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Alles Flehen hilft nichts: Vorbestrafter 24-Jähriger muss drei Monate absitzen

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Justitia
Das Gericht sah einen besonders schweren Fall von Diebstahl. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Ein „besonders schwerer Fall von Diebstahl“ wurde kürzlich vor dem Amtsgericht Weilheim verhandelt. Obwohl die Beute gering war, war es die Ausführung der Tat, die den Angeklagten dennoch für drei Monate ins Gefängnis brachte.

Peiting – Ein besonders schwerer Fall von Diebstahl liegt dann vor, wenn „ der Täter zur Ausführung der Tat in ein Gebäude, einen Dienst- oder Geschäftsraum oder einen anderen umschlossenen Raum einbricht, einsteigt, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder sich in dem Raum verborgen hält“. So ist die Definition des entsprechenden Paragraphen 243 im Strafgesetzbuch. Und die traf genau zu für die Tat des Angeklagten (24), der vergangenes Jahr im Juli zusammen mit einem Kumpel in eine Fischerhütte in der Herzogsägmühle einbrach.

Die Täter versuchten es zuerst mit einem Schlüssel, den sie in einer anderen Hütte gefunden hatten, der aber nicht passte und stecken blieb. Dann hebelten sie kurzerhand die Tür aus den Angeln und konnten somit in die Hütte hinein.

Wer genau die Idee dazu hatte, konnte der Angeklagte nicht mehr sagen. Er wohnte damals auf Probe in der Herzogsägmühle und hatte, laut eigenen Abgaben, trotzdem „Angst vor einer Obdachlosigkeit“. Er interessierte sich daher für diverse Lampen, die in der Hütte waren, und für einen Gaskocher. Sein Kumpel, gegen den auch ein Strafverfahren läuft, habe zwei Wildtierkameras entdeckt und sie mitnehmen wollen, so der Angeklagte. „Ich habe versucht, ihm das auszureden, aber es nicht geschafft“, sagte er.

Ob seine Aussage so stimmte, wurde fraglich, nachdem die Vorsitzende des Fischereivereins, der die Hütte gehört, ihre Aussage machte. Zunächst bestätigte sie, dass lediglich ein paar Lampen entwendet worden waren. „Der Wert ist maximal 50 Euro“, sagte sie. Von einem Gaskocher wusste sie nichts, aber „ es könnte sein“. Zu den Kameras machte sie aber genaue Angaben.

Kameras haben Täter gefilmt

Die waren nämlich an der Hütte zur Überwachung angebracht. Bei einem Kontrollgang bemerkte die Frau den Einbruch und hörte sich erst einmal bei den verschiedenen Bewohnern der Einrichtung um. Schnell fiel der Name des Angeklagten, der anscheinend mit dem Diebstahl geprahlt hatte.

Als sie den jungen Mann dazu befragte, sei er sofort geständig gewesen. Die Beute wurde auch sofort zurückgegeben. Alle Bilder auf den Kameras wurden zwar gelöscht, aber man habe sie mit Hilfe einer speziellen Software wieder herstellen können, und auf einigen Fotos seien eindeutig die Täter zu sehen gewesen, so die Frau. Ein Sachschaden entstand nicht. Die Tür konnte einfach wieder eingehängt werden.

Dennoch blieb der Tatvorwurf bestehen. Bei seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung hatte der junge Mann einen Gefühlsausbruch. „Bitte schicken Sie mich nicht noch länger ins Gefängnis. Ich halte das nicht aus“, sagte er. Denn er sitzt wegen eines noch anstehenden weiteren Verfahrens derzeit in Untersuchungshaft im Gefängnis Stadlheim. Zweimal ist er schon vorbestraft. „Ich will gar keinen Mist bauen. Ich gerate immer nur an die falschen Leute, und dann ist es schon zu spät“, sagte er.

Das Gericht sah für ihn jedoch keine gute Sozialprognose und eine hohe Rückfallgeschwindigkeit. Schon einen Monat nach seiner Verurteilung wegen Körperverletzung, die auf Bewährung ausgesetzt war, beging er den Diebstahl. Die Vorsitzende Richterin Stefanie Rainer verhängte die für solche Fälle vorgesehene Mindeststrafe von drei Monaten Haft, die der junge Mann nun absitzen muss.

 REGINA WAHL-GEIGER

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