Antonia und Katja (v.l.) haben sichtlich Spaß beim Umverpacken der Corona-Selbsttests. Alle Arbeitsplätze in der Herzogsägmühler Werkstatt sind wegen des Infektionsschutzes durch eine Glasscheibe voneinander getrennt.
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Antonia und Katja (v.l.) haben sichtlich Spaß beim Umverpacken der Corona-Selbsttests. Alle Arbeitsplätze in der Herzogsägmühler Werkstatt sind wegen des Infektionsschutzes durch eine Glasscheibe voneinander getrennt.

In den Herzogsägmühler Werkstätten werden Corona-Tests für Hirschvogel und Hoerbiger umverpackt

„Es ist ein schönes Gefühl, dass wir helfen können“

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Seit Kurzem müssen Betriebe ihren Mitarbeitern Corona-Tests anbieten. Um die logistische Herausforderung zu stemmen, greifen mit Hoerbiger und Hirschvogel zwei große Unternehmen aus der Region auf die Hilfe der Herzogsägmühler Werkstätten zurück.

Herzogsägmühle - Schon seit Jahren zählen die beiden Automobilzulieferer zu den Stammkunden in Herzogsägmühle. In den Werkstätten werden verschiedenste Montagearbeiten für die Firmen erledigt. Neben den Serienaufträgen komme es immer mal wieder vor, dass man Anfragen für besondere Aufträge von den Unternehmen bekomme, sagt Roland Bumeder, technischer Leiter der Herzogsägmühler Werkstätten.

Genau um eine solche handelte es sich, die Ende März aus der Denklinger Firmenzentrale von Hirschvogel auf Bumeders Tisch landete. „Das Unternehmen hat schnellstmöglich jemanden gesucht, der Corona-Selbsttests umverpacken kann“, erzählt der technische Leiter.

Klar, dass man im Diakoniedorf den Stammkunden nicht hängen lassen wollte. Schon am Tag nach der Anfrage machten sich die Mitarbeiter der Werkstätten an die Arbeit. Zwischen fünf und sechs Beschäftigte packen seitdem aus den angelieferten Großgebinden jeweils zwei Selbsttests in einen Druckverschlussbeutel um. Diese gehen anschließend an die Hirschvogel-Werke, wo sie an die Mitarbeiter verteilt werden. Rund 3000 Tests würden pro Woche auf diese Weise umverpackt, sagt Bumeder. Anfänglich belief sich der Auftrag des Unternehmens auf 35 000 Stück, mittlerweile seien weitere 40 000 Tests hinzugekommen.

Kurz vor Hirschvogel war schon Hoerbiger mit dem gleichen Anliegen in Herzogsägmühle vorstellig geworden. Das Auftragsvolumen umfasse 12 000 Tests, die in einzeln neu verpackt würden, so Bumeder. „Es ist natürlich ein schönes Gefühl, dass wir hier helfen können.“

Weil die Testpflicht gerade erst angelaufen ist, hält es der technische Leiter durchaus für möglich, dass demnächst weitere Anfragen von anderen Unternehmen in den Herzogsägmühler Werkstätten eingehen. Ob man sie allerdings erfüllen könne, müsse man sehen, sagt Bumeder. Denn trotz Pandemie könne man sich aktuell vor Arbeit nicht retten, zuletzt habe man einen Auftrag sogar abkündigen müssen. Das liege zum einen daran, dass man breit aufgestellt sei, was die Kunden angehe. Zum anderen habe die Corona-Krise dazu geführt, dass manch Unternehmen die Produktion aus dem Ausland zurück nach Deutschland hole.

Anders als in der ersten Corona-Welle vor einem Jahr gebe es zudem derzeit kein Betretungsverbot für die Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten, so Bumeder. „Wir sind zu 90 Prozent auf Vollbetrieb.“ Insgesamt arbeiten in den verschiedenen Bereichen der Herzogsägmühler Werkstätten 500 Menschen mit Behinderung oder einer seelischen Erkrankung.

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