In Peiting setzt man auf Lüftungsanlagen statt auf mobile Luftreinigungsgeräte.
+
In Peiting setzt man auf Lüftungsanlagen statt auf mobile Luftreinigungsgeräte.

72 Räume werden ausgerüstet

Gemeinde Peiting setzt auf Lüftungsanlagen statt Luftreiniger in Schulen und Kitas - doch es gibt einen Haken

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
    schließen

Die Debatte um die Luftreiniger für Schulen und Kindergärten hat am Dienstag auch den Peitinger Gemeinderat erreicht. Statt wie der Landkreis auf mobile Geräte zu setzen, entschied sich das Gremium für eine teurere Lösung. Mit einer Umsetzung bis zum neuen Schuljahr wird es aber nichts.

Peiting – Gleich eine ganze Batterie an unterschiedlichen Luftreinigungsgeräten hatte das Landratsamt jüngst zur Kreistagssitzung herbeigeschafft, damit sich die Kreisräte selbst ein Bild machen konnten. Solch einen Aufwand betrieb die Peitinger Verwaltung am Dienstag nicht, doch der war laut Bürgermeister Peter Ostenrieder auch nicht nötig. Zum einen seien unter den Peitinger Gemeinderäten viele Kreisräte, zum anderen sei über das Thema genug bekannt, um direkt in die Debatte einsteigen zu können.

Dazu hatte die Verwaltung drei Alternativen für das weitere Vorgehen erarbeitet. Die erste war, es beim Status quo zu belassen. Doch auch wenn es Gutachten gebe, die den Sinn der Luftreinigungsgeräte bezweifeln würden, sei nichts zu machen keine Option, befand Ostenrieder.

Bei Lüftungsanlagen kann auf Lüften verzichtet werden

Das führte zur zweiten Alternative. Die sah vor, dass eine Fachfirma die Räume der Schulen und Kindergärten untersucht und man all’ jene mit Raumluftfiltergeräten ausstattet, die schlecht oder gar nicht zu lüften sind. Damit würde man sich dem Vorgehen des Landkreises anschließen, sagte Ostenrieder. Allerdings konnte der Rathauschef das Ergebnis gleich vorwegnehmen. „Dabei würde herauskommen, dass wir nichts machen müssten, weil wir keine Räume haben, die in diese Kategorie fallen.“ Das Problem aus Sicht des Bürgermeisters: Die Diskussion, ob die Gemeinde gefordert sei, etwas zu tun, wäre damit nicht beendet.

So blieb aus Sicht des Rathauschefes nur Variante drei übrig, nämlich der Einbau von dezentralen Lüftungsanlagen in allen Klassen- und Gruppenräumen. Diese hätten den entscheidenden Vorteil, dass sie im Gegensatz zu mobilen Geräten die Luft nicht nur umwälzen, sondern austauschen würden. Dadurch entfiele das Lüften, sagte Kämmerer Christian Hollrieder. „Das wäre die nachhaltigste Lösung.“

Anlagen kosten zwischn 30.000 und 35.000 Euro

Freilich aber auch die teuerste. Die Kosten lägen zwischen 30 000 und 35 000 Euro pro Anlage, rechnete Hollrieder vor. Bei 72 Räumen in den beiden Grundschulen, sowie den gemeindlichen Kitas inklusive des Forsthauses komme man damit auf eine Gesamtsumme von mindestens 2,1 Millionen Euro. Außen vor bliebe die Mittelschule, die bereits über eine derartige Anlage verfüge. Zum Vergleich: Ein mobiles Luftreinigungsgerät schlägt laut Hollrieder mit rund 4000 Euro zu Buche, maximal 1750 Euro davon übernimmt der Freistaat. Allerdings gebe es seit Kurzem auch ein Förderprogramm für dezentrale Anlagen, wies der Kämmerer hin. 80 Prozent der Gesamtsumme könnten dadurch an die Gemeinde zurückfließen.

Angesichts der Vorteile war für Ostenrieder der Fall klar. „Wenn wir schon Geld in die Hand nehmen, dann so, dass wir für die nächsten Jahre gerüstet sind.“

Räte ärgern sich über Staatsregierung

Das sah auch die Mehrheit der Gemeinderäte so. Hermann Mödl (BVP) sprach von der „besten Lösung“, auch abseits von Corona. Zwar seien auch die dezentralen Anlagen keine Garantie, dass es erneut zu Wechselunterricht kommen kann, sagte Christian Lory (Unabhängige), Die rund 350 000 Euro, die die Installation die Gemeinde koste, „muss es uns wert sein“.

Kein gutes Zeugnis stellten er und Günter Franz (Grüne) der bayerischen Staatsregierung aus. Diese habe die Kommunen bei dem Thema im Regen, wenn nicht gar im Hagel, stehen lassen.

Gar von „fachlichem Unfug“ der Staatsregierung sprach Norbert Merk (CSU), und er machte klar, was er von der ganzen Diskussion hielt. Man gebe dem politischen Druck nach, obwohl es keinen nachweisbaren Nutzen gebe, polterte er. „Lüften reicht völlig. Ich würde gar nichts machen.“

Hin- und hergerissen zeigte sich auch Franz Seidel (BVP). Wenn man nur Räume habe, die gut zu lüften seien, stelle sich ihm schon die Frage, ob man unbedingt etwas machen müsse. Anderseits sei es politisch schwer vermittelbar, nichts zu tun. Wenn, sei auch er für die große Lösung.

Einbau frühestens im kommenden Jahr

Blieb am Ende die Frage nach dem Zeitplan. Da der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden müsse und man Handwerker brauche, „werden wir es bis zum Schuljahresbeginn nicht schaffen“, machte Ostenrieder klar. „Unser Ziel muss es sein, es im nächsten Jahr umzusetzen.“ Gegen drei Stimmen segnete der Gemeinderat das Vorgehen ab.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare