Stein des Anstoßes: Auch beim aktuellen Ausbau der Azamstraße wurden Granitsteine aus Asien verwendet. In diesem Fall stammen sie aus China.
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Stein des Anstoßes: Auch beim aktuellen Ausbau der Azamstraße wurden Granitsteine aus Asien verwendet. In diesem Fall stammen sie aus China.

Debatte im Peitinger Marktgemeinderat

Granit aus Fernost kontra Klimaschutz

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Im Straßenbau kommt auch in Peiting oft Granit zum Einsatz. Dass die Steine für die jüngsten Baustellen aus Asien stammten, ist jetzt Gemeinderat Alfred Jocher (UP) sauer aufgestoßen. Sein Antrag, künftig wegen der besseren Umweltbilanz nur noch Granit aus Europa zu verwenden, scheiterte jedoch im Gremium.

Peiting – Was haben China, Indien und Bangladesch mit Peiting am Hut? Nicht viel, möchte man meinen. Und dennoch waren die drei Länder Anlass für eine rege Diskussion in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Oder genauer gesagt der Granit, den der Markt Peiting jüngst für drei Bauprojekte von dort bezogen hat. Verbaut wurden die Steine laut Alfred Jocher (Unabhängige) an der Azamstraße, der Fußgängerquerung in der Birkenriedstraße und bei der Parkfläche am Eisstadion.

Was den Unabhängigen-Rat ärgerte: der lange Transportweg, den der Granit von Asien bis in den Pfaffenwinkel hinter sich hatte. Von Nachhaltigkeit und Umweltschutz könne man da nicht reden, schimpfte Jocher, der auf den ökologischen Fußabdruck verwies. Der betrage für den Fernostgranit satte 280 kg CO2 pro Tonne, mehr als das Zehnfache von Natursteinen, die in Deutschland produziert würden, rechnete der Gemeinderat vor.

Sein Antrag lautete daher: Bei künftigen Vergaben sollte die Gemeinde auf die Verwendung von Natursteinen aus Deutschland beziehungsweise Europa bestehen. Oder aber gleich auf alternative Produkte aus Beton setzen. Denn die kleinteiligen Granitsteine seien für Gehbehinderte mit Gehwagen oder Mütter mit Kinderwagen ohnehin eine Qual im Vergleich zu einfachen Betonbodenplatten, sagte der Seniorenreferent.

Doch Jocher hatte die Rechnung ohne das Vergaberecht gemacht. Das nämlich erlaube es zwar über Zertifikate einzufordern, dass Produkte nicht aus Kinderarbeit stammten, erklärte Geschäftsleiter Stefan Kort. „Das machen wir natürlich.“ Die Herkunft der Steine einfach auf eine Region einzugrenzen, sei dagegen nicht möglich. Dies gehe nur indirekt, wenn etwa der erforderliche Stein in einer bestimmten Gegend vorkomme.

Skeptisch zeigte sich Kort auch, was die Festlegung eines Höchstwerts an CO2-Belastung in der Ausschreibung angeht. Denn auch in Deutschland geförderte Steine würden teils wegen der geringeren Löhne zur Bearbeitung nach Südeuropa oder China transportiert, gab er zu bedenken. „Dann würden sich die ökologischen Vorteile einer regionalen Herkunft wieder aufheben.“ Kein Problem vergabetechnisch sei dagegen, auf Betonprodukte auszuweichen, wenn das vom Gemeinderat gewünscht sei.

Das allerdings fand Thomas Elste (Grüne) „völlig irrsinnig“. Denn bei der Produktion von Beton würde mit 600 kg pro Tonne noch viel mehr CO2 freigesetzt. Dazu komme die geringere Haltbarkeit gegenüber Natursteinen. „Ich halte es aber für dringend notwendig, dass wir den ökologischen Fußabdruck berücksichtigen“, pflichtete Elste Jocher bei. „Es muss möglich sein, hier einen Höchstwert festzusetzen“, fand auch Marion Gillinger (ÖDP). Doch Kort blieb hart. Das sei nicht so einfach, wie es klinge. Es gebe viele Berechnungsmodelle. „Wem sollen wir da Glauben schenken?“ Und wo fange man an und wo höre man auf? Denn wenn man es mit dem ökologischen Fußabdruck genau nehme, müsste man auch die eingesetzte Computer-Hardware oder die Arbeitskleidung des Bauhofs auf den Prüfstand stellen, verglich Kort mit Blick auf die meist asiatische Herkunft der Produkte.

Herbert Salzmann (SPD) warnte gar vor den Folgen eines solchen Instruments. Als Exportland könne man sich die Anwendung schlicht nicht leisten. Er erinnerte an die DDR, die ohne Außenhandel pleite gegangen sei. „Es gibt genügend andere Bereiche, wo das sinnvoller ist.“ Kritik kam auch von Norbert Merk (CSU). „Wenn wir das beschließen, brauchen wir eine zusätzliche Stelle in der Verwaltung, die sich nur damit beschäftigt.“

Einen Vorschlag zur Güte machte Bauhofchef Tim Osterhaus. Am wenigsten CO2 entstünde, wenn man generell so viel wie möglich recyceltes Material einsetze. Im Bauhof versuche man bereits, alles was ausgebaut werde, an anderer Stelle wiederzuverwenden.

Letztendlich einigte sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit darauf, Jochers Antrag abzulehnen, künftig aber bei Straßenbauprojekten im Einzelfall zu entscheiden, welche Produkte verwendet werden.

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