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Gericht gibt Alkoholiker noch eine Chance

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Ein zuvor unbescholtener 31-jähriger Peißenberger begeht 2017 innerhalb von nur drei Wochen fünf Straftaten. Er verletzt unter anderem eine Frau in Peiting. Vor dem Landgericht erhält der Alkoholiker nun eine letzte Chance – und eine Flasche Wasser.

Peiting/Schongau Manuel P. (Name geändert) wusste offenbar schlicht nicht mehr weiter. Er habe kein Geld, aber Hunger gehabt, rechtfertigt der Peißenberger rückwirkend, was an jenem 4. März 2017 in einem Peitinger Lebensmittelgeschäft geschah. Der 31-Jährige nahm sich einen Salat aus der Salattheke und verspeiste ihn noch im Laden – dann wollte der an jenem Tag total betrunkene Oberbayer mit einer Packung Käse das Weite suchen. Doch ein Mann und eine Frau hielten den Trinker noch im Geschäft auf.

Es kam zu einem Handgemenge, die mutige Zeugin stürzte. Dann trat der Betrunkene die Frau laut Anklage, wobei das Opfer zwei Prellungen erlitt. Insgesamt fünfmal war der Peißenberger im Februar und März vergangenen Jahres innerhalb von nur drei Wochen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Deshalb musste sich der Alkoholiker in dieser Woche vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die Vorsitzende Richterin konstatierte, dass der zuvor komplett unbescholtene Mann damals in eine Lebenskrise geschlittert sei. Er habe zum Teil aufgrund von Hunger und Durst gehandelt. Und alle Taten hätten mit dem hohen Alkoholkonsum des Täters zusammengehangen, zeigte sich die Richterin überzeugt.

So klaute er etwa in Schongau eine Flasche Eierlikör – dabei hätte dieser gerade einmal 3,99 Euro gekostet. In einem Geschäft in Schongau hatte Manuel P. zudem versucht, eine Damen-Jeans zu stehlen – auch hier blieb er erfolglos. Wieder hatte eine Frau den eher zierlichen Mann aufgehalten, Manuel P. konnte sich diesmal jedoch nicht losreißen.

Bei zwei weiteren Auseinandersetzungen beschimpfte P. einen Ladendetektiv in Schongau sowie einen Mann in Peiting zunächst wüst und attackierte sie später. Beide Opfer verletzten sich leicht, in einem Fall wurde aber auch der Peißenberger geschubst und erlitt leichte Blessuren.

Das Gericht verurteilte den wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung angeklagten Trinker nun zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung. „Ich habe einen einsichtigen Täter“, sagte die Richterin. Sie verwies in ihrer Urteilsbegründung auf dessen Geständnis sowie auf eine günstige Sozialprognose. Einfach so in die Freiheit wollte sie ihn aber nicht entlassen. „Wir haben eine Einrichtung, in die wir Sie hinschicken können.“ In einem Haus für Alkoholkranke nordwestlich von München soll Manuel P. nun einen Entzug machen. „Wir möchten, dass Sie ihr Leben in den Griff bekommen“, sagte die Richterin. Bleibt der 31-Jährige nicht trocken, riskiert er, dass er umgehend ins Gefängnis muss.

Der Deutsche zeigte sich sichtlich erleichtert über das Urteil. Die Richterin sprach von einer „zweiten Chance“. Damit vor dem Start nichts schief geht, spendierte die Gerichtskasse Manuel P. sogar die Fahrkarte zur Entzugsanstalt, samt einer Wegbeschreibung. Man gebe ihm aber lieber kein Geld, damit er nicht in Versuchung gerate, damit Bier zu kaufen, so die Richterin. Zudem gab sie dem komplett mittellosen Mann noch eine Flasche Wasser aus. „Das ist wie Weihnachten. Wir kümmern uns um alles“, sagt die Richterin. Nun muss der Peißenberger seine Chance aber auch nutzen.

Tobias Lill

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