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Gemeinsamer Gottesdienst zum Reformationstag: Die katholischen Geistlichen Pater Petrus-Adrian (Steingaden; l.) und Robert Kröpfl (Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg; r.) rahmen Prädikant Florian Mühlegger (2.v.l.) und Pfarrer Dirk Wollenweber von der evangelischen Kirchengemeinde Peiting-Herzogsägmühle ein. 

Evangelische und Katholiken feiern beim Festgottesdienst gemeinsam

„500 Jahre Reformation“ in Peiting

Was einst die Kirche entzweite, nämlich die Thesen, die Martin Luther an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug, ist kein Trennungsgrund mehr. Zusammen mit den katholischen Gemeinden Steingaden und Peiting feierte am Dienstag die evangelische Gemeinde Peiting den Festgottesdienst „500 Jahre Reformation“.

Peiting – „Von Luther habe ich langsam genug! Man könnte meinen, wir feiern ein Lutherfest“, so Prädikant Florian Mühlegger in seiner Ansprache in der evangelischen Christuskirche in Peiting. Es ginge aber darum, ins Gespräch zu kommen und die Bibel auch kritisch zu lesen. „Glaube wurde viel zu oft instrumentalisiert“, erklärte Mühlegger, wie auch das Martin-Luther-Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“, das einst als Kampflied gegen Katholiken und später gegen Feinde Deutschlands inszeniert wurde. „Es geht um Christus, der für uns eintritt“, betonte Mühlegger.

„Nicht das, was uns trennt, zu betonen, sondern das wertzuschätzen, was wir gemeinsam haben“, ist laut dem evangelischen Pfarrer Dirk Wollenweber die Aufgabe der Konfessionen – und das nicht nur im Luther-Jahr. Bereits 1990 hatten die beiden großen Kirchen eine gemeinsame ökumenische Erklärung abgegeben.

Luther habe versucht, zwischen der kirchlichen und politischen Gemeinde zu trennen, so Wollenweber. „Er wollte ein mündiges Volk von Menschen, die aufgrund ihres Glaubens Entscheidungen treffen.“ Die Leistung Luthers, die Bibel in verständliche Sprache zu übersetzen und die allgemeine Bildung bezüglich Lesen und Schreiben zu fördern, sei deshalb nur folgerichtig gewesen.

„Mach Dir Gedanken“, sei die zentrale Botschaft der Reformation, sagte Wollenweber. „In der Schrift sollt ihr Christus erkennen und euer Christsein überprüfen“, sei das Anliegen Luthers gewesen. Auch, wenn es kleine, aber feine Unterschiede zwischen den Konfessionen gebe – wie das Glockengeläut, das nur in der evangelischen Kirche während des gemeinsamen Vaterunsers ertönt –, gebe es doch ein großes gemeinsames Ziel. „Wir stehen für eine versöhnte Welt ein, in der Frieden und Vergebung wieder Praxis sind und gelebt werden“, so Wollenweber, und das zwischen Nationen ebenso wie zwischen Konfessionen und im täglichen Miteinander.

Lediglich auf ein gemeinsames Abendmahl wurde in diesem ökumenischen Gottesdienst verzichtet. Dazu existieren immer noch zu unterschiedliche Auffassungen.

„Wir haben aber trotz des unterschiedlichen Sakrament-Verständnisses vieles, was uns vereint“, sagte der katholische Pfarrer Robert Kröpfl. Zum Beispiel das Vaterunser, das in gleicher Sprache miteinander gebetet wird, wie Pater Petrus-Adrian ergänzte.

Musikalisch feierlich umrahmt wurde der Gottesdienst, bei dem die Christuskirche bis auf den letzten Platz besetzt war, vom Kirchenchor Steingaden unter der Leitung von Caspar Berlinger. Und noch eine frohe Botschaft konnte Pfarrer Wollenweber zum Abschluss des Gottesdienstes, der mit Kaffee und Schnittchen einen geselligen Ausklang fand, verkünden: Das Highlight der evangelischen Kirchengemeinden Peiting und Schongau zum Lutherjahr, nämlich die Veranstaltung „Luther in Häppchen“ am Freitag, 10. November, im Ballenhaus, ist bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Ursula Fröhlich

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