Solche Balkon-Kraftwerke sollen auch in Peiting bald vermehrt grünen Strom liefern.
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Solche Balkon-Kraftwerke sollen auch in Peiting bald vermehrt grünen Strom liefern. 12 000 Euro für 100 Anlagen

Auf Antrag der Grünen

Gemeinde Peiting zahlt Zuschuss für Balkon-Kraftwerke

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Die Energiewende auch im Kleinen vorantreiben, das geht mit sogenannten „Balkon-Kraftwerken“. Auf Antrag der Grünen hat der Peitinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, ein Förderprogramm für Mini-Solar-Anlagen aufzulegen.

Peiting – Günter Franz redete nicht lange um den heißen Brei herum. Die Energiefrage werde von Tag zu Tag dringlicher. Man habe keine Zeit, alles auf die lange Bank zu schieben, redete sich der Grünen-Sprecher mit Blick auf die aktuelle Krise in Fahrt. Die beantragte Fördermaßnahme müsse daher unverzüglich umgesetzt werden. „Zeigen wir, dass es auch uns in Peiting wirklich ernst ist mit dem Bemühen um eine sichere und klimafreundliche Politik.“

Der Antrag der Grünen, um den es in der jüngsten Gemeinderatssitzung ging, drehte sich um sogenannte „Balkon-Kraftwerke“. Dabei handelt es sich um eine Solar-Anlage im Mini-Format, die den Vorteil hat, dass man kein großes Dach oder eine freie Wiese braucht, um Sonnenstrom zu erzeugen. Sie besteht aus bis zu zwei Photovoltaik-Modulen mit einer Maximalleistung von 600 Watt und einem Wechselrichter und kann aufgrund ihrer Größe unproblematisch auf dem Balkon, der Terrasse oder der Fassade angebracht werden.

Auch für Mieter interessant

Damit ist sie auch für Mieter interessant, für die eine normale PV-Anlage in der Regel nicht in Frage kommt. Per Stecker wird die Anlage einfach mit dem Hausnetz verbunden, wo die erzeugte Energie direkt verbraucht wird. Mit einem 600 KWp-Gerät könne so ein Viertel bis ein Drittel des Strombedarfs eines durchschnittlichen Einpersonenhaushalts erzeugt werden.

Wie die Lechwerke auf Anfrage der Heimatzeitung mitteilen, ist die Zahl an Balkonkraftwerken in der Region bislang noch mehr als überschaubar. Nur knapp 20 Anlagen seien im Raum Schongau und Peiting aktuell registriert.

Um das zu ändern, sah der Antrag der Grünen vor, dass sich die Gemeinde an den Anschaffungskosten beteiligt, und zwar mit zwei Euro pro zehn KWp installierter Leistung bis zu einer Höchstsumme von 120 Euro. Andere Kommunen wie Weilheim und Penzberg seien bereits mit gutem Beispiel vorangegangen. Die Kosten, mit denen man für den Kauf eines Geräts rechnen muss, liegen laut Bürgermeister Peter Ostenrieder zwischen 800 und 1100 Euro. Maximal 100 Balkon-Kraftwerke sollen auf diese Weise gefördert werden, die nötige Summe von 12 000 Euro sei im Nachtragshaushalt einzuplanen.

Was bei Mini-Solaranlagen beachtet werden muss

Wer eine Mini-Solar-Anlage bei sich zuhause installieren will, muss einige Dinge beachten. Das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) hat dazu ein Faktenblatt erstellt, in dem die wichtigsten Fragen geklärt werden. Darauf weisen die Lechwerke hin. So raten die Experten dazu, vor dem Einsatz eines Stecker-Solargeräts eine Elektrofachkraft die Wohnungsinstallation prüfen zu lassen. Auch wenn die Montage einfach sei, sollte sie von einem Fachunternehmer durchgeführt werden. Zudem muss auch eine Mini-Solaranlage wie seine größeren Brüder nicht nur beim Netzbetreiber, sondern auch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Sollen Module am Balkongeländer oder an der Fassade angebracht werden, handle es sich um eine bauliche Veränderung, wofür es die Zustimmung des Vermieters brauche. Auch das Einverständnis der Eigentümerversammlung könne notwendig sein, heißt es in dem Faktenblatt.

Doch hier ging es der Verwaltung zu schnell. Wenn man sich jetzt auf den Weg mache, dauere die Umsetzung bis 2023, merkte Ostenrieder an. Schließlich müssten erst noch die genauen Modalitäten für die Förderung festgelegt werden. Der Betrag könne deshalb im Haushalt des nächsten Jahres vorgesehen werden. „Wir schauen aber, dass wir die Formalitäten bis Herbst soweit klären, dass die Leute anfangen können, zu bestellen“, versprach er. „Wir sind da auf der gleichen Wellenlänge.“

Doch auch Norbert Merk (CSU) sah kein Problem darin, die Mittel noch heuer im Nachtragshaushalt vorzusehen. Das sei mit einem vernünftigen Ablauf durchaus möglich, befand der Kreiskämmerer. Überhaupt traf der Vorstoß der Grünen im Gremium fast durch die Bank auf Zustimmung. Leise Kritik kam nur von Christian Lory (Unabhängige), der von einem „symbolpolitischen Antrag“ sprach. „Aber da hatten wir hier schon unsinnigere.“

Sinnvoll fand dagegen Tobias Eding die Idee der Grünen, zumal man die Mini-PV-Anlagen einfach selber installieren könne. Doch da bremste ihn der Rathauschef. Ohne einen Elektriker gehe da wegen der Förderung nichts.

Einstimmig segnete der Gemeinderat am Ende den Antrag der Grünen ab.

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Kommentare

Grantler
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Wär natürlich super, wenn damit ein paar Leute auf den Geschmack kommen und dann richtige PV Anlagen auf dem Dach montieren lassen.
Es wäre ebenso super, wenn die letzten großen Dächer in Peiting auch mit PV bestückt werden würden.
Es ist ja derzeit eh nichts zu haben, egal ob Module, Wechselrichter, Montagematerial oder Fachkräfte.
Generell wäre es jedoch denke ich wünschenswert, zuerst die großen Flächen zu bestücken und damit Skaleneffekte zu nutzen.

Blauzahn/BluetoothAntwort
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Das dauert mir viel zu lange, habe mit dem Bau der Photovoltaik und Solarthermie bereits begonnen. Eine Elektrofachkraft war nicht verfügbar.

Martin HuberAntwort
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2026 ist die nächste Kommunalwahl. Ganz einfach von einer Partei auf die Liste setzen lassen, sie brauchen da nicht mal Mitglied der Partei werden. Die sind alle froh wenn sie die Liste voll bekommen. Und dann beweisen, dass Sie es besser können.