Beim „Christkindlwiaga“ im Jahr 2010 lag zu Weihnachten noch reichlich Schnee, wie auf dem Archivbild zu sehen ist. Heuer muss es Corona-bedingt abgesagt werden.
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Beim „Christkindlwiaga“ im Jahr 2010 lag zu Weihnachten noch reichlich Schnee, wie auf dem Archivbild zu sehen ist. Heuer muss es Corona-bedingt abgesagt werden.

Absage aufgrund der Corona-Beschränkungen – Ein auch in der Literatur geschilderter jahrhundertealter Brauch

Erstmals seit Menschengedenken kein „Christkindlwiaga“

Erstmals seit Menschengedenken muss in diesem Jahr der in Bayern wohl einmalige Brauch des „Kindelwiegens“ in der Marktgemeinde abgesagt werden.

Peiting – „Wir bedauern es alle sehr“, so Pastoralreferent Thomas Tralmer, „dass unsere ,Christkindlwiaga’ nicht wie üblich zwischen Stephani und Silvester in alle Häuser singend die Botschaft des Mensch gewordenen göttlichen Kindes bringen können“.

Lange habe man nach einer gangbaren Lösung gesucht, doch der Lockdown wegen der Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. Lediglich das Barockkindl, das durch die Jahrhunderte hindurch viel mitmachen musste – unzählige Schneeballschlachten der Lausbuben Gottes und so manche Fahrt auf Peitnach und Lech – ist am linken Seitenaltar der Pfarrkirche St. Michael aufgestellt.

„Es stimmt einen schon traurig, aber was will man machen in dieser Situation“, bedauert Xaver Barnsteiner, der an Silvester 92 Jahre alt wird. Als ehemaliger Oberministrant von Maria Egg kann er sich noch gut daran erinnern, dass „wir selbst in den Kriegsjahren an dem Brauch festhielten“. Barnsteiner bezeichnet Corona als die „Pest der heutigen Zeit“.

In dieser Zeit liege aber auch eine Chance: „Wir können innehalten, das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen“, empfiehlt die aus Peiting stammende Missionsschwester Paula Straub. In den stillen Stunden der jetzt wirklich „staaden Zeit“ bleibe auch die Muse, ein gutes Buch zu lesen. Etwa wie in der „Alpenländischen Weihnacht“ die Dichterin Therese Bauer-Peißenberg (1893–1968) eindrucksvoll das Christkindltragen schildert, wie sie es in der heimeligen Stube vom Angerbauern erlebte. „Mit einem ,Gelobt sei Jesus Christus’ treten sie ein und singen ein alt überliefertes Lied. Es ist immer wieder ergreifend, wenn sie die weihnachtliche Botschaft überbringen und das jüngste Kind im Haus die Wiege mit dem Jesulein bewegen darf.“

Damals war Peiting noch das größte Dorf Oberbayerns. Auch in der neueren Literatur darf der Hinweis auf diesen einzigartigen Brauch nicht fehlen: So im 2003 im Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg/Beuroner Kunstverlag erschienenen „Das neue Krippenlexikon“.

Gerhard Bogner beschreibt darin den seit dem 12. Jahrhundert vor allem in Klöstern am zweiten Weihnachtstag üblichen Brauch des „Kindleinwiegens“. Die geistlichen Frauen auf dem Nonnberg in Salzburg sollen schon im 10. Jahrhundert das Kindlwiegen mit Gesängen geübt haben.

So weit gehen in Peiting die Forschungen nicht zurück, aber dort hat sich der Brauch bis heute gehalten. Aufgrund seiner Einzigartigkeit wurde das „Christkindlwiaga“ in dem im Verlag Plenk in Berchtesgaden 2015 erschienenen Pfaffenwinkelbuch „Ein Hauch vom Paradies“ von Manfred Amann und Hubert Mayer entsprechend gewürdigt.

So bleibt nur zu hoffen, dass die darin beschriebenen Feste im Jahreskreis nach Überwindung der Pandemie wieder gemeinsam gefeiert werden können.

GERHARD HEISS

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