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Ausgestellt: Die Trophäen der Jäger.

Hegeschau Peiting

Wildsau-Abschuss enorm eingebrochen

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Die vermutlich kürzeste Hegeschau aller Zeiten am Sonntag in Peiting dürfte wetterbedingt auch die am schlechtesten besuchte gewesen sein. Themen waren vor allem der Trubel um das Fütterungsverbot im vergangenen Winter und eine Rätselfrage: Wo sind die Wildschweine hin?

Peiting – Fast hätte Robert Eichner, Vorsitzender des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau, alle Anwesenden namentlich in der Peitinger Schloßberghalle begrüßen können. Spärlich besetzt waren die Tische, „aber ich freue mich über jeden, der trotz der Witterung gekommen und nicht ins Eiscafé gegangen ist“, so Eichner. Er räumte auch mit dem Gerücht auf, die sonst stets im März stattfindende Hegeschau finde erst jetzt statt, weil er ein halbes Jahr in Südamerika in Urlaub gewesen sei. „Tatsächlich war die Halle immer belegt und die einzigen Termine Mitte Februar und eben jetzt“, so Eichner.

Das Thema Notzeit nahm, wie schon bei der Hegeschau in Wildsteig im März, erneut großen Raum ein. Eichner brachte es auf den Punkt: Wichtig sei künftig nicht, wann Notzeit herrsche und wann nicht, sondern nur, was gefüttert werde: „Nur wenn Kraftfutter drin liegt, gibt es ein Problem.“

Das bestätigte Manfred Plonner von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt. „Kraftfutter ist weder notwendig noch sinnvoll. So eine Fütterung kann mit einem Bußgeld belegt werden.“ Sinnvolles Futter dagegen werde vom Rehwild sowieso nur angenommen, wenn es wirklich Hunger habe, das passe also. Trotzdem halte man an den Richtlinien zur Rehwildfütterung fest, sagte Plonner. „Wann Notzeit ist, entscheidet künftig der Jäger mit der Jagdgenossenschaft und dem Hegering-Leiter. Nur wenn es Unstimmigkeiten gibt, liegt im Einzelfall der Entschluss bei uns“, so Plonner.

Martin Kainz vom Forstamt war ebenfalls zuversichtlich. „Wir haben schon alles erlebt, von Jägern, die nie füttern, zu welchen, die ab August loslegen, und von Heu bis zu reinem Kraftfutter.“ Doch Letzteres provoziere sogar mehr Verbiss an Bäumen, betonte Kainz.

Das Thema Schwarzwild werde alle noch „auf Jahre beschäftigen“, prophezeite Plonner. Wie wichtig der Jagdbehörde die Jagd auf Wildschweine ist, beweist die Tatsache, dass sowohl die Schonzeit-Verkürzung für Keiler als auch nicht unumstrittene Hilfsmittel wie ein Saufang, also eine spezielle Wildschweinfalle, nach kurzer Prüfung so gut wie immer genehmigt werden. „Alle Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden“, sagte Plonner. Derzeit seien zwei Saufänge und ein Frischlingsfang genehmigt, die Ergebnisse werden an die Jagdbehörde gemeldet.

Jäger-Chef Robert Eichner (r.) verabschiedete Dr. Volker Pürckhauer (l.) und Franz Zwingmann.

Merkwürdig aber: Die Zahl der erlegten Wildschweine ist im vergangenen Jagdjahr eklatant gesunken, von 562 auf 352. Beim Grund für den Rückgang herrschte Rätselraten. Offenbar waren die Tiere nicht so präsent. Plonners Kollegin Sabine Wiemann sagt, auch beim Thema Wildschäden, für die die Gemeinden zuständig seien, sei weniger als sonst zu ihr durchgedrungen. Auch ein Jäger sagte auf SN-Nachfrage, dass es solche Schwankungen durchaus gebe. „Ende des Jahres kann das schon wieder ganz anders ausschauen.“

Seit Jahren ähnlich ist dagegen die Abschusserfüllung beim Rehwild, nämlich weiter sinkend. Mittlerweile werden die Abschusspläne im Schnitt aller Reviere nur noch zu 83 Prozent erfüllt, mit der Hegegemeinschaft Penzberg als Spitzenreiter (98 Prozent) und den Hegegemeinschaften Bernbeuren, Peiting und Weilheim (je 78 Prozent) als Schlusslicht. Mit 4807 Stück Rehwild wurden exakt 1000 Rehe weniger erlegt als noch vor zwei Jahren. Auch wenn die Verbisssituation sich zuletzt verbessert hat: „Ich appelliere an die Jäger, alles dafür zu tun, um den Abschuss zu erfüllen“, sagte Plonner fast flehentlich. Er wisse, dass die Jagd oft eine Herausforderung sei, „aber das Rehwild ist da“. Bei einem besseren Besuch hätte Plonner bei diesem Thema vermutlich Widerworte geerntet.

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