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Stolz zeigte sich Ehsan Montaseri (r.) bei der „Hall of Honour“-Ehrung neben Großmeister Samuel Kwok.

Ehrung für Peitinger Ehsan Montaseri

Der „Komak“-Star von nebenan

Multitasking ist Frauensache, heißt es. Doch auch unter Männern gibt es manchmal wahre „Multitalente“. Das beweist der Peitinger Ehsan Montaseri. Als berufstätiger Familienvater hilft er in seiner Freizeit nicht nur Flüchtlingen – sondern ist, ganz nebenbei, auch noch eine kleine Berühmtheit.

Peiting – Ehsan Montaseri ist zweifacher Familienvater, wohnt in Peiting und ist von Beruf Soldat. Nichts besonderes also. Doch: Hinter Ehsan Montaseri steckt noch so viel mehr. Zum Beispiel, dass er seit gut 20 Jahren „Krav Maga“, ein israelisches Selbstverteidigungskampfsystem, betreibt. Oder, dass er darin sogar vor Kurzem zu einer kleinen, weltweiten Berühmtheit aufstieg. Denn seit dem 21. September gehört Montaseri einem elitären Kreis innerhalb seiner „Kampfkunst-Zunft“ an: Er ist ein echter „Hall of Famer“. Und „Schwarzgut des Jahres 2019“ noch obendrauf.

„Hall of“ was? „Schwarzgut“ wer? Zugegeben, den Nicht-Kampfsportbegeisterten dürften diese Bezeichnungen wenig sagen. „Das sind ganz einfach Ehrentittel“, erklärt da der Meister selbst, und gibt anschließend zu: „Ich gebe aber selbst nicht allzu viel darauf.“

Dabei ist das, was Montaseri da an jenem 21. September ereilte, nicht so nebensächlich, wie er es selbst darstellt. Es ist viel mehr etwas ganz Besonderes. Denn nur wenige werden weltweit für ihre Verdienste rund um den Kampfsport in die Krav Maga-„Hall of Fame“, auch „Hall of Honour“ genannt, aufgenommen. Und noch weniger dürfen sich aufgrund ihres bedingungslosen Einsatzes für Andere, fernab der Krav Maga-Bühne, auch noch „Schwarzgurt des Jahres“ nennen.

Wie gelang es nun diesem „einfachen“ Familienvater aus Peiting, in eben solche Sphären aufzusteigen?

„Indem ich mein eigenes Krav Maga-System entwickelt habe“, berichtet Montaseri. Das alleine bringe aber noch keine Auszeichnung ein. Das System müsse schon etwas Besonderes sein. Und dann auch noch im Vorfeld von einer renommierten, internationalen Jury anerkannt werden, um überhaupt als eigenständiges System zu gelten.

Konzentriert ist der Peitinger dagegen, wenn er seinen Schülern die „Komak“-Kunst näherbringt.

„Wie bei Olympia“, sei das. Auch dort müssten schließlich neue Sportarten erst dem Olympischen Komitee vorgetragen werden, um anschließend ins Wettkampfprogramm zu gelangen. Nur „ein bisschen spiritueller“ sei dieser Vorgang in der Krav Maga-Szene, wie Montaseri schmunzelnd erläutert.

Was macht seinen Montaseri-Kampfstil, den er übrigens „Komak“ nennt, aber nun anerkennenswert? „Das Biofeedback.“

Schon wieder so ein Fachbegriff. „Den habe ich aber nicht selbst erfunden“, lacht der Peitinger. Und auch wenn der Name kompliziert klingen mag, sei die Materie dahinter eine einfache, wie er beschwichtigt. Seine Schüler sollen lernen, das „Feedback“, die Rückmeldung des menschlichen Körpers auf bestimmte äußere Reize, im Ernstfall zu kontrollieren. Und für eine effektive Selbstverteidigung einzusetzen. Dabei ist das „Biofeedback“ vor allem Eines: stressresistent.

Laut Montaseri bringe nämlich selbst die beste Selbstverteidigungs-Technik nichts, wenn man sie nicht unter Stress abrufen könne. Bezwecken will der „Schwarzgurt des Jahres“ mit seinem Programm, das er in Peiting lehrt, aber nicht nur, dass sich seine Schüler selbst gut verteidigen können. „Sie sollen zudem auch anderen in Not helfen“, beschreibt er. Daher auch der Name „Komak“. „Das heißt auf Persisch nämlich ,Hilfe’.“ Und die sollte nach Ansicht von Montaseri immer angewendet werden, weil „helfen ist keine Strafttat.“

Zuschlagen, auch wenn man sich nur selbstverteidigt, dagegen in manchen Fällen schon. Genau über diese unterhält sich Montaseri mit seinen Schützlingen: Wann werde ich rechtlich gesehen angegriffen? Wie darf ich mich im Ernstfall zur Wehr setzen, ohne mich dabei selbst strafbar zu machen? Genau das sind für Montaseri nämlich die „wichtigsten Faktoren“ der Selbstverteidigung. Nicht etwa eine spezielle Schlagtechnik. Auf die käme es in seinem „Komak“-System nur nebensächlich an. „Das sind höchstens zehn Prozent“, schätzt er. Der Rest ist Kopfsache.

Einen kühlen Kopf – den bewahrt Ehsan Montaseri auch stets abseits von der „Krav Maga“-Bühne. Das ist auch notwendig, denn neben Beruf, Familie und „Komak“ hat der Peitinger noch so Einiges mehr unter einen Hut zu bringen. So schreibt er auch Bücher, engagiert sich in der Hilfsorganisation „Weißer Ring“ – und gibt, ganz nebenbei, Flüchtlingen Erste-Hilfe-Kurse. Alles in seiner Freizeit. Unentgeltlich. „Da mach’ ich aber kein großes Ding draus“, gibt sich der „Hall of Famer“ bescheiden. Für ihn ist es einfach wichtig, im Leben „Schwerpunkte zu setzen“. Auch deswegen wird der Peitinger, im Gegensatz zu vielen weiteren „Hall of Honour“-Kollegen, nicht dem Ruf nach Hollywood folgen. „Das ist nichts für mich“, lacht Ehsan Montaseri. „Ich will auf dem jetzigen Weg bleiben.“

VON MAX EDINGER

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