Hausnamenstafeln in Peiting: Der „Koser-Mini“ vom Ödenhof, Dominikus Häuserer (rechts), freut sich über das neue Hausnamensschild, das er jetzt anbringen wird. Neben dem Hof steht die 1770 errichtete und der Gottesmutter geweihte Kapelle. Mit auf dem Foto Ortsobmann Andreas Barnsteiner bei der Übergabe des Schildes.
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Hausnamenstafeln in Peiting: Der „Koser-Mini“ vom Ödenhof, Dominikus Häuserer (rechts), freut sich über das neue Hausnamensschild, das er jetzt anbringen wird. Neben dem Hof steht die 1770 errichtete und der Gottesmutter geweihte Kapelle. Mit auf dem Foto Ortsobmann Andreas Barnsteiner bei der Übergabe des Schildes.

Über 55 Tafeln erinnern in Peiting an die Geschichte der Häuser und Höfe

Hausnamen waren geläufiger als Schreibnamen

„Unsere Hausnamen sind ein Stück Heimatgeschichte, auf die wir zu Recht stolz sein dürfen“: Mit Peitings Ortsobmann Andreas Barnsteiner sind sich seine Berufskollegen einig, dass diese Hausnamen nicht in Vergessenheit geraten sollen. Um sie als bäuerliches Kulturgut auch vor Ort lebendig zu halten, konnten jetzt an 55 Bauernhöfen Hausnamenstafeln angebracht werden.

Peiting - Auf den blauen Emaille-Schildern in gewölbter Ausführung im Format von 38 mal 26 Zentimetern ist zudem aufgeführt, wie weit zurück die Hofgeschichte verfolgt werden kann. Möglich ist dies Dank der guten und soliden geschichtlichen Erforschung durch die früheren Bürgermeister Heinrich Barnsteiner und Karl Fliegauf sowie der gewissenhaften Fortführung durch Hans Wörnzhofer und Ernst Merk.

Für die umfangreichen Aufzeichnungen im Archiv des Museums im Klösterle dankt Andreas Barnsteiner den Heimatfreunden. „Die Ordner mit den Besitzernamen und alten Urkunden sind eine wahre Fundgrube für jeden, der sich für seine Familiengeschichte interessiert“, zeigt sich auch Monika Pusch begeistert. Ihr Elternhaus in der Oberen Straße in Peiting trägt den Namen „Christelewagner“.

Besonders angetan sind die Besucher des Museums immer wieder von der Häuserkarte mit all’ den Hausnamen im Maßstab 1:800, weiß Franz Bleichner zu berichten. Regina Breidenbach hat diese im Rahmen ihrer Facharbeit zu den „ehemaligen Haus- und Flurnamen des Dorfes Peiting im 19. Jahrhundert“ im Jahr 1986 angefertigt.

Zum Hintergrund: Hausnamen entstanden einst aus der Notwendigkeit, ein Anwesen – also einen Hof oder ein Haus mit Grundstück – eindeutig zu definieren, also den Ort zu benennen in einer Zeit, als es noch keine Grundbücher, Straßennamen und Hausnummern gab. Die Hausnamen waren den alten Peitingern geläufiger als die Schreibnamen.

So schrieb der ehemalige Ortschronist Karl Fliegauf in seinem „Heimatfreund“ über die Alt-Peitinger Geschlechter und Hausnamen im Juni 1965: „Es wird niemanden einfallen, zum ,Pinzger Sepp’ Josef Kümmerle zu sagen, wie man zum ,Six’ Andreas selten Prielmeier oder zum ,Buitbauer Max’ kaum Wagner sagen wird.“

Damals führte er noch eine ganze Reihe von Bürgern auf, die die meisten fast nur dem Hausnamen nach kannten. Noch heute identifizieren sich die Hofbesitzer mit ihren generationsübergreifenden und oft weit zurückgehenden Hausnamen. So waren auf Anhieb über 55 Bauern und auch Privatleute bereit, Hausnamenstafeln anzubringen.

Da im Ortsbereich Peiting in den vergangenen Jahrzehnten mehrere oft die Straßenzeilen prägende landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben wurden, wäre es erfreulich, wenn auch diese alten Hofstellen oder dort entstandenen Neubauten mit den Hausnamen gekennzeichnet werden. Teilweise ist dies bereits geschehen – wie beispielsweise beim „Ottiler“ in der Freistraße oder beim „Bachveith“ in der Ammergauer Straße. Aussiedler wie der „Schilling“, „Schwarzmichlweber“, „Enebächler“, „Schellebauer“, „Beni“ oder „Pfeifer“ haben ohnehin ihren Hausnamen auf die neue Hofstelle mitgenommen.

GERHARD HEISS

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