Peitinger beim Bürgerentscheid. Beim V-Baumarkt hingegen sind zwei Begehren an Formalitäten gescheitert. Wirft es nicht einen Schatten auf das Projekt, dass man ohne Bürgerentscheid nicht mehr erfahren wird, wie die Peitinger tatsächlich darüber denken?

Nein, das glaube ich nicht. Beim V-Baumarkt ist meines Erachtens die Meinung in Peiting eindeutig. Natürlich gibt es auch Gegner des Vorhabens. Ich habe aber in vielen Gesprächen festgestellt, dass viele ihre Meinung geändert haben, wenn sie erfahren haben, warum sich die Gemeinde für den Baumarkt entschieden hat. Das gilt im Übrigen auch für viele Geschäftsleute.

Bauen, das dürfte überhaupt das Stichwort für das kommende Jahr in Peiting sein, oder?

Ja. Peiting schießt aus allen Rohren (lacht). Da sind zum einen die vielen kommunalen Projekte wie die Offene Ganztagsschule, unser Montagsauto der Krippenanbau, der neue Kindergarten. Vor Augen haben wir schon die Generalsanierung der Eishalle, da entscheidet sich Anfang des Jahres, ob wir die Förderung bekommen. Das Thema Barrierefreiheit wird uns weiter beschäftigen. Beim Rathausplatz, der ja immer wieder in der Kritik wegen seines Pflasters steht, sind wir schon mit der Städtebauförderung in Kontakt. Dazu kommen private Vorhaben wie das geplante Wohn- und Geschäftshaus an der Bahnhofstraße oder das neue Ärztehaus an der Poststraße, das 2021 bezogen und mit seiner Besucherfrequenz ganz wichtig für die Ortsmitte sein wird.

Viele Projekte bedeuten viele Ausgaben, die sinkenden Einnahmen wegen der Corona-Krise entgegenstehen dürften. Macht Ihnen das Sorgen?

„Wir haben eine Krise, aber keine Katastrophe“

Natürlich merken auch wir in Peiting die Folgen der Pandemie. Bei den Haushaltsplanungen für die nächsten drei Jahre sind die sinkenden Einnahmen bereits berücksichtigt. Dadurch, dass ich quasi eine schuldenfreie Gemeinde übernehmen durfte, macht mir das aber keine Sorge. Wir haben eine Krise, aber keine Katastrophe.

Was steht sonst noch auf Ihrer Agenda für 2021 ganz oben?

Mit ganz oben auf meiner Agenda steht die Umsetzung des von mir im Wahlkampf vorgeschlagenen Verkehrskonzept zum innerörtlichen Personentransport. Dazu habe ich Anfang Februar einen Termin mit der Verkehrsministerin, weil ich es gerne als Pilotprojekt in Peiting einführen will.

Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Es ist vergleichbar mit einem Rufbus, nur wollen wir als Gemeinde mehrere E-Autos als eine Art Shuttleservice betreiben. So lässt sich ein individueller Transportangebot schaffen, das im Idealfall auch kostenfrei für die Peitinger sein soll.

Klingt spannend. Wo wird sich 2021 sonst noch etwas tun?

Wir werden das Thema Leerstände im Ort angehen, auch das neue Gewerbegebiet an der Bergwerkstraße soll möglichst schnell umgesetzt werden genau wie die Sicherheitswacht, deren Einführung wir beschlossen haben.

Immer wieder Thema ist der innerörtliche Verkehr.

Wir haben ja kürzlich mit der Markierung der sogenannten Haifischzähne in den 30er-Zonen begonnen, um deutlicher auf die Rechts-vor-Links-Situationen hinzuweisen. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe, wir haben viele Anfragen von Bürgern, die das in ihrer Straße auch wollen. Im Frühjahr werden wir deshalb die restlichen Gebiete angehen. Genauer anschauen wollen wir uns auch noch mal die Situation an der Schongauer Straße/Obere Straße sowie der Meierstraße. Da gilt es, die Verkehrsbelastung im Auge zu behalten. Langfristig müssen wir das Thema Parkplätze im Ortszentrum angehen. Denn trotz weiterer Bemühungen um eine fahrradfreundlichere Kommune muss man realistisch bleiben, dass im ländlichen Raum weiter viele mit dem Auto in den Ort kommen werden.

Im Interview nach 100 Tagen im Amt haben Sie ein Ziel für sich selbst formuliert: Nämlich, dass die Peitinger sagen, der Ostenrieder ist unser Bürgermeister. Haben Sie das Gefühl, dass Sie das erreicht haben?

Das müssen natürlich die Peitinger beurteilen. Ich bin da recht zuversichtlich.

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