Die Villa Rustica: Gelb markiert ist die 2,5 Hektar große Fläche, welche die Marktgemeinde erwerben will. Das rot markierte Grundstück mit dem Schutzhaus ist bereits im Besitz des Fördervereins.

Gemeinde Peiting kauft Villa Rustica-Gelände

150 000 Euro für 2,5 Hektar Denkmal

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Die Villa Rustica ist ein historisches Baudenkmal, das seinesgleichen sucht in der Region. Um die archäologischen Schätze zu bewahren, bemüht sich der Markt Peiting seit einem Jahr um den Kauf der Flächen rund um das Schutzhaus. Jetzt hat der Gemeinderat sein Okay gegeben – wenn auch mit „Bauchschmerzen“.

Peiting – Rückblick: Im März 2016 hatte die Gemeinde erfahren, dass das Staatliche Bauamt das 2,5 Hektar große Grundstück rund um das freigelegte Badehaus an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Deutschland zur Vermarktung abgeben müsse. Das Gelände war bis dahin an den Förderverein Villa Rustica verpachtet, dem selbst einzig das Grundstück mit dem Schutzhaus gehört.

Nicht nur bei der Gemeinde, sondern auch beim Verein, dessen Mitglieder sich seit 1992 in aufopferungsvoller ehrenamtlicher Arbeit und viel finanziellem Engagement um das historische Kulturgut kümmern, schrillten die Alarmglocken. Man kam schnell überein, dass die Gemeinde sich um den Kauf des Grundstücks bemühen sollte. Schließlich schlummern unter der Erde noch rund 90 Prozent der riesigen Villenanlage aus der Römer-Zeit. Damals war man zuversichtlich, dass man die Fläche zu einem günstigen Preis erwerben könne. Denn sowohl durch das Bodendenkmal selbst als auch die quer durch das Gelände verlaufende Gasleitung sei das Grundstück wirtschaftlich wenn überhaupt nur eingeschränkt nutzbar.

Doch beim neuen Eigentümer in Bonn war man offensichtlich anderer Ansicht, wie Kämmerer Christian Hollrieder, der die Kaufverhandlungen führte, am Dienstag in der Gemeinderatssitzung mitteilen musste. Der von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben eingesetzte landwirtschaftliche Gutachterdienst habe den Verkehrswert auf sechs Euro pro Quadratmeter festgesetzt, was einem Kaufpreis von rund 150 000 Euro entspreche – sechs Mal so viel, wie die Gemeinde selbst als angemessen erachte. Alle Bemühungen, diesen zu senken, seien erfolglos geblieben, sagte Hollrieder. „Die sagen, dass das Gelände ja nicht nur einen landwirtschaftlichen, sondern auch einen touristischen Wert hat.“ Leider sei auch ein Zuschuss durch das Denkmalamt nicht möglich, weil es um ein Geschäft zwischen Kommune und Behörde gehe, so der Kämmerer.

Im Gremium zeigte man sich ob dieser Entwicklung verärgert. „Da sieht man mal, wie bei der öffentlichen Hand miteinander umgegangen wird“, wetterte Bürgermeister Michael Asam, der auch das Landesamt für Denkmalpflege kritisierte. In Bernbeuren werde ein „Aufriss ohne Ende“ gemacht, um einen Stadel zu erhalten, während man hier ein einzigartiges Bodendenkmal habe. „Wenn man das im Vergleich sieht, ist es einfach lächerlich, was der Denkmalschutz hier macht.“

Auch die Räte sparten nicht mit drastischen Worten. Norbert Merk (CSU) fand die Stellungnahme der Bundesanstalt „an Peinlichkeit nicht zu überbieten“. Michael Deibler (CSU) kritisierte, es sei beschämend, wie mit Bürgerengagement umgegangen werde. Von „Willkür“ sprach Franz Seidel (BVP), der gleichsam feststellte: „Wenn man als Vertragspartner so behandelt wird, dann müsste man sich eigentlich zurückziehen.“

Was also tun? Der Option, auf politischem Wege etwas zu erreichen, räumte Asam wenig Chancen ein. Und auch darauf zu spekulieren, dass sich zum aufgerufenen Preis kein privater Käufer findet, sei risikoreich. Angesichts des knappen Guts Boden könne es durchaus sein, dass jemand ein Angebot abgebe, sagte der Bürgermeister. Ein Vorkaufsrecht der Gemeinde bestünde in diesem Fall nicht. Die Sorge teilte auch Andreas Barnsteiner (BVP). Aus landwirtschaftlicher Sicht seien sechs Euro pro Quadratmeter zwar „total übertrieben“. Für Betreiber von Biogasanlagen könnte die Fläche aber sehr wohl interessant sein, warnte der Landwirt.

Das Risiko, im schlimmsten Fall die historisch wertvolle Fläche an einen privaten Investor zu verlieren, wollte keiner der Gemeinderäte eingehen. Alle sprachen sich für einen Kauf durch die Gemeinde aus – wenn auch mit „Bauchschmerzen“ angesichts des hohen Preises, wie nicht nur Peter Ostenrieder (CSU) feststellte. Der könnte vielleicht am Ende des Tages doch noch sinken. Deibler regte an, zu prüfen, ob nicht der Verein als Käufer auftreten könne und so doch noch eine Förderung möglich sei. „Das werden wir auf jeden Fall tun“, versprach Asam.

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