+
Voller Einsatz: Florian Winkler meldete sich beim Wintereinbruch als Freiwilliger zum Schneeräumen – und schreckte dabei auch nicht vor luftigen Einsätzen zurück.

Selbstloses Engagement

„Mir macht das Schneeräumen einfach Spaß“

  • schließen

Es ist eine Geschichte, die in den winterlichen Chaostagen das Herz erwärmt: Gemeinsam mit zwei Freunden hat Florian Winkler aus Schongau für hilfesuchende Peitinger von früh bis spät Schnee geräumt – aus Spaß an der Freude. Im Internet wird das selbstlose Engagement gefeiert.

Peiting – Mit Schnee kennt sich Florian Winkler bestens aus. Nicht nur weil der 27-Jährige in Oberammergau aufgewachsen ist, wo es bekanntlich im Winter meist deutlich mehr schneit als hierzulande. Winkler ist als leidenschaftlicher Skilangläufer – er gewann bereits mehrere Medaillen bei den Special Olympics – in jeder freien Minute in der Loipe unterwegs. Und Winkler hat noch ein weiteres Faible: Er schaufelt gern Schnee. Als es am vorvergangenen Wochenende vom Himmel zu rieseln beginnt, greift der 27-Jährige sofort begeistert zur Schaufel übernahm den Winterdienst vor dem Mehrfamilienhaus in Schongau, wo er seit seinem Umzug von Peiting 2012 wohnt. „Bei uns wohnen einige ältere Leute, für die hab’ ich das gern gemacht.“

Doch damit nicht genug: Weil Winkler gerade viel Freizeit hat – einen neuen Job wird er erst im Februar antreten – bietet der junge Mann in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Peiting, wenn...“ seine Hilfe beim Schneeräumen an. Am Mittwoch ist die Resonanz noch verhalten, doch das ändert sich am Donnerstag, als die Marktgemeinde wie alle Kommunen im Schongauer Land im Schnee versinkt.

Fast pausenlos gehen Nachrichten auf dem Handy von Winkler ein. Nachdem er zuerst sein eigenes Wohnhaus freigeräumt hat, macht sich der Schongauer gegen 6 Uhr auf nach Peiting. Er ist nicht allein. Seine beiden Freunde Fabian Schroth und Niklas Merz, die in der Marktgemeinde leben, schließen sich ihm sofort an, als sie von Winklers Idee erfahren. Es wird ein langer Tag für die drei Retter in der Not. Mittags muss Winkler Anfragen vertrösten. „Komplett ausgebucht“ sei man. Rund zehn Anwesen befreit das Team mit Schaufeln bewaffnet ohne Unterlass vom Schnee. Selbst in der Dunkelheit schieben die Drei unermüdlich weiter, befreien Hofeinfahrten und sogar Dächer von den weißen Massen, die herniederfallen. Erst um 23 Uhr ist Schluss – aber nur kurz.

Schon früh am Freitagmorgen setzen Winkler und seine Freunde die Arbeit fort. Wieder wird geschippt, was die Arme hergeben. Vor allem ältere Peitinger, die sich schwer tun mit der Menge an Schnee, sind unter den Hilfesuchenden, aber auch bei Firmen helfen die freiwilligen Schaufler aus. Die Dankbarkeit ist groß. „Die haben sich alle total gefreut“, sagt Winkler. Auch im Internet wird das selbstlose Engagement gefeiert. „Also ich muss das jetzt mal los werden, deine Aktion und Einsatz super, Respekt und ganz großes Lob dass du so vielen den ganzen Tag hilfst – bzw. ihr, ihr seid ja zu dritt, wie ich gelesen habe. Da werden euch viele dankbar für gewesen sein“, kommentiert Facebook-Nutzerin Sandra Rohde. „Voll die liebe Idee von Dir! Klasse!“, schreibt Anne Genath unter Winklers Beitrag. Am Ende sammeln sich 89 Kommentare, über 33 Mitglieder der Gruppe klicken auf „Gefällt mir“.

Um 20 Uhr macht das Team am Freitag Feierabend, ehe es am Samstag um 9.30 Uhr zurück auf die Peitinger Straßen geht. Das Schneetreiben hat nachgelassen, doch Arbeit finden die Helfer immer noch genug. Etwa am Hauptplatz, wo Heidrun Rödig verzweifelt jemanden sucht, der ihren völlig von Schneebergen umgebenen Ford Transit freiräumt – „Ich schaffe es aus gesundheitlichen Gründen nicht, ihn alleine auszugraben.“ Mit Hilfe von Winkler und Kumpel Niklas Merz ist der Wagen schnell wieder bereit zum Losfahren.

Manche, denen Winkler und seine Freunde helfen, bedanken sich mit ein paar Euro, doch das sei eigentlich gar nicht nötig gewesen, sagt Winkler bescheiden. „Mir macht das Schneeräumen ja einfach Spaß.“ Das Geld investieren die hungrigen Männer in die Brotzeit.

Auch am Samstag endet der Arbeitstag erst um 18 Uhr. Tags darauf setzt der Regen ein, Winklers Schneeräumdienste werden vorerst nicht mehr gebraucht. Erst jetzt merkt der 27-Jährige so langsam, wie anstrengend die vergangenen Tage gewesen waren. „Ich war völlig kaputt.“ Doch schon am Montag sprüht der 27-Jährige schon wieder vor Tatendrang. „Schade, dass es nichts mehr zu räumen gibt“, bedauert er. Doch so viel ist gewiss: Der nächste Schnee kommt bestimmt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lech in den Mittelpunkt der Stadt rücken
Ein Beachvolleyballplatz für Jugendliche, eine bessere Anbindung des Bahnhofes, ein Bike & Ride-Hostel für Rucksacktouristen in der alten Köhlervilla – so vielfältig wie …
Lech in den Mittelpunkt der Stadt rücken
MVV-Beitritt: Landrätin fordert Geduld
Der Großraum München wird aktuellen Prognosen zufolge bis 2035 um bis zu 300 000 Einwohner wachsen. Das stellt auch den Landkreis Weilheim-Schongau vor Probleme. Im …
MVV-Beitritt: Landrätin fordert Geduld
Fataler Fehler: Münchner fährt mit Porsche auf Langlauf-Loipe - das steckt dahinter
Da staunten die Wintersportler auf der Loipe in Burggen nicht schlecht: Plötzlich stand ein Porsche mitten im Schnee. Der Fahrer hatte einen fatalen Fehler gemacht.
Fataler Fehler: Münchner fährt mit Porsche auf Langlauf-Loipe - das steckt dahinter
Bekannter Maler stirbt einsam - erst Tage später findet ihn die Polizei
Der Schongauer Kunstmaler Alfons Ettenhuber war ein Genie. Er hat große Meister wie Rembrandt, Dürer und Degas kopiert und seine Werke auf Ausstellungen gezeigt. Jetzt …
Bekannter Maler stirbt einsam - erst Tage später findet ihn die Polizei

Kommentare