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Das Marienheim an der Peitinger Bahnhofstraße aus der Luft. Seit 105 Jahren prägt der imposante Bau das Ortsbild der Marktgemeinde.

Übernimmt die AWO?

Große Pläne fürs Peitinger Marienheim: Neubau unter neuem Betreiber

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Seit 105 Jahren prägt das Marienheim das Peitinger Ortsbild. Einst Altersruhesitz für Knechte und Mägde, beherbergt das markante Gebäude heute eine geschlossene sozialtherapeutische Einrichtung. Doch das wird sich bald ändern: Weil die Räumlichkeiten den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr genügen, steht das Marienheim am Scheideweg.

Peiting – Herrschaftlich wirkt das Marienheim, wenn man es von außen betrachtet. Und auch hinter den dicken Mauern versprüht das alte Gebäude seinen ganz eigenen Charme. Doch Charme allein reicht für den Gesetzgeber nicht. Was dort zählt, sind harte Fakten. Definiert sind sie im Pflege- und Wohnqualitätsgesetz. Zimmergrößen, Ausstattung: Alle Vorgaben werden darin genau geregelt. Was prinzipiell eine gute Sache ist, weil so für eine höhere Qualität in der Unterbringung gesorgt werden soll, stellt bestehende Einrichtungen wie das Marienheim vor große Probleme. Das ist zwar über die Jahre immer wieder modernisiert worden. „Die neuen Auflagen sind in unserem alten Gebäude nicht erfüllbar“, sagt Einrichtungsleiter Franz Straif.

Blick in eines der Bewohnerzimmer im Peitinger Marienheim.

Das fängt bei der Größe der Bewohnerzimmer an, die größtenteils das Mindestmaß von 14 Quadratmetern für ein Einzel- und 20 für ein Doppelzimmer unterschreiten. Über 80 Prozent beträgt die Quote an Einzelzimmern, auch hier liegt das Marienheim deutlich darunter. Und dann wäre da noch die Ausstattung mit Nasszellen, die ebenfalls den Anforderungen zum Teil nicht genügt. Eigentlich wäre deshalb schon 2016 die Betriebserlaubnis für das Marienheim erloschen. Nur dank eines überzeugenden bautechnischen und fachlichen Konzeptentwurfs seien von Landratsamt und Regierung Ausnahmeregelungen genehmigt und einer Fristverlängerung bis 2022 zugestimmt worden, sagt Straif, dessen Frau Charlotte als Geschäftsführerin daran einen maßgeblichen Anteil hatte.

Um die von der Heimaufsicht gesetzte Frist einzuhalten, habe man als erstes einen Umbau geprüft, sagt der Peitinger Adolf Kapfer, dessen Familie seit 1982 die Mehrheit an der betreibenden Gesellschaft hält. Der sei zwar prinzipiell möglich, allerdings müsste währenddessen das Gebäude geräumt werden. „Für psychisch kranke Menschen wären die Bauarbeiten eine zu große Belastung“, sagt Straif. Weil es an einer alternativen Unterbringung fehlte, war dieser Plan schnell vom Tisch.

Die einzige verbleibende Option: das Marienheim an anderer Stelle neu errichten. „Wir haben uns dann auf die Suche nach jemanden gemacht, der das umsetzen kann“, sagt Kapfer. Aussichtsreichster Kandidat für die Rolle des neuen Trägers ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Seit Monaten wird hinter den Kulissen verhandelt. Bis Ende des Jahres hofft Kapfer, dass es eine Einigung gibt. Eine wesentliche Bedingung: Sowohl Personal als auch Bewohner müssen von der AWO übernommen werden, betont der Peitinger.

Marktgemeinde hat Grundstück im Auge

Auch die Marktgemeinde spielt bei den Verhandlungen eine wichtige Rolle, denn für einen Neubau braucht es ein geeignetes Grundstück. In nichtöffentlicher Sitzung habe der Gemeinderat schon seine grundsätzliche Zustimmung erteilt, sollte man eine passende Fläche finden, sagt Bürgermeister Michael Asam. „Wir haben bereits etwas im Auge, aber das ist noch nicht spruchreif.“ Man gehe aktuell von einem Bedarf von 6500 Quadratmeter aus. Asam lässt keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde die Einrichtung unbedingt im Ort halten möchte. Ihr besonderes Konzept, das darauf ausgerichtet sei, den Bewohner langfristig wieder eine Perspektive außerhalb einer geschlossenen Einrichtung zu geben, sei einmalig in Oberbayern – und ein Verdienst von Einrichtungsleiter Franz Straif.

