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Braumeister will mit Gratis-Bier Gutes tun: Feuerwehr lehnt Hopfen-Spende jedoch ab

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Feuerwehrauto mit zehn Kästen Bier und Menschen
Hier vor dem Schongauer Brauhaus wurde gestern Nachmittag feierlich der Gratis-Gerstensaft an die Feuerwehren Peiting und Birkland übergeben. Mit dabei sind (von links): Braumeister Stephan Albrecht, Peitinger Feuerwehrmann und Brauhaus-Mitarbeiter Dominik Basedow, Peter Ostenrieder, Birklands Kommandant Sepp Schelle und Markus Häringer (zweiter Vorsitzender des Peitinger Feuerwehr-Vereins). © bas

Zehn Kisten Bier, und keiner schreit hier: So geschehen in Schongau. Die Feuerwehr hat eine Bierspende des Schongauer Brauhauses dankend ausgeschlagen. Weil in Schongau fast ausschließlich Wasser getrunken wird, geht der Gratis-Gerstensaft jetzt nach Peiting. Eine kuriose Spenden-Geschichte.

Peiting/Schongau – Dass im Vereinsleben auch der gesellige Aspekt eine Rolle spielt und auch mal gemeinsam ein Bierchen getrunken wird, ist freilich kein Geheimnis. Umso erstaunlicher ist da die Geschichte von einer abgelehnten Bierspende in Schongau, die jetzt nach Peiting und Birkland gegangen ist.

Der Braumeister wollte der Feuerwehr Schongau etwas Gutes tun

Aber erst mal von vorne: Jung-Braumeister Stephan Albrecht vom Schongauer Brauhaus hat sich eine witzige Werbe-Aktion fürs eigens gebraute Bier einfallen lassen. Er will Kisten als Dankeschön für gemeinnützige Vereine spenden. Als erstes kommt ihm da die Schongauer Feuerwehr in den Sinn, denkt’s und schreibt der Wehr eine Mail – ganz in freudiger Erwartung einer feierlichen Übergabe mit warmen Worten.

Doch es soll anders kommen: Von der Feuerwehr kommt eine Mail zurück. Die bedankt sich zwar. Aber: Das kostenlose Bier, das will man im Feuerwehrhaus in Schongau nicht haben. Die Begründung: Für das Bier bräuchte man die entsprechenden Biertrinker. „Leider wird bei uns zu 95 Prozent antialkoholisch (in erster Linie Wasser) getrunken“, schreibt die Wehr. Die Feuerwehr sei somit leider der falsche Abnehmer. „Ich glaube, dass Sie bei der Stadtkapelle oder dem Trachtenverein deutlich bessere Abnahmeerfolge erzielen können“, heißt es weiter. Aha: Da sitzen sie also, die heimlichen Biertrinker!, könnte es einem beim Lesen in den Sinn kommen.

Peitings Bürgermeister will die ausgeschlagene Gersten-Spende aus Schongau heim holen

Albrecht ist erstaunt. „Ich hab’ mich schon gewundert“, erzählt er auf Anfrage der Schongauer Nachrichten. Die Verwunderung ist gar so groß, dass sie in der Fastenpredigt beim Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus zum Tragen kommt. Fastenprediger „Bruder Cengiz“ nimmt sich vor vollem Publikum frotzelnd der abgelehnten Bierspende an – und wird erhört. Im Publikum sitzt Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder.

Der denkt sich offenbar, dass die Bierkisten genau richtig wären für seine Feuerwehren in Peiting und Birkland – da scheint die Welt halt noch in Ordnung zu sein in der Marktgemeinde. „Ich hab’ gewusst: Die muss ich heimbringen“, erzählt er auf Anfrage der Schongauer Nachrichten wie von einem Sieges-Pokal.

Gesagt, getan. Der Gemeindechef, seines Zeichens aus aktuellem Anlass jetzt auch noch „Bier-Dealer“, rennt bei Braumeister Albrecht offene Türen ein. „Ich freu mich, wenn sich die Peitinger und die Birkländer Feuerwehren über mein Bier freuen“, erklärt der.

Und während sich die einen freuen und die anderen bewusst auf dem Trockenen sitzen, klärt Schongaus Feuerwehrkommandant Werner Berchtold nochmal gegenüber den SN auf, was die Hintergründe für den Bier-Verzicht sind. Berchtold will nach außen kein Bild einer ständig Bier trinkenden Wehr vermitteln, getreu dem Motto „die Feuerwehr löscht ja gern“. Bei 170 Einsätzen pro Jahr, bei denen nicht nur die Maschinisten gefordert sind, „können wir uns das nicht mehr erlauben. So ein Bild nach außen: Das geht nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert.“

Schongauer trinken lieber Spezi und Wasser

Hinzu komme die Tatsache, dass nach den Übungen bei der Schongauer Wehr tatsächlich vereinzelt mal ein Bier getrunken werde, die meisten Kameraden würden jedoch zu Spezi oder Wasser greifen, so Berchtold. Er betont: Bei der Hauptversammlung am gestrigen Freitagabend gibt es freilich schon ein gepflegtes Blondes, damit es nicht zu trocken wird.

Die Feuerwehren Birkland und Peiting hat’s gefreut: Sie haben sich gestern Nachmittag die Bier-Spende am Schongauer Brauhaus abgeholt – vorgefahren wurde selbstverständlich mit Feuerwehrautos. Mit von der Partie: Peitings „Bier-Dealer“ Nummer eins, Rathaus-Chef Peter Ostenrieder.

Bier und Feuerwehr geht in Peiting gut zusammen

Für ihn gehen übrigens Bier und Feuerwehr gut zusammen. „Wenn man mal nach einem schwierigen Einsatz oder auch nach einer anstrengenden Übung dabei sein darf, merkt man, wie wichtig die Gespräche, das Erleben der Gemeinschaft ist. Und dass da auch mal eine Halbe Bier getrunken wird, ist völlig in Ordnung.“

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