Straif freut das Lob. „Wir sind für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen die letzte Chance, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.“ Es gehe nicht darum, jemanden wegzusperren, sondern ihn vorübergehend vor sich selbst zu schützen. „Wenn man diesen Menschen so begegnet, dass sich Vertrauen entwickeln kann, dann entsteht etwas, durch das die Seele gesunden kann.“

Neubau ist „große Chance“

Den angestrebten Neubau sieht der langjährige Einrichtungsleiter als „große Chance“. So könne man das Gebäude idealtypisch für eine geschlossene Unterbringung errichten. Der Bürgermeister denkt sogar noch weiter. „Vielleicht lässt sich auch eine Form des betreuten Wohnens integrieren.“ Wichtig wäre Straif freilich, dass ein Neubau nicht nur als reiner Funktionsbau umgesetzt würde. „Unser jetziges Haus hat einen ganz eigenen Charme. Aber ich bin guter Dinge, dass die Protagonisten wissen, worauf es ankommt.“

Wird das Marienheim zum Peitinger Rathaus?

Sollte das Marienheim in Peiting neu gebaut werden, stellt sich eine wichtige Frage: Was passiert mit dem alten Gebäude an der Bahnhofstraße? Bürgermeister Michael Asam hätte da schon eine Idee. 

Rund 5000 Quadratmeter groß ist das Marienheim-Grundstück an der Bahnhofstraße direkt neben der Wallfahrtskirche Maria Egg. Aktuell gehört es der „Marienheim Peiting Grundstücksverwaltungs-GmbH“. Was diese mit dem Filetstück mitten in Peiting vorhat, wenn es zum Neubau des Marienheims durch die AWO kommt, steht bislang in den Sternen. 

„Über die Zukunft wurde noch nicht gesprochen“, weiß Adolf Kapfer, dessen Familie die Mehrheit an der betreibenden „Marienheim Peiting GmbH“ hält. Er selbst freilich hat einen klaren Wunsch. „Es ist ein prägendes Gebäude für die Gemeinde, geht es nach mir, soll das auch so bleiben.“ 

Damit rennt Kapfer bei Bürgermeister Michael Asam offene Türen ein. Der hat sogar schon eine Idee, wie sich die Immobilie nutzen ließe, nämlich als neues Rathaus der Marktgemeinde. Schon Altbürgermeister Klement Sesar habe vor Jahrzehnten diesen Gedanken gehabt, weiß Asam. Umgesetzt freilich wurde er nie. Aus Sicht des Bürgermeisters hat die Vorstellung jedenfalls viel Charme, könnte ein Umzug doch die beengten Platzverhältnisse der Verwaltung lösen. Zumal das derzeitige Rathausgebäude in seinem Zustand längst kein Aushängeschild der Gemeinde mehr sei. 

Natürlich müsste das Marienheim erst einmal vernünftig saniert werden, ist sich der Bürgermeister bewusst. Offen sei auch, ob sich die Gemeinde den Kauf überhaupt leisten könne. „Und natürlich ist die Frage, ob es dafür im Gemeinderat eine Mehrheit gibt.“ Viel hängt laut Asam auch davon ab, wie es in Sachen Kindergärten weitergehe. Denn sollte die in die Jahre gekommene Einrichtung am Rathaus durch einen Neubau ersetzt werden, gäbe es in der Ortsmitte neue räumliche Möglichkeiten für die Verwaltung. „Man darf auch nicht unterschlagen, dass der Standort des Rathauses im Moment ideal ist.“ 

So bleibt die Idee erst einmal nur eine Idee. Ob sie tatsächlich umgesetzt wird, ist damit ein Fall für Asams Nachfolger im Rathaus. Der Bürgermeister tritt bekanntlich bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr nicht mehr an. „Ich werde das nicht mehr mitbestimmen.“

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